Die Schweiz wehrt sich

http://www.exit.ch/startseite/

Eine 82-jährige Zürcherin bekam vom Europäischen Gerichtshof in Strassburg Recht, dass sie sich auch ohne eine unheilbare Krankheit für den Freitod entscheiden dürfe, da sie schon seit Jahren sterben will, um dem körperlichen und geistigen Zerfall zu entgehen.

http://www.srf.ch/news/schweiz/europaeischer-gerichtshof-schweiz-muss-sterbehilfe-genau-regeln

Das Bedürfnis scheint, anhand der angewachsenen Exit-Mitgliederzahl auf inzwischen rund 70'000, die bereit sind, sich in den Tod begleiten zu lassen, vorhanden zu sein.

Ich bin, wie ich hier schon oft erwähnt habe, nicht religiös, habe aber einen Glauben (meinen) und - bedingt durch meinen Beruf - indirekt auch mit dem Ableben konfrontiert. Na ja, vielleicht etwas krass.

Der Begriff "Seele" (was übrigens meiner Meinung nach nichts mit Religion zu tun hat) ist einer der schwierigsten überhaupt, wenn es um klare Definitionen geht. Soviel ich weiß, wird er für sehr viele, sehr unterschiedliche Dinge und Vorstellungen verwendet.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber bei mir entsteht angesichts dieser Vorstellung ein Bild, in dem die Seele ein "Ding" wie jedes andere ist, das im Körper sitzt, nur etwas weniger materiell als etwa Lunge, Leber oder Magen - irgendein nebulöses, leuchtendes Gebilde. Wie jeder Begriff erzeugt auch der Begriff "Seele" natürlich spontan wieder die Vorstellung eines abgegrenzten Etwas. Damit ist die klassische Seelenvorstellung eng mit dem Glauben an die Existenz individueller Einzelwesen gekoppelt - glaube ich zumindest. Wie können wir jedem Individuum eine einzelne Seele zuordnen, wenn das Individuum als solches gar nicht klar definierbar ist?

-In Bezug auf den Menschen wird diese Frage selten gestellt, weil die Vorstellung, dass der Mensch einerseits (auf körperlicher Ebene) ein Kollektivwesen aus einzelnen Zellen und anderseits zugleich (auf sozialer Ebene und auf Bewusstseinsebene) Teil eines übergeordneten Kollektivwesens ist, sich in unseren Köpfen aus verschiedenen Gründen noch kaum durchgesetzt hat.

-In Bezug auf Tiere und Pflanzen hingegen wurde und wird - nicht zuletzt in theologischen Kreisen - immer wieder diskutiert, ob und wie der Seelenbegriff hier anzuwenden sei. Wenn eine Pflanze eine Seele hat und ich aus einer Pflanze durch Zerschneiden zwei mache, teilt sich dann ihre Seele? Oder kommt eine neue Seele aus dem "Jenseits" (wo immer das sein mag) und besetzt das neu entstandene Individuum? Hat eine Rinderherde eine Seele? Wenn ja, hat jedes Rind dann auch eine?

Pflanzen mit Gefühl, Seele und Verstand

Dazu:

Vor allem in früheren Jahrhunderten wurde in der westlichen Welt vielfach angenommen, dass Tiere und Pflanzen überhaupt keine Seele hätten, also als seelenlose Automaten vor sich hin existierten (vegetieren).

Die eingefleischten Materialisten glaubten (und glauben bis heute), dass der Seelenbegriff insgesamt überflüssig sei, und erklärten damit auch die Menschen zu (wenn auch komplexen) Automaten.

Ich glaube eher: Eine Seele ist eine Bewusstseinsstruktur innerhalb des Möglichkeitsraumes, die sich selbst als eine vom Rest der Parallelwelt mehr oder weniger abgegrenzte Einheit betrachtet. Also innerhalb dieser Tatsache definiert die Seele doch noch eine zweite Grenze, die den Teil der von ihr wahrgenommenen Informationen, den sie als ihr "Selbst" betrachtet, abgrenzt von dem Teil, den sie als "außerhalb ihrer selbst" wahrnimmt (die so genannte "Umwelt").
Aber, vielleicht ist der Mensch eine Seele, der einen Körper hat, den er wie ein Kleidungsstück anlegt und mit dem Tod wieder ablegt.

Zurück zu:
Andererseits ist es eine Frage der ärztlichen Kunst, hier die Grenzen der Medizin zu erkennen und richtig zu entscheiden, ob eine Behandlung in sinnlosen Fällen ethisch vertretbar ist, diese weiterzuführen. Das heisst, dass jeder Patient das Recht hat, eine begonnene Behandlung abzubrechen und der Arzt verpflichtet ist, zum Beispiel bei einer künstlichen Beatmung, diese zu beenden.

http://www.fmh.ch/files/pdf6/Anhang_1_2012.pdf

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