Bundesrats Ausflug im Panzer. Ein Zeichen von vereinter Kraft oder Eigeständnis von Impotenz?

Ich staunte nicht schlecht, als ich gestern Abend meine schweizer Online-Zeitung durchstöberte und ein Video vorfand in welchem unsere Regierungsmitglieder, eins nach dem anderen im Panzer vorfuhren. Die Zeitungen, das Fernsehen und die Allgemeinheit nennt den Regierungsausflug nicht umsonst das "Schulreisli". Ich verstand nur Bahnhof...

- Ist keinem der Redaktionsmitglieder aufgefallen, dass die Verbindung von SCHULREISLI und einer persönlichen Spritztour im PANZER im gleichen Satz als gewagt erscheinen könnte?

- Hat die Regierung wirklich Zeit und Geld sich zwei Tage auf ein Reischen zu begeben?

- Was würde das jeweilige Volk und dessen Presse sagen, wenn sich das ganze Regierungskabinett von Francois Holland oder David Cameron auf einer Panzerspritztour in der Provance oder den Midlands filmen liesse? Ich erwähne Mister Obama bewusst nicht, da sein Vorgänger die Latte in Piloteniuniform auf dem Flugzeugträger recht hoch gelegt hat.

Nach ein paar Sekunden von blankem Zweifeln, war ich mir sicher dem genialsten politischen Kommunikations-Schachzug des Bundesrates beigewohnt zu haben, sind doch gewisse Probleme, Initiativen und Abstimmungen in der Pipeline. Ehrlich gesagt, langweile ich mich jetzt schon, diese Bilder abermals in diversen Politdiskussionssendungen und Zeitungen, in einem völlig anderen Zusammenhang und ohne viel Substanz sehen zu müssen.
Innenpolitisch gut geplant.

Vielleicht sollten diese Bilder auch unsere Potenz, unser Zusammenhalten bekräftigen und allen Ländern oder Länderbündnissen, die uns an das Bankgeheimnis, die Souveränität oder unsere Neutralität wollen das fürchten lernen.
Aussenpolitisch gut geplant.

Das Reisli mit einer kurzen Wanderung mit Dorfbewohnern, die Zeitung nannte sie Fans, was immer das bedeuten mag, zu verbinden war das Tüpfelchen auf Kommunikations-"i". Unseren volksnahen Bundespräsidenten mit Gras im Mundwinkel, Poloshirt und dem roten Rucksack auf Waldwegen flanieren zu sehen, versprühte diese Frische, die Freiheit und ein Verständnis von direkter Demokratie, die man nur in der Schweiz kennt.
Man könnte noch soviel mehr politisches Kapital aus einem Schulreisli ziehen.

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