Herausforderung Einkaufstourismus

Der Einkaufstourismus hat dramatische Ausmasse angenommen: Gemäss dem Schweizerischen Gewerbeverband haben letztes Jahr Konsumentinnen und Konsumenten aus der Schweiz für rund 5 Mrd. Franken im Ausland eingekauft. In den Regionen Kreuzlingen, Romanshorn und Weinfelden verzeichnet der Detailhandel in der gleichen Zeit je nach Branche Einbussen von 15 bis 20 Prozent, wobei Schuhläden, Kleidergeschäfte, sowie Drogerien und Apotheken den grössten Umsatzverlust hinnehmen mussten. Das Hauptzollamt Singen, das für die Übergänge nach Deutschland in der Bodenseeregion zuständig ist, registrierte einen Zuwachs von einem Drittel der abgestempelten Ausfuhrscheine, die für die Rückerstattung der deutschen Mehrwertsteuer notwendig sind.

Das Gewerbe reagiert auf die Entwicklung mit einer PR-Kampagne, um das Einkaufen in der Schweiz zu fördern. Gleichzeitig versucht man, die Problematik auch wissenschaftlich anzugehen und der Detaillistenverband gab eine entsprechende Studie in Auftrag. Deren Ergebnis liegt nun vor und zeigt, dass für die Kundentreue die Wertschätzung von entscheidender Bedeutung ist, welche die Händler gegenüber ihrer Kundschaft an den Tag legen. Das bedeutet vor allem persönliche Beratung, Freundlichkeit und umfassende Serviceleistungen. Diese Faktoren können für die Kaufentscheidung ebenso wichtig sein wie der Preis. Gemäss der Studie haben einige Branchen mit Erfolg auf die Herausforderung reagiert, hauptsächlich das Autogewerbe, die Möbelhändler, die Reisebüros, der Buchhandel und die Elektronikgeschäfte. Im Gegensatz dazu gibt es bei der hiesigen Bekleidungsbranche noch ein beträchtliches Verbesserungspotential. Es ist also erwiesen, dass man gegen die Konkurrenz des deutschen Handels durchaus bestehen kann, wenn man sich entsprechend anstrengt. Weniger erfreulich ist allerdings, dass staatsnahe Betriebe, wie die PostAuto AG und SBB auf ihre Weise vom Einkaufstourismus profitieren wollen und für Shoppingtouren in Deutschland mit verbilligten Tarifen werben, was ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Gewerbebetriebe ist.

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