Bildungspolitik: Das duale Bildungssystem stärken - nicht nur Maturitätsquote erhöhen

Bei Reformen des Bildungssystems wird immer hervorgehoben, dass die Qualität im Vordergrund steht und sich die Änderungen nicht auf die Maturitätsquoten auswirken werden. So geschehen im Kanton Solothurn. Im ersten Jahr gab es dann aber eine Steigerung von etwa 20% auf 25% die an der gymnasialen Stufe aufgenommen werden. Damit verändern wir weiter unser Bildungssystem und vor allem die Grundlagen des Arbeitsmarktes. Hat man die möglichen Auswirkungen analysiert?

Verschiedenste Länder schicken Delegationen in die Schweiz, um das krisenbewährte duale Bildungssystem erklärt zu bekommen. Derweil graben wir gerade diesem System weiter an Substanz ab, indem man möglichst viele an die
Kantonsschule schickt und somit dem dualen System entzieht.

Das Bundesamt für Statistik erfasste Daten zur Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz. Es fällt auf, dass gerade Regionen mit hohen Maturitätsquoten wie Basel, Genf und Tessin die höchste Jungendarbeitslosigkeit aufweisen. Auch im internationalen Vergleich haben Länder mit hoher Akademikerquoten wie Italien,
Frankreich und Spanien massive Probleme mit ihrem Arbeitsmarkt und weisen eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit aus.

Warum suchen wir unser Glück in einer möglichst hohen Maturitätsquote? Es mag vielleicht vor allem ambitionierte Eltern ruhig schlafen lassen, aber die Möglichkeiten am Job Markt werden für die zunehmende Masse an der Kantonsschule nicht verbessert. Weiter gilt zu befürchten, dass das Niveau generell abnehmen wird. Laut neusten Erhebungen verdienen Universitätsabsolventen weniger als ihre gleichaltrigen Kollegen die neben ihrem Beruf eine Fachhochschule besuchen. Das ist umso erstaunlicher, als dies früher immer deutlich umgekehrt war.

Ein Argument, das immer wieder genannt wird ist, dass wir zu wenige Ärzte und Ingenieure haben und wir deshalb mehr Leute an die Universitäten schicken müssen. Gerade der Kanton Solothurn zeigte leider, dass sich die generelle Erhöhung der Maturitätsquote gerade in den Naturwissenschaftlichen Fächern in absoluten Zahlen nicht positiv ausgewirkt hat. Es besuchen sogar eher weniger Schüler die mathematischen und naturwissenschaftlichen Lehrgänge. Dies deutet darauf hin, dass man mit der Erhöhung Fachrichtungen aufbläht, die der Arbeitsmarkt gar nicht braucht. Oder etwas überspitzt ausgedrückt: man hat nicht zu wenige Maturanden, sondern die Falschen.
Bei den Medizinern ist es etwas schwieriger. Die Universitäten legen einen Standard fest, den die zukünftigen Mediziner erfüllen müssen (Numerus Clausus). Leider zeigt sich, dass Maturanden aus Kantonen mit höheren Maturitätsquoten kleinere Chancen haben aufgenommen zu werden da sie anscheinend im Durchschnitt weniger Leistung bringen bei den Tests als die Studenten anderer Kantone. So fragwürdig das Testprozedere auch ist.

Die duale Ausbildung mit Berufslehre und akademischen Lehrgängen bringt hervorragende Arbeitskräfte hervor, die im Arbeitsmarkt auch gebraucht werden.
Dies ist das Rückgrat des Erfolges der Schweizer Wirtschaft. Deswegen sollte das Glück nicht in einer generell höheren Maturitätsquote gesucht werden. Das duale Berufsbildungssystem muss ebenfalls gestärkt werden.

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