An der Schweizer Arbeitsmoral wird die Welt genesen!

Gott sei Dank, kommt da endlich wieder einmal einer und sagt der Welt und auch uns Schweizern, wie es um unsere Arbeitsmoral steht, beziehungsweise stehen sollte. «Wir arbeiten sieben Tage die Woche, vierundzwanzig Stunden am Tag und, wenn das nicht reicht, nehmen wir noch die Nacht dazu!» Nein, wir sprechen nicht von Ueli Steck, der auf den Berge dieser Welt herumseckelt und irgendwelchen Sherpas zeigt, die faul in den Seilen herumhängen - hoch oben, wo’s niemand sieht - , was wir Schweizer drauf haben.

Nein, wir sprechen von einem anderen Schweizer, der mit seiner ehrlichen Hände Arbeit soviel Geld gemacht hat, dass er letztes Jahr 360 Millionen in das Steuerkässchen seiner Wohngemeinde zahlen konnte, wovon 160 Millionen gleich in den Finanzausgleich des Kantons und damit zu anderen Gemeinden weiterflossen. Damit hat er den ganzen Finanzausgleich des Kantons zunderobsi gebracht und die begossenen Gemeinden derart konfus gemacht, dass diese fast den Geldsegen ablehnen wollten. «Steuerhinterziehung! Korruption! Umweltverschmutzung! Menschenrechtsverletzungen!» schrien die beglückten Geldverächter und konnten von ihren Mitbürgern nur schwer beruhigt werden.

Richtig, Sie haben es erraten, wir sprechen von Ivan Glasenberg, als er letztes Jahr sein Unternehmen Glencore an die Börse brachte. Und als dann bekannt wurde, dass er Glencore mit einem anderen Schweizer Unternehmen, Xstrata, fusionieren wollte, kamen prompt sogar die Wohltätigkeitsorganisationen «Fastenopfer» und «Brot für Brüder» (nicht zu verwechseln mit der Selbsthilfeorganisation «Kuchen für mich») und hieben mit einer Studie über Glencores Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen in die selbe öde Bresche.

Trotz solchen Unkenrufen haben nach den Kartellbehörden aller anderen Grossmächten letzthin auch die Chinesen grünes Licht zur Fusion von Glencore und Xstrata gegeben. Eigentlich ein wenig erstaunlich, denn die Chinesen machen das Gleiche wie Glencore Xstrata, nämlich weltweit Minen, Ölfelder und Landwirtschaftsland zusammenkrämern. Jetzt ist Glencore Xstrata nicht nur der weltweit grösste Rohstoffhändler , sondern auch das viertgrösste Bergbauunternehmen und seit dem 24. Mai werden seine Aktien in London und Hong Kong wacker gedealt. Klar, gab es auch da wieder ein paar kritische Stimmen, aber die weltgrössten Investoren scheinen kräftig zuzulangen und bescheren Glasenberg einen zusätzlichen Geldsegen. Den hat er auch bitter nötig für weitere Zukäufe. Und um die Investoren zu ködern hat der sonst so verschwiegene Glasenberg im Wall Street Journal der ganzen Welt kundgetan, wie wir Schweizer halt so arbeiten: «Von einer ausgewogenen Work-Life-Balance halten wir nichts! Nach einem gelungenen Deal die Champagnerkorken knallen lassen oder gar von schönen Stränden träumen, gibt es bei uns nicht!» Fröhlich ackernd frönen wir dem genüsslichen Volkssport «Ich bin der Reichste auf meinem Gemeindefriedhof»! Dies ist, ganz nebenbei, auch der richtige Weg zur Sanierung unserer AHV.

Ivan, wir sind stolz auf dich! Dass du nebenbei erwähnst, jeder Lastwagenfahrer in deinen afrikanischen Minen, könne auch Trader bei dir werden, die Türen ständen offen, ist ein wertvoller Beitrag zu Lösung des Migrationsproblems! Besser die Wirtschaftsflüchtlinge kommen als gut verdienende Trader in unser Land, als am Sozialstaat nuckelnde Hungerleider.

Dass du gesagt hast, bei Annahme der 1:12-Intiative mitsamt deiner Bude Glencore Xstrata die doch so freundliche Schweiz zu verlassen, hat uns allerdings schon etwas nachdenklich gestimmt, denn unsere Linken wissen nun nicht, ob dies eine Drohung oder ein Versprechen ist. Unser Steuersystem kann jedenfalls nicht der Grund für eine allfällige Auswanderung sein, denn deine Firma hat dank Restrukturierung und Abschreibungen seit dem Börsengang keine Einkommenssteuern mehr zahlen müssen. Im Gegenteil, deine Firma hat eine Steuergutschrift über 544 Millionen Dollar erhalten und hat in Bern 13,4 Milliarden Franken Kapitalreserven angemeldet, die dank der Unternehmenssteuerreform II des seligen Ex-Bundesrates Hans-Rudolf Merz steuerfrei als Dividenden ausbezahlt werden können.

Glücklich ist ein Land, das solche Citoyens hat! Und gut, dass dich Rüschlikon 2010 ins Bürgerrecht aufgenommen hat! Bei der Einbürgerung sollst du immerhin ein kräftiges «Grüezi» zustande gekriegt haben und dass du auf die Frage nach den Bundesräten Sepp Blatter als Sportminister bezeichnet haben sollst, wollen wir dir gütig nachsehen.

Auch der amtierende Sportminister, Ueli Maurer, soll dir das nicht weiter krumm genommen haben. Bloss, angesprochen auf die von dir propagierte Arbeitsmoral, soll unser Ueli, den Kopf etwa geneigt und sanft gelächelt haben: «Die Work-Life-Balance auf meinem Velo ist mir wichtig und falls mich das Parlament oder vielleicht dereinst sogar das Volk wiederwählt, habe ich weiterhin keine Lust sieben Tage pro Woche zu arbeiten!»

Es ist halt auch in einer heilen Welt nichts perfekt. Gut haben wir dich, lieber Ivan!

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