Plädoyer für eine Vollgeldreform

Nur 10 Prozent der umlaufenden Geldmenge sind Münzen oder Noten der Nationalbank. 90 Prozent der Geldmenge sind kein Nationalbankgeld, sondern Giralgeld der Geschäftsbanken. Ein Kredit wird von Banken nicht aus Spargeldern von anderen Bankkunden weitervermittelt, sondern per Gutschrift praktisch selbst aus dem Nichts geschöpft. Finanzinstitute sind Geldschöpfungsmultiplikatoren. Limitiert wird diese Kreditgeldschöpfung durch Mindestreserven und durch Eigenkapitalvorschriften. Diese Begrenzungen sind aber wenig wirksam und können umgangen werden. Deswegen kommt es immer wieder zu Blasenbildungen. Das führt zwar nicht immer zu Inflation, aber treibt die Spekulation an – zurzeit insbesondere auf dem Immobilienmarkt.
Die Vollgeldreformer Huber, Binswanger und der Schweizer Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) fordern, dass es statt Buchgeld der Geschäftsbanken nur Vollgeld – das ist Zentralbankgeld – gibt. Nur die Notenbank soll Geld schöpfen dürfen und nicht die Geschäftsbanken. Mit einer Vollgeldreform wäre das Geld auf dem Bankkonto in vollem Umfang von der Notenbank gedeckt. Die Sparguthaben wären in einer Bankenkrise deshalb nicht gefährdet. Vor allem aber würde aus dem per Kreditschuld geschöpften Giralgeld gedecktes Geld. Die Geschäftsbanken vergäben Kredite nur mit vorhandenem Vollgeld, das sie sich von Sparern oder auf dem Finanzmarkt besorgen.
Mit einer Vollgeldreform erlangt die Nationalbank wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge und kann damit Blasenbildungen, Inflation und überbordendes Wachstum direkt verhindern.

14 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Geld- und Währungspolitik»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production