Valentin Vogt und die ewigen Märchen der Arbeitsplätze und Chancengleichheit...

Valentin Vogt! Der Arbeitgeberpräsident hat bei der Online Ausgabe der 20Minuten ein Interview gegeben. Damit hat er meinen frühmorgendlichen Kaffee versaut, weil ich mich bereits gegen 5 Uhr Morgens aufregen musste!

Mit diesem Interview erzählt Herr Vogt nicht nur viele Unwahrheiten sondern geht auch in Kampfposition gegen die nächsten wichtigen Abstimmungen: "1:12 und Mindestlohn"

Ich möchte hier auf einige Punkte eingehen:

**Herr Vogt, was bedeutet für Sie Lohngerechtigkeit?

Valentin Vogt:** Damit man einen Lohn erhält, braucht es Arbeit. In dem wir dafür sorgen, dass möglichst viele Leute eine Beschäftigung haben, erzeugen wir Lohngerechtigkeit. Noch viel wichtiger ist die Chancengleichheit. Unabhängig davon wo jemand geboren wurde, ob im Kreis 4 oder am Zürichberg: In der Schweiz hat jeder und jede die Chance Karriere zu machen. Das ist in vielen Ländern nicht der Fall.

ARBEITSPLÄTZE!! Das ist das Argument! Nach der Logik von Herr Vogt, hätten wir wahrscheinlich Vollbeschäftigung, wenn wir alle nur noch 2 Franken in der Stunde verdienen. Lohngerechtigkeit hat nichts damit zu tun, dass alle gleich viel bekommen. Lohngerechtigkeit bedeutet, dass jemand mit seinem Lohn auch Leben kann!

Und der Lohn (auch einen nationalen) Mindestlohn steht in keinem Zusammenhang mit Arbeitsplätze. Mein Chef stellt mich nicht ein und zahlt mir Lohn weil er mich so toll, nett und sympathisch findet - sondern weil er mich braucht! Er wird mich brauchen ob ich nun 3'500 oder auch 20'000 CHF im Monat verdiene!

Was Herr Vogt richtig erkannt hat, ist die Chancengleichheit. Chancengleichheit ist wichtig! Sehr wichtig sogar. Er ist der Ansicht wir haben sie schon. Ist das wirklich so? Wenn ich nun meine BMS machen möchte, bedeutet Chancengleichheit, ich kann es nicht, weil ich kein Geld dafür habe und jemand vom Zürichberg könnte das Ding ohne Probleme machen - Chancengleichheit in der Schweiz ist einfach nur eine grosse Illusion!

Zwischen 2002 und 2010 sind die Löhne der Arbeitnehmer mit abgeschlossener Lehre real um durchschnittlich 0,5 Prozent gesunken. Zudem verdienen rund 400'000 Beschäftigte mit Lehre weniger als 4000 Franken pro Monat.

Zwei Drittel von ihnen bewegen sich lediglich temporär in diesem Lohnsegment. Das sind Personen, die eine Ausbildung abgeschlossen und ihren Einstieg in den Arbeitsmarkt gerade hinter sich haben. Von diesen 400'000 Menschen haben in etwa 40'000 Mühe, mit weniger als 4000 Franken pro Monat durchzukommen. Diese Personen müssen wir situativ in ihrer Lebensphase unterstützen. Das ist um einiges sinnvoller, als mit der Giesskanne Geld an 400‘000 Erwerbstätige auszuschütten.

Hat dieser Mensch Ahnung von Wirtschaft? Geld an Arbeitnehmer auszuschütten ist rein wirtschaftlich gesehen eigentlich immer sinnvoll. Schade das er keine Antwort darauf hat, dass wir in den letzten Jahren eine reale Lohnsenkung hatten - naja er hatte wohl keine, also kann es ihm egal sein...

Dennoch herrscht in verschiedenen Branchen ein Mangel an Fachkräften. Was läuft schief?

Unser Arbeitsmarkt ist im Vergleich zu unserer Wirtschaft relativ klein. Wir haben durch das Wirtschaftswachstum in den letzten zehn Jahren rund 600‘000 Stellen geschaffen – das trotz Krise in Europa. Zudem werden die sogenannten Mint-Fächer in der Grundschule noch zu wenig berücksichtigt. Es muss wieder vermehrt Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gelehrt werden. Und es braucht es mehr Aufklärung bei den Eltern. Es ist leider immer noch so, dass viele Eltern ihr Kind eher als kaufmännischen Angestellten sehen, denn als Mediamatiker oder Informatikerin.

Gegenvorschlag Herr Vogt. Sie könnten ihre Unternehmerfreunde mal darauf hinweisen, das man Leute auch im Betrieb anlernen oder ausbilden kann. Ich kenne viele Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger die gerne bereit sind etwas neues zu lernen, und wieder ein Teil der Wirtschaftswelt zu werden. Eine Win-Win Situation für alle, Kein Fachkräftemangel, kein Arbeitnehmerimport aus dem Ausland, und weniger Arbeitslose / Arbeitssuchende und Ausgesteuerte.

Aber sind wir doch mal ehrlich, es geht nicht um Fachkräftemangel oder um Personenmangel in der Wirtschaft, sie wissen einfach das Leute aus Deutschland, Polen, etc viel günstiger Arbeiten als ein Schweizer in der selben Position, deshalb ist es wichtig für sie, dass wir Fachkräftemängel haben!


Herr Vogt ist für mich ein Musterbeispiel eines Unternehmer der vor allem Geld im Auge hat. Als Präsident des Arbeitgeberverbands äussert er sich in diesem Artikel auch zur 1:12 Initiative - wozu eigentlich? KMUs sind von der 1:12 Initiative nicht wirklich betroffen.

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