SEF: Switzerland is not broken, don’t fix it!

Einige Referate am Swiss Economic Forum wurden online gestellt. Darunter sehr interessante. Hier eine kurze Übersicht.

Patrick de Maeseneire
Switzerland is not broken, don’t fix it. Lasst die Deutschen und die Franzosen sich über die Schweiz beschweren. Das ist o.k. Erst wenn sie es nicht mehr tun, dann ist die Schweiz in Schwierigkeiten.

Der CEO von Adecco, dem grössten Zeitarbeitgeber der Welt, hat für die Krise eine eigene Begründung. Er ist überzeugt, dass es sich nicht um eine Finanzkrise, sondern um eine Arbeitsmarktkrise handelt. Unterm Strich hat er wohl recht. Hätten die Hausbesitzer in den USA genügend Geld verdient, hätten sie ihre Hypotheken bezahlen können. Er geht davon aus, dass vor allem die höhere Lebenserwartung die Staaten vor grosse Schwierigkiten stellt, wenn die Menschen nicht länger arbeiten. Er appelliert an das Unternehmertum und - entgegen seiner eigenen Firmeninteresse - ruft er die Firmen auf, Leute wieder fest anzustellen. Erst Festanstellungen geben den Menschen die Sicherheit, die zu Haus-, Auto- und sonstigen Käufen führen. Sicherheit ist notwendig, wenn die Wirtschaft sich erholen soll.

Was für ihn der wichtigste Punkt ist, wenn wir in Europa gegenüber den aufstrebenden Märkten bestehen wollen, benötigen wir Flexibilität. Wir müssen auch lernen, wie wir die wenig gut ausgebildeten Leute qualifizieren können. Denn wenn Fabrikarbeiterjobs Europa verlassen, bleiben Arbeitslose zurück. Dazu zeigt er einen Vergleich, wie hoch die Kosten pro Stunde in den Unterschiedlichen Ländern sind. Kambodscha $0.37, China $1.98, Spanien $26.6, USA $34.7, Deutschland $43.8 und die Schweiz platziert sich zuoberst mit $53.2. Wenn wir in der Schweiz langfristig diesen hohen Wert sichern wollen, müssen wir langfristig deutlich besser als unsere umliegenden Länder sein. Was tun wir, um diesen Abstand zu halten?

Markus Wallenberg
Aus der berühmten Schweden-Dynastie tritt Markus Wallenberg am SEF auf. Er gibt einen kleinen Einblick in das Familienunternehmen und wendet sich schnell seinem Herzensthema zu, der Innovation. Er zeigte auf, wie wichtig SAAB für die schwedische Wirtschaft war, weil daraus neue Firmen und Industrien als Spin-offs entstanden. Und er sagt, warum es als Investor wichtig ist, einen langfristigen Horizont zu haben. Wallenberg betätigte sich als Berater für die Regierung in “Auslandsfragen”. Mir gefiel, als er sagte: “Wir kamen schnell zum Schluss, dass 99.3% der weltweiten Bevölkerung ausserhalb von Schweden leben. Wenn man die schwedischen Debatten hört, dann könnte man meinen, es sei anders rum.” Irgendwie erinnert mich das an ein anderes Land...

Wallenberg stellte auch eine spannende These auf, dass in den Schwellenländern das Smartphone die Einstellung der Menschen drastisch änderte. Auf einmal sind sie in der Lage, zu sehen, wie wir leben. Sie sehen unsere Youtube Videos, unsere Produkte, unseren Lebensstil und sie werden ihre Regierungen auffordern, das sie auch auf diesen Stand kommen. Die Schwellenländer werden vermehrt bereit sein, sich für dieses Ziel zu bilden, zu schuften und uns den Wettbewerb aufzwingen. Ob wir ihn wollen oder nicht.

Kevin Roberts
Ein rhetorisch starker Anfang. Ein Werber, wie er leibt und lebt. Im Vergleich zu seinen Mitreferenten aber nicht so tiefgründig.

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