Meinungsmache mit unvollständigen Informationen. NEIN zum Hooligankonkordat - weil der Basler Weg vielversprechend ist.

Die Qualität der Berichterstattung in der Basler Zeitung hat heute wieder mal einen Tiefstand erreicht: Ein Journalist, der auch SVP-Politiker ist, schrieb eine sogenannte "Filz"-Geschichte zum Hooligankonkordat zusammen, die einfach nur haarsträubend ist. Er reitet eine Attacke gegen (linke) PolitikerInnen, die sich gegen den Beitritt zum verschärften Hooligankonkordat stellen, dichtet Interessenskonflikte herbei und verschweigt dabei viele zentrale Fakten.

Basel tickt anders, was die "Hooligan"-Thematik angeht. Aus den schlimmen Vorfällen im 2006 wurden Lehren gezogen. Der Verein, die Behörden und die Fanarbeit steckten viel Zeit, Energie, Herzblut und Knowhow in eine Lösung, die seinesgleichen sucht: In Basel begegnen sich die beteiligten Parteien respektvoll, die Fankurve hat eine beachtenswerte Selbstregulierung und es gab kaum mehr Vorfälle. (In der BaZ ist zwar von vielen "Vorkommnissen" die Rede - was aber alles als "Vorkommnis" zählt, bleibt der Artikel schuldig. Fakt ist, dass es sehr ruhig geworden ist, weil die Zusammenarbeit (anstatt Repression) greift. Zudem wird die Anzahl der "Vorkommnisse" in keiner Weise in Relation zur Zuschauerzahl gestellt, die in Basel ungleich höher ist als in sämtlichen anderen Schweizer Städten.)

Die Verschärfung des Konkordats kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem noch gar nicht abgeschätzt werden kann, ob und wie sich die bisher ergriffenen Konkordats-Massnahmen auswirken. Das erste, bereits sehr repressive Massnahmen-Paket ist nicht lange genug in Kraft, um über dessen Wirkung Aussagen machen zu können. Für eine Verschärfung fehlt also die Grundlage.

Die Vorlage enthält zudem Punkte, die nicht nur in Bezug auf die Grundrechte, sondern auch in Bezug auf die praktische Umsetzung äusserst fragwürdig sind: Der Fanzug-Zwang ist ein Theoretikum, das in der Praxis höchstens zu einem vermehrten Aufeinandertreffen der verschiedenen Fangruppen führen wird - weil sich die Leute nämlich einfach Tickets ausserhalb des Fansektors besorgen werden. Auch die Bewilligungspflicht, gegen die es grundsätzlich nichts einzuwenden gibt, könnte ein bürokratischer Murks werden: "... Spiele der Klubs unterer Ligen oder anderer Sportarten können als bewilligungspflichtig erklärt werden...“ steht da. Wer trifft auf welcher Grundlage die Auswahl der bewilligungspflichtigen Spiele? Sollen in Zukunft sämtliche Sportvereine ihre Spielpläne an die Polizei schicken? Nun ja... Sehr durchdacht wirkt das nicht.

Zum Schluss möchte ich noch auf die Filz-Vorwürfe der Basler Zeitung zu sprechen kommen: Der Journalist unterstellt zwei SP-PolitikerInnen "Interessenkonflikte". Der eine ist der Fanarbeiter - die andere mit dem Leiter des Sportamts verheiratet. Deshalb dürften sie - so die Logik der BaZ - nicht gegen das Hooligankonkordat lobbyieren. Ein wirklich abstruser Rückschluss!
Es ist nun mal so, dass sich Fachleute (also z.B. ein Fanarbeiter und eine Jahreskarten-Besitzerin) in der Materie engagieren, in der sie sich auskennen. Macht ja auch Sinn, oder!? Und es ist doch nicht erschrecken - sondern im Gegenteil beruhigend - dass der zuständige Regierungsrat den Leuten ihre Meinung lässt, anstatt sie zurückzubinden! Sowieso bleibt schleierhaft, wie man aus diesen vermeintlichen Verstrickungen folgern kann, dass das Konkordat angenommen werden sollte. Es hat schlicht keinen Zusammenhang.
Und es ist kein Zufall, dass im Komitee GEGEN die Verschärfung über die Hälfte aller Grossrätinnen und Grossräte aus Basel-Stadt vertreten sind - und zwar quer durch alle (!) Parteien.

Lassen wir uns also nicht von sensationslustiger und falscher Berichterstattung Angst machen. Gehen wir den eingeschlagenen Weg weiter und geben dem Dialog anstatt der Repression eine Chance!

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