1. Augustfeier 2013 in Steinen

Geschätzte Damen und Herren

Es ist für mich eine Ehre hier in diesem historischen Ort im Heimatdorf der Stauffachers die 1. August-Ansprache halten zu dürfen. Mit Steinen verbindet mich militärisches, berufliches und politisches. Steinen ist für mich ein wichtiger Ort der mein Leben bis zum heutigen Tag prägt. Hier habe ich als junger Leutnant den ersten WK geleistet und dabei die Bevölkerung als freundlich und zuvorkommend erlebt und dies bis tief in die Nacht hinein. Beruflich habe ich als junger Braumeister mit Schulers von der Obermühle Steinen zusammen als einer der ersten Brauer in der Schweiz den Mais zu Bier verarbeitet und das Maisgold kreiert. Dieses Produkt wurde ein Renner. Jetzt als Nationalrat begrüsst mich im Bundeshaus in der Eingangshalle jedesmal Werner Stauffacher und im Nationalratssaal schaut mich immer seine Frau Gertrud kritisch an.

Gertrud Stauffacher ist die Frau, welche schon im Nationalratssaal sass, als es das Frauenstimmrecht noch nicht gab. Ich bin ein grosser Verehrer der Stauffacherin, sie hat ihren Mann unterstützt, aber auch beeinflusst. Sicher haben sie miteinander heftig diskutiert um nicht zu sagen gestritten. Dieses Landammannpaar hatte es damals nicht einfach, war hin und her gerissen und hat abgewogen was für Land und Leute das Beste sei. Ich denke dass auch bei ihnen die Probleme ab und zu aufs Gemüt schlugen und zwischen den beiden nicht immer eitel Freude herrschte. Schlussendlich aber hat man versucht einander zu verstehen, die Leute zu verstehen, ist aufeinander eingegangen, hat analysiert ist zusammengestanden und hat gehandelt.

Das Zusammenstehen, sich zur Gemeinschaft als Ganzes zu bekennen und sich auf sie einzuschwören, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir haben in dieser Welt genügend Beispiele, was passiert, wenn Bürger und Bürgerinnen einander bekämpfen. Verwüstung, Armut, Leid ist die Folge.

Unser politisches, historisch gewachsenes System ist eines der besten der Welt. Es scheint zwar, dass momentan Linke und Rechte zusammen immer mehr Wichtiges blockieren. Links und rechts ist man nicht bereit einander Zugeständnisse zu machen und man betreibt vor allem Parteipolitik und nicht Sachpolitik. Ich bin jedoch überzeugt, wenn das Verhalten von gewissen Parteien unerträglich wird, dass das Stimmvolk bei anstehenden Wahlen relativ schnell korrigieren wird.

Unser System wird zum Glück vom Volk beherrscht. Es fordert aber auch Leistung von jedem Einzelnen. Man kann nicht nur nehmen sondern muss selber auch geben. So zum Beispiel hat jeder die Pflicht Militär- oder Zivildienst zu leisten, Steuern ehrlich zu bezahlen, allenfalls seinen Beitrag in einer Behörde zu leisten usw. Leider gibt es zunehmend Leute, die wollen immer mehr Pflichten abschaffen, d.h. sich immer weniger für gemeinschaftliche Aufgaben verpflichten. Das fängt beim Vereinsleben an, wo man sich nicht mehr verpflichten will regelmässig mitzumachen und hört bei der Abschaffung der Wehrpflicht auf.

Alle die Militärdienst geleistet haben, mussten sich immer wieder überwinden einzurücken, auch wenn man in Steinen Dienst leisten durfte. Freiwilligkeit würde dazu führen, dass nur noch die angefressenen Militärköpfe und Rambos, die gerne herumballern, sich in der Armee engagieren würden. Dies würde zu einer einseitigen Zusammensetzung der Armee führen. Die Armee würde für unsere Bevölkerung gefährlich und würde das Vertrauen verlieren. Eine Bürgerarmee mit auch kritischen Mitbürgern, regional und sozial vermischt ist vernünftiger. Über kurz oder lang hätten wir Zuwenig Angehörige der Armee. Schweden und Deutschland haben die allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt. Schon nach einem Jahr zeigten sich grosse Schwierigkeiten Freiwillige zu rekrutieren. Die Welt, aber auch Europa wird nicht berechenbarer. Die Armee gewährt in Krisensituationen die Sicherheit. Die Sicherheit ist seit jeher die Grundlage des Wohlstandes. Es ist die Kernaufgabe des Staates die Sicherheit zu gewährleisten. Wenn ein Land sicher ist, hat es eine Zukunft und die Wirtschaft investiert. Wir haben mit unserer Wehrpflicht ein Milizsystem, das sich bewährt hat. Die Schweiz wendet 1% des Bruttoinlandproduktes für das Militär auf. Dies ist eine ausserordentlich günstige Versicherungsprämie. Ich hoffe, das Schweizervolk steht auch weiterhin hinter unserer Armee und schafft bei der kommenden Abstimmung am 22. September die Wehrpflicht nicht ab.

Eine weitere problematische Entwicklung für den Wohlstand unseres Landes ist die Neidkultur die immer mehr um sich greift.

Bei der 1:12 Initiative will man die Höhe der Löhne beschränken, weiter soll der Staat Mindestlöhne festlegen, mit der Einführung der Erbschaftssteuer ab Erbschaften von 2 Mio. Franken will man Vermögende noch einmal zusätzlich besteuern. Bei allen diesen in der nächsten Zeit anstehenden Abstimmungen bekommt man das Gefühl, dass Vermögende eine Gefahr für unsere Gesellschaft respektive unseren Staat sind. Der Staat muss sich anscheinend bei den Vermögenden bedienen, wegnehmen und umverteilen was irgendwie möglich ist. Diese Haltung ist Gift für unseren Zusammenhalt. Neid und Missgunst vergiften das Klima. Es soll sich doch weiterhin lohnen zu sparen und für schlechtere Zeiten vorzusorgen.

Geschätzte Damen und Herren der Schweiz geht es sehr gut. Wir stehen finanziell sehr gut da. Wir sind eines der Reichsten Länder der Welt. Als einziger Staat in Europa bauen wir Schulden ab und haben die kleinste Arbeitslosigkeit. Wir sind zudem das innovativste und wettbewerbsfähigste Land der Welt. Wir haben eines der besten Bildungssysteme und unseren Jugendlichen stehen mehr als genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung. Stehen wir aber nach wie vor wie damals die 3 Eidgenossen Arnold von Melchtal, Walter Fürst und der Steiner Werner Stauffacher zusammen und schwören zusammenzuhalten, einander zu akzeptieren und möglichst viel Freiheit zu bewahren.

Wir sind heute in der Verantwortung und in der Pflicht zu unserem Staat und zu unseren Errungenschaften Sorge zu tragen. Machen wir es weiterhin.
Ich wünsche ihnen einen schönen 1. August.

Alois Gmür, Nationalrat

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