Weil wir eben alle kleine Spione sind

So richtig will die Empörungsmaschine nicht anlaufen. Amerika spioniert, England spioniert, Frankreich spioniert und nun arbeitet auch Deutschland mit dem amerikanischen Geheimdienst zusammen?

Für mich ist die fehlende Empörungswelle wenig erstaunlich. Spionage, Gerüchte, Geheimnisse faszinieren uns. Es ist ein Bedürfnis, das wir unabhängig von unserer politischen Einstellung haben. Keiner kann mit dem Finger auf den anderen zeigen. Ob Stasi in Ostdeutschland oder der Fichenskandal in der Schweiz. Jeder hat seine dunklen Geschichten. Und aus dem Dunkeln kommen oft Präsidenten. Der ehemalige KGB-Offizier Putin oder der ehemalige Direktor des CIA George H. W. Bush Senior.

Aber - sind Sie nicht auch ein kleiner Spion? Wer von uns hat nicht schon einmal Google genutzt, um mehr über Freunde und Bekannte herauszufinden. Wir lieben es nicht nur Spionagefilme zu gucken, wir spionieren offensichtlich selber ganz gerne. Zwischendurch schaue ich in die Webseitenstatistiken unserer Kunden und stelle immer wieder fest, zu den beliebtesten Seiten einer Website gehören “Wir über uns” wo die Fotos platziert sind. Man weiss halt gerne, mit wem man telefoniert.

Vom “Gwunder” leben ganze Firmen und verzeichnen Millionen Zugriffe im Internet. Auf 123people.ch finden Sie im Kurzüberblick Fotos, Foreneinträge, Zugehörigkeiten zu Social Networks von beliebigen Personen und vieles mehr. Auf Moneyhouse, zefix und Monetas gibt es Firmeninformationen frei Haus. Wer ist an einer Firmea beteiligt und in welchen Verwaltungsräten sitzt eine Privatperson.

Natürlich machen wir das alles ganz legal. Völlig ohne Hintergedanken melden wir uns bei stayfriends an, um zu sehen, wo der alte Schwarm von früher heute wohnt und welchen Beziehungsssatus er oder sie hat. Apropos Beziehungsstatus, was man in Facebook, Xing & Co. so alles machen kann...Und wer einen neuen Arbeitgeber sucht, der informiert sich heute im Vorfeld darüber, was andere sagen.

Alles natürlich nur zum Guten. Aber wo ist die Grenze. Wann überschreiten wir die Privatsphäre.

Vielleicht sind wir alle von der Spionage Geschichte ein wenig peinlich berührt und möchten, dass die Sache möglichst schnell wieder verschwindet. Denn sonst müssen wir zu ein paar unangenehmen Fragen Stellung beziehen. Angefangen bei: Wie viel Spion steckt in uns selbst?

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