Taxistreik! Worum gehts da überhaupt? Und wenn interessierts?

Morgen mittag soll es also losgehen mit diesem Taxistreik. Angeblich soll dann in der Stadt Zürich 24 Stunden lang kein Taxi zur Verfügung stehen.

Streikbrechern wurde schon übelst gedroht...

Worum geht es überhaupt? Was bringt ein Streik, wenn ausser den Streikenden niemand den Grund dazu kapiert?

Also, vom Taxifahren kann man in der Stadt Zürich nicht mehr leben, geschenkt! Trotzdem zahlt jeder Taxihalter pro Fahrzeug und Jahr über 800 Franken für seine Konzession (pardon "Betriebsbewilligung"; diese Unterscheidung ist wichtig, ich erkläre später warum). Diese "Konzession" beinhaltet im Wesentlichen das "Recht" auf einen der 240 städtischen Standplätze sein Fahrzeug aufzustellen und offiziell Taxifahrten anzubieten (bei etwa 1500 Betriebsbewilligungen wird es da manchmal etwas eng).

Ähnlich wie mit dem Ticket, welches neuerdings die Strassenprostitiuierten zu lösen haben (dort sind es 5 Franken pro Schicht) geht es hier um den sog. "gesteigerten Gemeingebrauch"...

Nun, zur Erlangung einer solchen "Konzession" gehörte bis vor ein paar Jahren eine dreijährige Vollzeittätigkeit als angestellter Chauffeur. So konnte man wenigstens die "Unfähigsten" etwas aussieben. Im Zuge des Binnenmarktgesetzes wurden diese Pflichtjahre abgeschafft, d.h. ein jeder kann nun eine Taxibetriebskonzession haben, wenn er nicht vorbestraft ist und die (zugegebenermassen mittlerweile etwas strenger gewordene) Taxi-/Stadtkundeprüfung der Stadt Zürich besteht.

Also, ich fasse zusammen: ein Stadtzürcher Taxihalter muss eine strengere Prüfung für seine neuen Chauffeure gewärtigen, zahlt pro Fahrzeug immer noch zu viel für die Konzession, bei zuwenig Standplätzen (hier sollte ich rasch den Unterschied zwischen Konzession und Betriebsbewilligung erklären: Eine Konzessionvergabe ist limitiert, eine Betriebsbewilligung kriegt jeder, der die Bedingungen erfüllt. Dies die klipp und klare Antwort der Gewerbepolizei! Ist halt so, kann man nicht ändern. Ist Gottgegeben! Amen!). Und jetzt kommt es: er muss mit ansehen, wie ihm seine Landtaxikollegen munter vor der Nase die Kunden wegschapppen (vor allem am Wochenende). Diese "Kollegen" verfügen dann weder über eine Stadtkundeprüfung, noch zahlen sie die städtischen Konzessionsgebühren. Soweit so unfair. Das ganze wird von Seiten Stadt noch als freier Markt bezeichnet und soll (sic!) die Qualität im Taxigewerbe steigern...

Also, wenn ein Chauffeur die Stadtkunde-/Deutsch- und ARV-Prüfung der Stadt Zürich nicht bestanden hat, dann lässt er sich bei "Taxi-Niederhasli" (Firmennamen ist eine Erfindung) anstellen und darf jetzt eben seit neuesten auch in der Stadt Zürich Kunden auflesen (er darf allerdings nicht auf den ach so üppig vorhandenen Standplätzen aufstelllen). Und dies soll dann der freie Markt sein und vor allem die Qualität steigern? Hä?

Insofern bin ich mit den Streikenden einig, ich habe aber das Gefühl, dass diese Zusammenhänge einfach zu wenig rüberkommen und in erster Linie der Kundschaft geschadet wird (aber auch uns selbst; denn die Landtaxis bewerben viele unserer Kunden, man solle morgen ruhig ein Landtaxi bestellen).

Mal sehen, ich werde morgen auf alle Fälle auf der Piste sein und arbeiten, dies bin ich meinen Kunden (und auch der Zentrale) schuldig.

Meine Prophezeihung für den Tag nach dem Streik ist klar: den (eben zum Teil sehr berechtigen) Anliegen wurde nicht geholfen, es wurden noch ein bisschen mehr Kunden verloren und ja, wenn es dann noch Übergriffe auf Streikbrecher (wie meine Wenigkeit) gegeben hat, dann erscheint das abends pünktlich auf TeleZüri und wird unserem Image noch mehr schaden!

Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter...

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