Die 1:12-Initiative ist keine Lösung

Viele Bürgerinnen und Bürger sind empört über die Auswüchse beim Nehmen. Masshalten ist nicht mehr bei Allen angesagt, es gehört nicht mehr zur guten Tugend. Gefordert wird nun, dass der Staat eingreift und quasi anstelle von gesellschaftlichen Werten gesetzliche Bestimmungen erlässt. So verlangt die Volksinitiative „1:12 – Für gerechte Löhne“, dass der Gesetzgeber die Lohnbänder festlegt. Wir leben in der Schweiz aber eine andere Tradition: Die Löhne werden zwischen den Sozialpartnern ausgehandelt und festgelegt. Dies soll so bleiben. Irgendwann wird die Vernunft wieder obsiegen.

Was die Initiative der Jungsozilisten Schweiz fordert, ist auch simpel zu umgehen. Sollte in der Verfassung der Grundsatz 1:12 bei den Löhnen festgeschrieben werden, würde eine Segmentierung der Unternehmen in Arbeitnehmende mit verschiedenen Lohnklassen erfolgen. In einer Lohnklasse könnten die Raumpflegerinnen und Raumpfleger, in einer weiteren die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter, in einer dritten die Spitzenverdiener zusammengefasst werden. In sich würde jede Unternehmung in der Lohngestaltung die Anforderung 1:12 erfüllen.

Somit könnten alle diese Arbeiten nicht mit eigenen Mitarbeitenden erledigt, sondern über Aufträge an solche „segmentierte Unternehmen“ vergeben werden.

Gesellschaftlicher Druck wird funktionieren

Ich bin überzeugt, dass die Ausreisser in der Wirtschaft aufgrund des gesellschaftlichen Druckes wieder korrigiert werden. Wir tun gut daran, gesetzgeberisch nicht in Bereiche vorzustossen, die den Anstand und die Vernunft regeln wollen. Das kann nicht gelingen. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen Ausspruch, des weltbekannten Theologen Prof. Dr. Hans Küng. Dieser hat an einer Veranstaltung vor einem Jahr in Luzern zum Thema Abzockerei gesagt:

„Die wahren Besten haben Charakter.“ Die Abzocker haben das nicht.

Darum: Setzen wir deshalb auf charakterfeste Manager und Unternehmensführer und nicht auf unsere Gesetzesmaschinerie.

Die Initiative ist darum abzulehnen.

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