Viele Tieflöhne wegen Auslagerungen der UBS - Kommentar zum Mindestlohn-Text im UBS Outlook

Die Nervosität der Arbeitgeberkreise in Hinblick auf den Volksentscheid zur Mindestlohninitiative steigt weiter, wie der heutige UBS-Outlook zeigt. Diese Publikation enthält üblicherweise Konjunkturprognosen und ökonomische Branchenanalysen. Die aktuelle Ausgabe bezieht oberflächliche Positionen zu anstehenden Volksentscheiden und liest sich wie eine mässig gelungene Broschüre von Economiesuisse.

Wenn ein Chefökonom zur Mindestlohninitiative schreibt, müsste er mindestens die korrekten Zahlen verwenden und die relevante wissenschaftliche Literatur kennen und referieren:

  • Erstens sind 4000 Fr./Mt. sicher nicht 76 Prozent des Medianlohnes, sondern 64 Prozent (4000 Fr./6210 Fr.). Der Schweizer Medianlohn beträgt 6210 Fr./Mt.
  • Zweitens ist der Medianlohn eben gerade nicht der durchschnittliche Lohn, sondern der mittlere Lohn (50 Prozent verdienen mehr, 50 Prozent weniger). Dieser Unterschied ist in der Bevölkerung zwar wenig bekannt, in Ökonomenkreisen aber fundamental („Wenn Bill Gates in eine Bar kommt, steigt das Durchschnittsvermögen der Barbesucher, kaum aber das Medianvermögen“).
  • Drittens zeigt die wirtschaftswissenschaftliche Literatur, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Mindestlöhnen und Arbeitslosigkeit gibt. Das zeigt beispielsweise eine Untersuchung der nicht gewerkschaftsfreundlichen OECD (Seite 27). .

Die UBS hat einen grossen Teil der Arbeitsplätze in der Reinigung, Gastronomie usw. ausgelagert - um die Gewinne und Boni zu erhöhen. Im Jahr 2005 beispielsweise die Reinigung an Edelweiss fm. Die Edelweiss wurde später vom Reinigungsdienstleister ISS übernommen. Gemäss einer Mitteilung der ISS handelt es allein in der Reinigung um 740 Beschäftigte. Wären die Betroffenen direkt bei der UBS angestellt, hätten sie einen Lohn von mindestens 50‘000 Fr./Jahr (Minimallohn Banken)– also mehr als 4000 Fr./Mt. In den ausgelagerten Betrieben dürfte ein beträchtlicher Teil von ihnen weniger als 4000 Fr. verdienen. Statt Ideologie zu verbreiten, würde die UBS ihr ausgelagertes Personal besser selber wieder anstellen. Wenn das alle Firmen tun würden, wäre das Tieflohnproblem in der Schweiz viel geringer.

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