Ein grosses Lob den Schweizer Banken

Mit diesem Lob meine ich nicht das Investmentbanking der CS und der UBS, die wieder Gewinn einfahren oder die Tatsache, dass es unsere Grossbanken wieder schaffen, massig Neugelder zu gewinnen. Das ist zwar gut und erfreulich, was ich aber wirklich toll finde, ist der Gang des Inlandgeschäftes von unseren beiden Grossbanken, den Kantonalbanken und den Regionalbanken. Der eine oder andere Leser könnte Ironie hinter diesem Beitrag vermuten, ist es doch besonders das Schweizer Geschäft, welches keine grossen Sprünge macht. Oft stehen die Gähwilers, Schweiz-Chef UBS, und Vincenzes, Chef Raiffeisen-Gruppe, sogar in der Kritik, weil sie zu tiefe Gewinne erwirtschaften. Aber genau dies finde ich bewundernswert und gebührt ein grosses Lob.

Warum findet ein FDP’ler tiefe Gewinne gut? Weil die Chefs der Banken und die Mitarbeiter Disziplin zeigen und sich verantwortlich geben. Es wäre für die Banken ein leichtes, mehr Geld zu verdienen. Die Zinsen sind tief wie nie und durch die internationalen Turbulenzen schwemmt massig Geld in die Schweiz. Banker könnten Immobilien- und Privatkredite en masse vergeben und die Kunden würden ihnen die Türe einrennen. Denn die Wirtschaftslage ist gut, die Schweizer sind zuversichtlich und für ein Schnäppchen zu billigen Zinsen, wären viele zu haben. Stattdessen halten sich die Schweizer Banken zurück. Sogar dann, wenn von "oben" mehr Gewinn erwartet wird.

Das Verhalten stimmt mich zuversichtlich. Spricht man mit einzelnen Kundenberatern, verweisen sie auf die Geschehnisse in Spanien und den USA und viel mehr noch, sie erinnern sich an den Crash in den 90er Jahren, als die Schweizer Banken wegen einer Immobilienblase rund 44 Milliarden Franken abschreiben mussten. In etwa dasselbe Verhältnis wie die US Banken im Crash 2007 abschreiben mussten. Die Schweizer scheinen ihre Lektion gelernt zu haben. Warum sollte nicht auch der Rest der Welt diese Lektion aus der Finanzkrise lernen?

In Irland wird man vermutlich nie mehr so abhängig von den Banken werden. In Spanien wird man wahrscheinlich vor dem nächsten Immobilienboom sehr genau auf die Bonität der Schuldner achten und in den USA startet die Kreditvergabe auch nicht mehr so schnell durch.

Darum ein grosses Lob an die Schweizer Banken, dass sie sich von der aktuellen Situation nicht kurzfristig verführen lassen und die langfristige Entwicklung im Auge behalten. Davon profitieren alle, die Schuldner, die Gläubiger, das Land, die Banken und nicht zuletzt die Arbeitsplätze jedes einzelnen Bankers, die beim nächsten Crash nicht gestrichen werden müssen.

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