Der Fall Bremgarten - Absurde Bürokratie und wieso Linke mitmachen oder oft zugleich unfähig sind, etwas dagegen zu unternehmen!

Der Fall Bremgarten wurde in den letzten Stunden wieder einmal zu dem, was der Schweiz doch ab und an passiert: Das so saubere, gut organisierte und ‚freiheitsliebende‘ Wohlstandsinselchen gibt sich nicht in der internationalen, sondern in der eigenen Presse völlig der Lächerlichkeit preis. Eine von Bundesrätin Sommaruga eingeführte Option für bzw. gegen Asylsuchende, die sich „völlig daneben“ benehmen, ist eine Art Rayon-Verbot für das Leben ausserhalb des Asylzentrums.

Als wäre dies nicht schon eine Bankrotterklärung, pervertiert nun das Städtchen Bremgarten (AG) diese Regelung. Ganz vorne mit dabei – die Grüne Susanne Hochuli. Und zwar sollen Asylsuchende nicht mehr in die Badi dürfen, auch andere ‚heikle Zonen‘ in Bremgarten wie Sportanlagen und Kirchen (?) sollen tabu sein. Mag es auch sein, dass rein statistisch Probleme mit Asylsuchenden wahrscheinlicher sind als mit Lokalen unter sich, so braucht es zum Streiten immer zwei (man entsprach man damit schon im Vorhinein dem Wunsch der Bevölkerung!) und weiter ist eine de facto-Abschaffung des Undschuldsprinzips sowie eine Pauschalisierung aufgrund des Aufenthaltsstatus weder rechtlich noch rein logisch irgendwie zu legitimieren. So hiess es, man wolle damit dem Drogendealern zu vorkommen. Soll man nun noch sicherer gehen und Männer mit dunklen Haaren und Augen aus der Badi ausschliessen, sollten diese unter Drogendealern übervertreten sein? Die Badi bzw. Bremgarten kann öffentliche Plätze mit ‚zig mal mehr mal weniger sinnvollen Massnahmen gegen Kriminalität schützen, immer mit dem guten alten „Erwiesene Täter angehen“-Prinzip. Jede andere Vorgehensweise unterstellt einer Gruppe Menschen ein Verbrechen, das sie nicht begangen haben und mit 99% Sicherheit nie begehen werden – so sicher, wie unter SchweizerInnen auch! Nun muss man ja fairerweise sagen, dass die Bremgartner Seite im Tagi korrigiert hat, dass Asylsuchende in die Badi dürfen, aber nur unter Aufsicht. Grund? Vor einiger Zeit sei das 3-jährige Mädchen eines Asylsuchenden fast ertrunken, weil ebenjener seiner Aufsichtspflicht nicht nachkam. Nochmals dieselbe Dummheit. Was jeden Tag hundertfach völlig unabhängig von der Herkunft passiert, bleibt ausgerechnet bei denen, die man in der Gesellschaft meiden will, nicht ohne überwachungsstaatliche Konsequenzen in der ‚freiheitsliebenden Schweiz‘? Ein absurdes Ding, diese Bürokratie!

Ich bin nicht, was man gemeinhin einen Idealisten nennt! Ich lamentiere schon lange die moralapostolischen Schlaumeiersprüche aus Rot-Grün; nicht weil sie nicht stimmen würden, sondern weil sie sich voller Arroganz über die Lebensrealität so vieler hinwegsetzt. Ausländerfeindlichkeit und Ausländerkriminalität – das Letztere nach SVP-Einbildung Kausalität für das Erste – haben einen wichtigen Punkt gemeinsam: Sie existieren beide (!) – auch wenn bei nüchternem Blick eine Prise von Letzterem der SVP einen politischen Karneval vom Ersten möglich macht – und entstehen aus dem, was Psychologinnen ‚extrinsische Hygiene-Faktoren‘ nennen. Den Grund dafür dürfen sich die Bürgerlichen schön selbst geben, denn wenn Asylsuchende oft aus faktisch ausgebeuteten Ländern hier in die sich bereichernde Schweiz kommen und ihnen nun mehr weder Arbeit noch eine existenzbefähigende Notunterstützung zu Teil wird…na dann würde sich in der gleichen Situation von uns jedeR dreimal überlegen, ob Omis Handtasche an ihrem Arm hängen bleiben soll! Wer nichts hat, nimmt es sich von anderen, und wer Angst hat, bald nichts mehr zu haben, gibt vorher schon mal dem anderen die Schuld…(aktuelles Beispiel für das hässlichste Produkt aus dieser Zwickmühle, Faschismus)

Der Grund, dass pseudo-linke TrittbrettfahrerInnen wie Frau Hochuli oder Frau Sommaruga zentrale Rollen in solchen Trauerspielen besetzen, ist u.a. eben das vorherrschende Bild von AusländerInnen-Politik innerhalb der Linken selbst. Wie ich vorher schon angedeutet habe, ist die Formel „Pauschale AusländerInnenskepsis ist unethisch und deshalb diskussionslos falsch“ zwar richtig, aber politisch komplett unbrauchbar. Ich schätze es sehr, wenn z.B. die Jungen Grünen auch gegenüber meiner Partei Vorreiterrolle im linken Kampf gegen Xenophobie wahrnehmen, nur sind solche Argumentationen basierend auf dem kategorischen Imperativ dann meist doch eher schlecht als recht. Es nützt schlichtweg nichts, ein „spiessbürgerliches Verhalten“ zu verurteilen, ohne zu analysieren geschweige denn zu ändern, was aus gewöhnlichen BürgerInnen dieses Landes ignorante RassistInnen macht. Eben nur schon deshalb, weil linke ExekutivpolitikerInnen oft nicht die prinzipien-Kondition haben, solch einen Lauf lange mitzumachen. Ängste wie Xenophobie sind irrational, aber wer hat jemals Ängste überwunden, wenn sie andere als Stein des Anstosses nehmen?! Bremgarten ist überall und wenn die Linke nicht bald durchblickt, wird es nicht bei der Badi bleiben!

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