Eine Abspeckkur für das gute Kind

Heute ist es wieder soweit: Wir dürfen den Geburtstag unserer Schweiz feiern! Für viele von uns ähnelt das Fest einem Kindergeburtstag. Nur dekorieren wir die Umgebung diesmal nicht mit farbigen Ballonen und Papierschlangen, sondern mit Schweizerfähnchen und Lampions. Auch werden Geburtstagskuchen und Schoggicreme heute durch Cervelat und 1.-August-Weggen ersetzt. Dann, im Verlauf des Festes, erinnern wir uns aber ebenfalls gerne zurück. Wie gross ist unser Kind nur geworden! Wie prächtig hat es sich entwickelt! Stolz erfüllt uns. Und vielleicht auch ein wenig Wehmut.

Gewachsen ist sie ohne Zweifel, unsere Schweiz. Auf über 8 Millionen Einwohner. Auch entwickelt hat sie sich prächtig. Niemand mehr muss heute Hunger leiden. Jeder der über 8 Millionen Einwohner hat Anrecht auf ein sicheres Dach über dem Kopf, auf warme Mahlzeiten, Kleidung, medizinische Versorgung und Bildung. Doch dem ist nicht genug: Von Mobilität über Sport, Kultur und Unterhaltung bis zur Kinderbetreuung ist heute für sämtliche Ansprüche staatlich gesorgt. Waren unsere Grosseltern in der Not noch von der Unterstützung durch die Familie abhängig, springt heute bei Unzulänglichkeiten jeder Art der Staat ein. Ganz schön zugelegt hat unser Kind da! Mehr noch: richtig fett ist es geworden. Eigentlich kein wirklich schöner Anblick mehr...

Sollten wir uns an diesem Geburtstag nicht einmal fragen, ob ein übergewichtiges, unansehnliches Kind wirklich das Ziel unserer elterlichen Fürsorge ist? Tun wir ihm gutes, wenn wir es derart mästen? Und werden wir uns das auf Dauer überhaupt leisten können? Schon heute leidet unser Haushaltsbudget massiv. Wohin soll das bloss führen, wenn das Kind weiter wächst und immer mehr Hunger entwickelt? Auch die Folgen für die Gesundheit dürfen wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Was werden wir uns für Vorwürfe machen, wenn es eines Tages einen Kollaps erleiden sollte!

Es wird höchste Zeit für eine Diät oder zumindest ein gezieltes Fitnessprogramm. Wahrscheinlich werden wir die eine oder andere kleine Einschränkung verhängen müssen. Aber der Gesundheit und dem Wohlbefinden unseres Kindes wird das nur zu Gute kommen. Auch das Haushaltsbudget wird entlastet werden, so dass unser Familienleben wieder harmonischer verlaufen wird.

Ändern wir nichts, kann es leicht passieren, dass unser geliebtes Kind, der Wohlfahrtsstaat, vollends zum fetten, kranken Zombie mutiert. Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen! Es muss endlich Schluss sein mit dem schamlosen Vollstopfen der Leistungskataloge, während die Gesundheitskosten ins Unermessliche steigen und gewaltige finanzielle Probleme in der AHV sowie eine massive Verschuldung der IV die Zukunft trüben.

Auch weiterhin soll der Sozialstaat all seinen über 8 Millionen Einwohnern ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglichen. Aber wollen wir denn wirklich, dass der notorische Arbeitsverweigerer denselben Lebensstandard geniessen darf wie manch hart schuftender Büezer? Ist es richtig, dass das stockkatholische Grosi die Viagra-Pillen des Top-Managers mitzufinanzieren hat, während die künftigen Senioren um ihre Altersrente bangen müssen? Wie viel Anreiz zur schamlosen Selbstbedienung an den Portemonnaies von uns allen soll noch geschaffen werden? Es wird höchste Zeit, dass wir uns zurück auf den ursprünglichen Sozialgedanken besinnen. Nur so werden unsere Kinder wiederum Sicherheit und Wohlfahrt geniessen dürfen, anstatt mit leeren Händen vor unseren Schuldenbergen zu stehen.

Zum Geburtstag wünsche ich dir, liebe Schweiz, viel Glück und Gesundheit. Und auch Geschenke sollst du bekommen: Mehr Bürger mit Eigenverantwortung und Vernunft wünsche ich dir. Bürger, die Sorge zu dir und deiner Entwicklung tragen, die auch an die Zukunft denken. Nicht nur an die ihrige, sondern auch an die Zukunft unserer Kinder.

Mögen wir den 1. August noch viele Male feiern. Und dies mit einem gesunden und starken Geburtstagskind und nicht mit einem hässlichen Zombie.

1. August 2013

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