1. August Rede Flüeli-Ranft

Als erstes danke und gratuliere ich. Ich danke herzlich, dass ich an diesem historisch-mystischen Ort, am Ort des Wirkens unseres Landesheiligen Bruder Klaus, die Festansprache halten darf. Und ich gratuliere dazu, dass, hier in Flüeli-Ranft, unser Nationalfeiertag - entgegen dem allgemeinen Zeitgeist - mit einem offiziellen Festakt begangen wird. Denn der Nationalfeiertag der Schweiz ist mehr als nur ein freier Tag, mehr als ein schönes Feuerwerk und mehr als nur Essen und Trinken. All das gehört selbstverständlich auch zum 1. August. Wesentlicher Teil des Nationalfeiertags ist aber auch, dass sich die Menschen in diesem Land, an diesem speziellen Tag, Gedanken machen zu ihrer persönlichen Beziehung zur Schweiz und wir uns mindestens für einen Moment auch bewusst machen, wie gut es uns geht und mit wieviel Privilegien wir in diesem Land ausgestattet sind. Das alles in einem Fest, mit einem offiziellen Akt, wie hier in Flüeli-Ranft, zum Ausdruck zu bringen, zeugt davon, dass die hier verantwortlichen Personen die Bedeutung unseres Nationalfeiertags m.E. richtig erkennen. Die Verbindung nämlich von Fest und Freude aber auch die der Besinnung und der Dankbarkeit. Dazu gratuliere ich!

Privileg des Festredners oder der Festrednerin am Nationalfeiertag ist es, ein Thema aufzugreifen, das ihm oder ihr zum schier unendlichen Thema „Schweiz“ besonders am Herzen liegt bzw. wichtig ist. Ausgangspunkt meiner Überlegungen zum heutigen Nationalfeiertag bildet die Volksinitiative „Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht“, über die wir am 22. September dieses Jahrs abstimmen. Die Initiative will – zusammengefasst - die Militärdienstpflicht abschaffen und die gegenwärtige Armee durch eine Freiwilligenarmee ersetzen. Keine Angst, ich werde an dieser Stelle kein Plädoyer gegen diese Initiative halten, obwohl ich diese klar ablehne. Ich möchte diese Initiative aber als Ausgangspunkt dafür nehmen, um an unserem Nationalfeiertag in Erinnerung zu rufen, wie wichtig ein allgemeines Bewusstsein ist, dass Rechte - und in unserem Land habe wir Bürgerinnen und Bürger sehr viele Rechte - untrennbar auch mit Pflichten verbunden sind. Und erinnern möchte ich gleichzeitig daran, wie zentral es für das Selbstverständnis der Schweiz ist, dass sich die Bürgerinnen und Bürger aktiv für das Gemeinwohl dieses Landes einsetzen und namentlich auch bereit sind, gesellschaftliche und politische Aufgaben zu übernehmen. Immer offensichtlicher nämlich wird, dass ständig weniger Menschen Bereitschaft zeigen, in unserem Staat öffentliche Aufgaben und Mandate zu übernehmen. Ich habe es gesagt, unserem Staatsverständnis eigen ist, dass der Einzelne und die Einzelne nicht nur Rechte einfordern, sondern auch Pflichten zu übernehmen hat. Treffend drückt das unsere Bundesverfassung aus, die in Art. 6 die persönliche und die gesellschaftliche Verantwortung des Einzelnen zum Thema macht. Art. 6 lautet: „Jede Person nimmt Verantwortung für sich selber wahr und trägt nach ihren Kräften zur Bewältigung der Aufgaben in Staat und Gesellschaft bei“.

Wir alle also - so unsere Bundesverfassung - tragen nicht nur Verantwortung für uns selber. Vielmehr haben wir, Sie und ich, ebenfalls Verantwortung für das Wohlergehen von Staat und Gesellschaft zu übernehmen. Die Übertragung staatlicher und gesellschaftlicher Verantwortung an jeden Einzelnen und jede Einzelne von uns und die Übernahme dieser Verantwortung ist uns unter dem Begriff „Milizsystem“ bekannt. Ein Begriff, der nicht nur die bekannte militärische Miliz beinhaltet, sondern generell Bezeichnung ist für die nebenberufliche und ehrenamtliche Übernahme von öffentlichen Ämtern und Aufgaben. Dieses System aber bröckelt und beginnt zu erodieren - ich habe es gesagt. Immer häufiger stellt sich für mich deshalb die Frage, ob nicht das abnehmende Interesse an der Übernahme politischer Verantwortung, sprich der Übernahme öffentlicher Ämter und Mandate, für den Bestand unseres föderalen und feingliedrigen Politiksystems und damit das schweizerische Staatswesen, die grössere Gefahr darstellt, als der äussere Druck, mit welchem sich die Schweiz aktuell und seit Jahren in verschiedensten Bereichen konfrontiert sieht. Denn wollen wir, dass unser föderaler und tief vom Gedanken der Subsidiarität geprägter Staat, weiterhin in dieser Form bestehen und seine Aufgaben erfüllen kann, braucht es Menschen, die bereit sind, sich dafür zu engagieren und öffentliche Aufgaben zu übernehmen. Ich denke dabei vor allem an öffentliche Ämter auf Stufe Kanton und Gemeinden. Es sind das die beiden Ebenen, welche am stärksten unter den Rekrutierungsproblemen leiden, die aber gleichzeitig unseren Alltag am unmittelbarsten prägen. Ich denke aber auch an die Bereitschaft, politischen Parteien beizutreten, Parteiarbeit zu leisten und Parteimandate zu übernehmen. Parteien sind der Ort, wo die basisorientierte Meinungsbildung stattfindet. Und Parteien sind Reservoir künftiger Mandatsträger.

Diese Bereitschaft zur freiwilligen Übernahme von Öffentlichkeitsarbeit auf Zeit gilt es neu zu wecken und zwar konkret, in jedem und jeder von uns. Jeder und jede von uns muss sich fragen, wo und wie kann ich konkret meinen Beitrag dazu leisten, dass unser Milizsystem weiterhin funktionstüchtig bleibt. Denn unsere Institutionen, sei es der Korporationsrat, der Gemeinderat, der Schulrat oder der Kantonsrat sind nur so stark, wie die Menschen, die dahinter stehen.

Beteiligen Sie sich deshalb aktiv an der Öffentlichkeitsarbeit. Übernehmen Sie ein öffentliches Amt, stellen Sie sich für eine Kommission zur Verfügung, werden Sie Beistand einer hilfsbedürftigen Person, leisten Sie Parteiarbeit, oder unterstützen Sie Personen die bereit sind, politische Verantwortung zu übernehmen. Jeder und jede nach seinen bzw. ihren Fähigkeiten. Tun Sie damit Gutes für unser Land! Ich lade Sie herzlich dazu ein und ermuntere Sie!

Jetzt aber genug der Gedanken zu unserem Nationalfeiertag. Der 1. August ist auch, ich habe es gesagt, ein Tag der Freude und des Festes.

Peter von Matt, der wohl grösste lebende deutschsprachige Literat aus dem benachbarten Stans hat einmal Folgendes gesagt: Ohne Fest kann keine Gemeinschaft leben, keine Familie und kein Dorf, keine Stadt und kein Land, kein Lebensalter und keine Berufsgruppe.

In diesem Sinne ermuntere ich Sie auch: Feiern Sie mit, freuen Sie sich, und geniessen Sie diesen wunderbaren Abend hier in Flüeli-Ranft.

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