Radionuklide im Bielersee

Die Grünen haben durch die Sonntagszeitung und Le Matin Dimanche die Studie der Genfer Geologinnen an die Öffentlichkeit gebracht, die aufzeigt, dass um das Jahr 2000 abnormale Mengen von Cäsium 137 in den Bielersee geflossen sind.

Diese Entdeckung wirft mehrere Fragen auf, welche dringend beantwortet werden müssen:

  • Die Luft in der Umgebung der Atomkraftwerke wird alle 10 Minuten gemessen. Im Gegensatz dazu wird der Wasserabfluss nur einmal pro Monat geprüft. Das Wasser, welches das AKW Mühleberg in die Aare ablässt, erreicht den Bielersee jedoch schon drei Stunden später… Es existiert mit anderen Worten im Fall einer ernsthaften Verseuchung des Wassers kein wirksames Alarmsystem. Die Grünen fordern aus diesem Grund, dass das Wasser, welches von den Atomkraftwerken in die Gewässer abfliesst, kontinuierlich und in Echtzeit kontrolliert wird (Motion 13.3294).
  • Es ist besorgniserregend, dass die Behörden nicht über den von den Genfer Geologinnen aufgedeckten radioaktiven Peak um das Jahr 2000 im Bild waren; dies zeigt die Antwort des Bundesrates auf meine Frage 13.5049. Gemäss Bundesrat gibt es keine auffallenden Abflüsse in diesen Jahren. Zwar wurden erhöhte Werte fest gestellt, die jedoch in den Berichten „Messproblemen“ zugeschrieben und die Stichproben als „nicht repräsentativ“ angesehen wurden. Deswegen wurden diese erhöhten Cäsium-137-Werte nicht weiter untersucht. Ich frage mich: Was wäre passiert, wenn die Werte empfindlich höher gewesen wären?
  • Das ENSI versagt in seiner Überwachungsaufgabe. Wie reagieren sie? Entschuldigen sie sich? Nein, sie spielen die Situation herunter und schreiben in ihrer Medienmitteilung vom 15. Juli, dass die Entdeckung der Genfer Geologinnen „weder überraschend noch gefährlich“ sei. Laut dem ENSI stammen diese radioaktiven Ablagerungen im Seeboden von normalen Abflüssen und waren bekannt. Tatsächlich sind aber die Zahlen des ENSI jährliche Mittelwerte. Diese lassen keine Schlussfolgerungen zu, ob es im betroffenen Zeitrahmen zu vorübergehenden gefährlichen Peaks gekommen ist oder nicht. Das ist wie wenn die Polizei sagen würde, dass es auf der Autobahn keine Geschwindigkeitsüberschreitungen gab, weil alle Autos im jährlichen Mittel 100km/h gefahren sind, obwohl klar ist, dass gewisse Raser auch mal mit 160km/h unterwegs waren.

Fazit: Die Atomlobby setzt einmal mehr ihre ganze Energie zum Herunterspielen des Problems ein - eines Problems, das letztendlich für die Bevölkerung von Bedeutung ist. Die Grünen werden den Druck aufrecht erhalten und, solange die Atomindustrie existiert, zur bestmöglichen Sicherheit der Bevölkerung strikte und regelmässige Kontrollen fordern und der heimlichen Komplizenschaft zwischen Atomindustrie und Aufsicht tatkräftig entgegenwirken.

Artikel in der Sonntagszeitung (14.7.2013)
Artikel in Le Matin Dimanche (14.7.2013)

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