SEF: Die brennenste Frage von heute ist das Morgen

Eigentlich wollte ich Larry Fink als Erstes bringen, denn seine Feststellungen gehören für mich zu den substanziellsten der Redener am SEF. Aber Daniela Spavetti und George Papandreou hätte ich ebenfalls nicht verpassen wollen. Die Unternehmerin aus dem Seeland spricht vielen KMUs aus dem Herzen und der ehemalige griechische Staatspräsident sagt richtig, es geht nicht nur um die Wirtschaft. Es geht um die Demokratie, die Politik und wohin Europa will. Er gib dazu einen persönlichen Einblick in die heisse Phase der Griechenlandrettung.

Daniela Spavetti
Kauften Sie schon einen Salat in der Migros? Dann sind Sie vermutlich ein Kunde von Spavetti aus Kerzers. Dort verdienen Leute ohne Qualifikation und Deutschkenntnisse 3’600 Franken, können sich aber auf bis über 5’000 hocharbeiten. Hat man den Werbespot für das Unternehmen von Daniela Spavetti am Anfang des Beitrages überstanden, kommt ein Interview mit einer richtigen Unternehmerin. Charmant, wie Daniela Spavetti auftritt und stark der Eindruck, den sie hinterlässt. Dazu auch ein Porträt auf Eco, bei dem man dazu etwas über den Schweizer Agrarmarkt erfährt.

George Papandreou
Mit Heidi und Apfelstrudel sei er aufgewachsen. Der ehemalige griechische Staatspräsident mit Schweizer Vorfahren war es, der das Referendum veranlasste und die Griechen fragte, ob sie sich dem EU-Spardiktat unterwerfen wollen. Dabei war ihm nach seinen Angaben bewusst, dass er seine eigene Partei und sein Amt zugunsten der Demokratie opferte. Hut ab. Vielleicht ein wenig wie der ehemalige FDP Präsident Steinegger, der nach dem EWR-Nein sich nicht an die Blocher Anhänger schmiss, sondern im Interesse der Schweiz auf die Bilateralen hinarbeitete, obwohl wir dadurch Mitglieder verloren.

George Papandreou berichtete aus seiner Zeit, als Europa vor dem Kollaps stand. Wie er seine Partei zugunsten der Demokratie “opferte”. Er erzählt, wie man mit Angst die Führung abgibt und wie man sich in Europa auf Deutschland verliess. Ein Land, das diese Führungsrolle eigentlich nicht will, wie der Economist aktuell schreibt.

George Papandreou weisst darauf hin, dass es für sein Land besser sei, weniger die kurzfristigen Ziele zu erreichen, als vielmehr tiefer greifend zu reformieren. Das kann eine Ausrede sein, aber auch eine bessere Variante. Ein Hüftschuss, der nicht schlau geplant ist, muss in dringenden Situationen manchmal sein. Mittlerweilen ist es aber bestimmt besser, einen langfristigen Horizont zu haben. Dabei zählte er zurecht die Erfolge von Griechenland auf und die Erfolge, welche die EU machte. Dass diese aber noch nicht genügen, ist im klar und er fordert eine Vision für Europa. Ob er am SEF nur den Zuschauern schmeicheln wollte? Ich glaube nicht, denn er sieht die Schweiz als Modell für Europa.

Larry Fink
Die brennenste Frage von heute ist das Morgen
Larry Fink, Gründer von Blackrock, legte in seiner Rede Wert darauf, dass wir uns weniger auf das heute konzentrieren, sondern das morgen anvisieren. Dabei machte er die ältere Bevölkerung als wichtigster Trend aus. Die Schweiz zum Beispiel hat eine der höchsten Lebenserwartungen, das wird die Anforderungen an unsere Sozialsysteme massiv verändern. Dabei stellte er klar, wir sollen das Alter nicht als Bürde, sondern als Chance sehen und er fragte, warum will jemand ⅓ seines Lebens unproduktiv verbringen?

Ein CEO ist in den USA im Schnitt 5 Jahre im Amt. Das führt zu einem Kurzzeitdenken. Nachdem man 30, 35 Jahre die Karriereleiter hochkletterte, hat ein CEO nur 5 Jahre Zeit, um sich zu beweisen. Also fängt er an, kurzfristig zu handeln. Er erklärte aus seiner Sicht, warum aktuell die Aktienkurse nach oben steigen. Firmenchefs kaufen ihre Aktien zurück. Damit verbessern sie die finanzielle Performance aber vergessen in das Morgen zu investieren. Das verhindert Jobs und den Erfolg von Morgen.

Er verweisst auch darauf, dass Europa im Vergleich zu den Amerikanern seine Banken nicht energisch genug restrukturierte. Europa fokussiert sich immer noch zu sehr auf kurzfristige Lösungen. Klar will Larry Fink als Investor einen funktionierenden Finanzmarkt. Dabei forderte er sogar einen regulierten Finanzmarkt - wenn vermutlich seine Vorstellung eines regulierten Marktes etwas anders sind, als die von einem Juso-Mitglied.

Immer wieder verweist er in seiner Rede darauf, dass aktuell zu wenig in die Zukunft investiert wird. Wenn Pensionskassen ihre Mittel in Cash investieren, werden wir nicht genug für die Renten erwirtschaften, weil damit keine Produkte geschaffen werden. Klar könnte man sagen, der liebe Mann macht Werbung für seine Branche, aber wo er recht hat, hat er recht.

Er nimmt auch die Medien in die Verantwortung. Wer nur noch in einer 24/7 Newsschleife denkt und sich einzig auf den Moment, statt auf das Resultat fokussiert, der setzt die Prioritäten falsch. Konsumenten bekommen Angst und konzentrieren sich nicht mehr auf die Lösungen von Morgen.

Abschliessend meint er, wenn wir 30, 40 Jahre auf die Pension hinarbeiten, ist dann eine Griechenlandkrise relevant? Hören Sie auf über die Krise und das Produkt von heute zu reden, starten sie über das morgen zu denken.

Nouriel Roubini
Manche nennen ihn Dr. Doom, weil er ein richtiger Pessimist sei. Er bezeichnet sich eher als Realist. Seine Hauptaussage, auch die Schweiz ist keine Insel. Wir sind verlinkt durch Finanzen, Produktströme, Touristen usw. Er verweist dabei auf die unterschiedliche Entwicklung an der Wallstreet und der Mainstreet. Warum entwickelt sich der Aktienmarkt so gut und die Realwirtschaft hinkt hinten nach. Seine Frage, wird die reale Wirtschaft dem Aktienmarkt folgen oder der Aktienmarkt zusammenkrachen und sich der Realwirtschaft anpassen? Seine These, die Finanzmärkte brechen ein, weil es zu wenig Lohnerhöhungen und Jobs in der Realwirtschaft gibt.

Sein Fazit, die Notebanken können die Märkte mit Geld fluten, solange aber die Länder ihre Probleme nicht wirklich lösten, nützt das Geld nichts. Unterm Strich, solange Länder wie Frankreich glauben, dass sie mit weniger Arbeiten aus der Krise kommen, solange werden sie nicht mit Ländern wie Deutschland mithalten können und den Aufschwung verhindern. (JP dürfte seine Freude an diesem Vortrag haben)

Er zeigt überzeugend auf, dass Europa nicht mehr in der Notfallabteilung liegt, aber auch noch nicht auf einem klaren Weg der Besserung ist. Für uns keine gute Nachricht beträgt der Export in die EU doch mehr als 50%. Ein kranker Kunde ist kein guter Kunde (ausser man verkauft medizinische Produkte, dies ist aber hier nicht der Fall.

Alle Referate gibt es hier.

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