Unser Sozialwesen braucht eine Reformation

Im Sozialwesen waren die letzten 20 Jahre geprägt von einem Professionaliserungswahn. Die Auswirkungen waren steigende Kosten, und sinkende Qualität. Die von gut ausgebildeten Fachleuten entwickelten Qualitätskriterien bewirken immer mehr, dass sich Beteiligte darauf konzentrieren, ihren "Leistungsausweis" zu verbessern. Die Menschen, um die es eigentlich geht, werden mehr und mehr zur Nebensache.

So ist es nicht verwunderlich, dass in Sozialdiensten und Institutionen der Aufwand zur Selbstrechtfertigung grösser ist, als der Aufwand für eigentliche Hilfeleistungen. Es ist ein riesiger Apparat entstanden, der nicht mehr in der Lage ist, den wirklichen Bedürfnissen schwacher Menschen gerecht zu werden. Bei zahlreichen Beteiligten habe ich beobachtet, dass sie sich in diesen Teufelskreis begeben haben, um sich eines Tages für hilfsbedürftige Menschen einzusetzen. Statt dessen haben sie eine neue Sprache übernommen in der es nicht mehr um Menschen sondern um Klienten geht. Es sind nicht mehr Lebensumstände sondern Settings. Auf Menschen wird nicht mehr mit Anteilnahme sondern mit Methoden eingegangen und man stimmt ein in ein Gelaber über Konzepte und Strategien Qualitätsmanagement und Finanzierungsmethoden.

Dieser unheilvollen Entwicklung gilt es entgegenzuwirken. Menschen, welche ihre Kräfte, ihre Zeit und ihre Mittel für gute Zwecke einsetzen sollten respektiert und nicht ausgebremst werden. Allen, die trotz Gegenwind tätige Nächstenliebe leben, möchte ich von ganzem Herzen danken. Ihre Hingabe ist ein glaubwürdiges Zeichen inmitten einer egoistischen und verlogenen Sozialindustrie. Dieses Zeichen dürfte Bestand haben, wenn eines Tages die Geldverschleuderung im Sozialwesen eingedämmt wird und wieder Menschen gefragt sind, welche ihren Einsatz nicht aus Eigennutz sondern aus Liebe zum Schwächeren leisten.

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