2. Augustrede: Anpassung ist eine Schweizer Tugend.

Geschätze Landsleute,

Heute ist der zweite August. Gestern feierten wir unser Land wie immer mit Feuerwerk und Funken die Tatsache, dass es uns, entgegen aller Wahrscheinlichkeit noch immer gibt. Wie immer nutzten viele Politiker die Gunst der Stunde, um viele Ansprachen zu halten, ihr beschränktes Wissen über die Schweizer Geschichte zur Schau zu stellen und jeden Punkt des eigenen Wahlprogramms als einen Teil des ‚historischen Imperativs’ der Schweiz darzustellen.

Als Historiker muss ich darüber oft schmunzeln. Am 1. August ist die Eidgenossenschaft 1291 gegründet worden, der Bundesbrief ein bedeutendes Dokument und Willhelm Tell eine historische Figur. Aber oft vergeht mir auch das Lachen. Immer dann wenn die Leute vergessen, was für eine extrem Armes Land die Schweiz noch vor hundert Jahren war, wie wir es mit viel Anpassung und – ja – Heuchelei zum Glück geschafft haben, uns aus zwei Weltkriegen raus zuhalten und wie es uns danach – wiederum mit vielen Anpassungen gelungen ist, unsere Bevölkerung zu Wohlstand und sozialer Sicherheit zu führen. Es ist völliger Schwachsinn, wenn manche Politiker uns nun weismachen wollen, dass Konfrontation der Urschweizerische Weg wäre und wir uns auf keinen Fall anpassen sollten.

Sage ich nun, man solle sich alles Gefallen lassen, was aus den Staaten oder der EU an Forderungen hereinkommt?

Natürlich nicht. Anpassung ist etwas völlig anderes als Unterwerfung. Nehmen wir den zweiten Weltkrieg zum Beispiel: Wir haben uns weder den Achsenmächten, noch den Alliierten unterworfen. Aber wir haben uns auch nicht auf eine offene Konfrontation eingelassen. Wir haben die Schweiz befestigt und es so eingerichtet, dass alle Kriegsparteien davon ausgehen mussten, dass sie durch eine Invasion der Schweiz mehr verlieren als gewinnen würden.

Wir müssen das wieder mehr pflegen, den nach wie vor sind wir zu schwach für eine offene Konfrontation, aber zu stark um uns einfach so zu ergeben. Und es gibt viele Dinge an die wir uns anpassen müssen, wenn wir unsere Freiheit nicht verlieren wollen.

Indes – und das muss auch mal festgehalten werden – ist der europäische Menschenrechtsgerichtshof ein Organ des Europarats, nicht der Europäischen Union. Die Schweiz ist Mitglied des Europarats seit 1963. Man kann also kaum von fremden Richtern sprechen. Die sind so schweizerisch wie Nestle oder Geberit.

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