Business Ethics und Rücktrittskultur

Der neudeutsche Begriff „Business Ethics“ ist seit längerem in der Geschäftswelt fest verankert und mittlerweile zum Standardangebot von Weiterbildungsseminaren geworden. Das Thema ist also hoch im Kurs, wobei mit dem Begriff Business immer häufiger auch die Politik gemeint ist.

Das ist eine sehr positive und erfreuliche Entwicklung, denn ehrliches und transparentes Handeln ist sowohl in der Wirtschaft, als auch in der Politik nicht immer selbstverständlich. Gerade in der Politik, von deren Exponenten die Öffentlichkeit eine gewisse Vorbildfunktion erwarten darf, ist nicht alles Gold was glänzt. Kürzlich erst ist bekannt geworden, dass der französische Budgetminister ein Bankkonto zuerst in der Schweiz und anschliessend in Singapur unterhielt, obwohl er dies während Monaten abgestritten hatte. Seine Lügen haben ihm schlussendlich den Ministerposten gekostet. Nicht besser erging es dem ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, der wegen privater Devisengeschäfte Anfang 2012 von seinem Amt zurücktreten musste, obwohl er formell nichts illegales getan hatte. Im Gegensatz zu anderen Ländern war die sogenannte Rücktrittskultur bisher in der Schweiz nicht sehr entwickelt und es brauchte einen handfesten Skandal, bis eine Person des öffentlichen Lebens wie Philipp Hildebrand zurücktrat.

Die Affäre Hildebrand dürfte ein Indikator für einen Mentalitätswandel sein. Ob diese Entwicklung positiv ist oder nicht kann man diskutieren. Auf jeden Fall birgt sie Gefahr, dass bereits aufgrund von unsorgfältig recherchierten Medienberichten Personen des öffentlichen Lebens verunglimpft werden und ihnen Taten ohne wirklich handfeste Grundlage zur Last gelegt werden. Das Ganze erfolgt nicht selten mit dem Ziel, jemanden aus dem Amt zu drängen, auch wenn es hintergründig nur um politische Beweggründe geht.

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