Die Drosselungspläne der deutschen Telekom sorgen in Deutschland für Empörung. Kritisiert wird auch, dass die Telekom die Netzneutralität verletzt.

Für einmal schaffte es in den vergangenen Tagen das Schlagwort «Netzneutralität» in die Titel der Tagespresse. Der Grund: Die deutsche Telekom will künftig ihre Internet-Anschlüsse drosseln. Statt Flatrate heisst es dann: Wenn eine bestimmte Datenmenge heruntergeladen wurde, wird die Bandbreite der betreffenden NutzerInnen künstlich verlangsamt.

Wer bezahlt den Infrastruktur-Ausbau?

Der Grund klingt einleuchtend. Wenige NutzerInnen seien für den Grossteil des Traffics verantwortlich. Und weil die deutsche Breitband-Infrastruktur - im Gegensatz zur Schweiz - viel zu langsam ausgebaut wurde, führe dies zu Datenstaus. Im Interesse der 99% den Bandbreitehunger der 1% beschränken? Warum nicht, denken sich da viele. Radikale VertreterInnen sehen bereits hier einen Verstoss gegen die Netzneutralität. Weil nicht einfach alle Pakete nach dem Best-Effort Verfahren weitergeleitet werden. Ich würde die Latte allerdings nicht so hoch hängen. Irgendwie muss die Telekom ja den dringend nötigen Breitband-Ausbau gegenfinanzieren. Warum nicht mit höheren Tarifen? Denn eins ist klar: Die Alternative einer Internet-Gebühr, welche bestimmte Inhalts-Anbieter zur Kasse bittet, ist sicher der falsche Weg. Denn jeder Inhalt wird ja von jemandem angefordert.

Zwei-Klassen Internet: Gratis gibt's nur für die eigenen Dienste

Allerdings ist die Darstellung mit den 99% Hobbysurfern und den 1% Netzüberlastern nicht bloss stark verkürzt, sondern schlicht falsch. Mit zu den bandbreitehungrigen NutzerInnen gehören nämlich nicht nur jene User, welche sich (legal oder illegal) Filme herunterladen oder tauschen. Sondern dazu gehören auch alle Telekom-Kunden, welche über die Telekom Leitung mit dem «Entertain»-Paket ganz normal Fernsehen schauen. Übers Internet. Ohne dies zu merken.

Und hier ist der Aufschrei «Telekom verletzt Netzneutralität» definitiv angebracht. Denn die Telekom rechnet diese Daten nicht zur beschränkten Datenmenge hinzu. Sprich: Kommt der Stau vom eigenen Server via «Entertain» Angebot, ist er offenbar weder böse noch zu billig. Die Telekom schafft die echte Flatrate nur für Daten der Konkurrenz ab: Netflix, iTunes, Youtube, Zattoo. Für Kunden des eigenen Bewegtbild-Angebots dagegen bleibt die Flat so wie sie ist.

Da bleibt als Schluss nur eine böse Vermutung: Die Telekom verkauft ihr eigenes, datenhungriges IP-TV zu billig. Und will nun die Nutzer der Konkurrenz dafür zur Kasse bitten.

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