1:12 - nachdenken, nicht wegschauen, handeln! Keine Firma geht weg, es rentiert nicht - der Werkplatz Schweiz verliert nichts, wenn die "Besten" gehen!

Liebe Büezer, Krankenschwestern, Bäuerinnen, Bürolisten, Ingenieure, Ökonominnen und andere die arbeiten, Ideen liefern und müde sind am Abend nach der Arbeit

Kinder verhalten sich oft gemein, z.B. indem sie zu viel vom Kuchen für sich nehmen und anderen nur noch einen kümmerlichen Rest lassen. Als Eltern schauen wir, ob die Kinder das selber regeln können. Falls nicht, müssen wir mit der Zeit eingreifen, um Schwächere oder Kleinere zu schützen. Wir können die Schwachen ermutigen, für ihre Rechte einzustehen oder die Starken auf ihr unfaires Verhalten aufmerksam machen. Wenn nichts von dem hilft, muss das unfaire Tun gestoppt werden. Würde man nichts tun und die Schwachen der Willkür der Starken überlassen, so würden sich die Schwächeren mit der Zeit daran gewöhnen weniger zu bekommen und die Starken würden kein Unrechtsgefühl entwickeln. Letztere würden es als normal und als ihr angestammtes Recht betrachten, sich mehr herauszunehmen als ihnen zusteht.
Sie werden sich fragen, weshalb ich über so etwas schreibe. Wir als Erwachsene stecken immer noch in diesen Rollen: Lohnexzesse erreichten in den letzten Jahren historische Höchststände. In der Schweiz verdient heute ein Spitzenmanager im Durchschnitt 4 Millionen Franken oder das 56-fache eines Normaleinkommens (ca. 71‘000 Franken). Wir hatten in den letzten Jahren Wirtschaftskrisen zu überstehen und sahen uns mit Kurzarbeit, Firmenkonkursen sowie mit wachsenden Arbeitslosenzahlen konfrontiert. Die Löhne blieben lange Zeit gleich, wurden nicht der Teuerung angepasst, was schliesslich der Detailhandel und andere Branchen unserer Volkswirtschaft spüren mussten. Gleichzeitig blühten trotz dieser Krisen die Bonusexzesse in den Chefetagen von Konzernen (wie z.B. Novartis, ABB oder UBS) und sie blühen noch lange weiter, wenn wir weiter wegschauen.
Es verdienen ein paar wenige unsäglich viel daran, wofür viele andere gearbeitet haben. Dank der Ideen, Arbeit und Zuverlässigkeit von Handwerkern, Büroangestellten, Ingenieurinnen usw. werden Firmen konkurrenzfähig und können mit Produkten Gewinne erwirtschaften, die als Reserven verwendet- oder investiert werden können. Die Chefetagen sind genauso von der Arbeitskraft und dem Einfallsreichtum der Leute abhängig, die in der Fabrikhalle ihre Arbeit verrichten, wie die Arbeitnehmenden umgekehrt vom Management-Knowhow- oder die Banken und Produktion gegenseitig voneinander abhängig sind. Alle sind gegenseitig verpflichtet und müssen Verantwortung tragen. Der Fall UBS illustriert aber, dass in den Chefetagen vergessen ging, dass wir alle das Geld erwirtschaftet haben, mit welchem sich Spitzenmanager selber ihre überrissenen Bonis und astronomischen Gehälter ausbezahlen. Ich erinnere daran, dass der UBS mit sechs Milliarden Franken Steuergeldern geholfen wurde. Es wurde den Leuten ein sehr grosser Teil unseres Volksvermögens anvertraut, die weder unser Vertrauen noch dieses Geld „verdient“ haben. Trotz riesiger, durch falsches Handeln erzielter Verluste, zahlten sich die UBS-Topmanager wenig später Boni in dieser Grössenordnung aus.
Wieso beträgt der Lohn eines Hedge Fund Managers das Tausendfache eines Primarlehrerlohns? Wieso tragen Kantonalbankdirektoren ein Mehrfaches des Lohns nach Hause, den ihre Vorgesetzten - die Regierungsräte - erhalten? Leistet ein Investment-Banker einen tausendmal höheren Beitrag zum Gemeinwohl als eine Primarlehrerin? Wenn wir den Fall des Investmentbankers Kweku Adoboli betrachten, der für die UBS 2,3 Milliarden US-Dollar (damals ca. 2 Mio. Franken) verzockt hat, dann müssen wir eher von einem millionenfach höheren Schadenspotential für die Gesellschaft ausgehen, als von volkswirtschaftlicher Nachhaltigkeit.
Die Abzockerinitiative, die Sie deutlich angenommen haben, hat dem verantwortungslosen Treiben einen ersten Dämpfer verpasst. So haben die Actelion-Aktionäre das Gehalt ihres CEO von 5,5 Mio. Franken abgelehnt. Nach Inkrafttreten dieser Initiative, werden solche Entscheide bindend sein. Bereits bei dieser Initiative haben die Gegner vieles behauptet, was Sie als mündige Bürgerinnen und Bürger nicht geglaubt haben. So wird es auch bei der 1:12-Initiative geschehen. Momentan wird alles getan, um den Abstimmungstermin möglichst weit hinauszuschieben. Würde bereits heute darüber abgestimmt, so würde diese Initiative klar angenommen.
Die 1:12-Initiative will, dass niemand in einem Jahr weniger verdient als der bestbezahlte Manager im gleichen Unternehmen in einem Monat und sie will dies in der Verfassung verankern. Dadurch wird verhindert, dass sich ein paar Wenige immer mehr nehmen und andere die daraus resultierenden Schäden bezahlen müssen. Die Gegner werden behaupten, dass die Initiative aufwendig in der Umsetzung sei, dass grosse Konzerne ihre Standorte ins Ausland verlagern werden und dass die Absichten der Initiative auf verschiedene Weise umgangen werden können. All dies ist einfach zu widerlegen: Die Unternehmen können z.B. verpflichtet werden, die Löhne mit der Steuererklärung, dem Jahresbericht oder der Buchprüfung offen zu legen, es müsste keine neue Behörde geschaffen werden. Die Standortfrage ist reine Angstmacherei: Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den weltweit tiefsten Unternehmenssteuern. Von daher ist es finanziell uninteressant, eine Unternehmung aus diesem attraktiven Steuerklima in ein anderes Land, mit viel höheren Unternehmenssteuern zu verschieben, bloss weil ein paar Spitzenverdiener immer mehr verdienen wollen. Die 1:12-Initiative fordert nur eine maximale Lohnspanne, der Erfolg eines Unternehmens wird damit nicht beeinträchtigt. Es wird weder die Produktion verteuert, noch das Management erschwert. Im Gegenteil: Zu hohe Löhne und Extraboni für Manager schmälern die Unternehmensleistung; sie setzen falsche Anreize, fördern risikoreiches Verhalten und beeinflussen damit das Unternehmensklima negativ.

Denken Sie bitte an diese Zeilen, wenn die 1:12-Initiative an die Urne kommt. Glauben Sie der Angstmacherei- und Neidpolemik nicht und helfen Sie damit den Werkplatz und den Wirtschaftsstandort Schweiz mit fairen Löhnen attraktiv zu erhalten.

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