Christen, unfreiwillige Märtyrer

VOR WENIGEN Wochen wurde Ostern gefeiert, bald stehen Auffahrt und Pfingsten vor der Tür. Auch wenn viele Menschen in der Schweiz die Bedeutung dieser christlichen Festtage kaum mehr kennen, dürfen wir sie doch unbesorgt feiern – in Sicherheit und Freiheit. Für uns eine Selbstverständlichkeit. Zu Recht?

ANDERSWO SIEHT die Realität ganz anders aus: Alle fünf Minuten wird irgendwo auf der Welt ein Mensch nur seines christlichen Glaubens wegen getötet. Jahr für Jahr sind es über 100'000. Schätzungen der internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und des internationalen Instituts für Religionsfreiheit zufolge sind rund 80 % der weltweit Verfolgten Christen. Noch nie war die Christenverfolgung so ausgeprägt wie heute. Und dennoch: In unseren Medien finden diese erschütternden Tatsachen kaum je Erwähnung. Kein Aufschrei, keine Entrüstung. Die Gesellschaft schaut weg. Und schweigt.

DIE STÄRKSTE Christenverfolgung findet laut dem überkonfessionellen Hilfswerk „Open Doors“, das die Entwicklungen seit Jahrzehnten beobachtet und alljährlich den sogenannten Weltverfolgungsindex herausgibt, im kommunistischen Nordkorea statt. Schätzungsweise 50'000 bis 70'000 Christen sind dort in den berüchtigten Arbeitslagern eingesperrt. Es folgen in den Top Ten Saudi-Arabien, Afghanistan, Irak, Somalia, die Malediven, Mali, Iran, Jemen und Eritrea. Diese Länder haben eines gemeinsam: sie sind islamisch geprägt. Kein Zufall; in 24 der 30 führenden Länder ist gemäss „Open Doors“ der extremistische Islam verantwortlich für die Gewalt gegen Andersgläubige. Er bringt dem Christentum die schlimmste Verfolgung seiner Geschichte.

UND DER ISLAMISCHE Extremismus ist weiter auf dem Vormarsch, vor allem in den Ländern des „Arabischen Frühlings“. Als Folge davon hat dort im vergangenen Jahr auch die Gewalt gegen Christen massiv zugenommen. Beispielsweise in Libyen, das sich von einem säkularen zu einem islamistisch geprägten Land gewandelt hat. Oder in Ägypten, das neu eine schariakonforme Verfassung hat. Oder in Syrien, wo ausländische Dschihadisten mittlerweile gezielt gegen Christen vorgehen. Der „Arabische Frühling“ ist für die Christen zum bitterkalten Winter geworden.

WIESO LIEST und hört man nicht öfters davon? Warum wird die Christenverfolgung auch von den Landeskirchen nur selten thematisiert? Mischen sich diese tatsächlich lieber in die inländische Politik ein, statt hartnäckig und wiederholt an die Gewalt und die Folter gegen ihre Glaubensgeschwister zu erinnern? Wäre es nicht ihre Pflicht, lautstark gegen die Verfolgung zu protestieren?

ÜBRIGENS: 22 DER 50 im Weltverfolgungsindex aufgeführten Staaten werden von der Schweiz unterstützt. So flossen 2011 insgesamt rund 250 Millionen Franken Entwicklungshilfe in diese Gebiete. Traurig, aber wahr: Die Schweiz zahlt auch dann, wenn ein Land die Religionsfreiheit nicht achtet. Wie lange noch?

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