Quo vadis, SBB? Das Image einer nationalen Institution bröckelt

Es ist richtig, dass ein Unternehmen rentabel sein soll. Die Schweizer Bundesbahnen sind aber kein klassisches Unternehmen: Sie sind in Staatsbesitz, profitieren von staatlichen Subventionen und besitzen eine unangefochtene Monopolstellung. Unter diesen Umständen können es sich die SBB leisten, ihren Kunden Bedingungen aufzuzwingen, die sich private, im Wettbewerb stehende Unternehmen niemals erlauben könnten.

Die Bevölkerung ist zunehmend erzürnt über die kundenunfreundliche Haltung der SBB: Gewisse Preiserhöhungen sind zwar nicht zu vermeiden, aber sie halten nicht Schritt mit dem dafür erwarteten Anstieg an Leistung. Die Abschaffung des Billetkaufes in Schnellzügen, verbunden mit pauschalen Schuldzuweisungen an die Fahrgäste, gipfelt inzwischen darin, dass die SBB in offensichtlich absurden Fällen präventiv Anzeige erstatten, um eine Schlichtung bei der Ombudsstelle von vornherein auszuschliessen. Mit Strafbefehlen, welche keine echte Beweisprüfung enthalten, werden Fahrgäste zu Kriminellen. Das ist eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Auch ich fahre nicht mehr so entspannt, seit ich mein GA aus Kostengründen nicht mehr verlängert habe und mich in zahlreichen Schrecksekunden vergewissern muss, ob ich jetzt wirklich ein Billet gekauft, abgestempelt oder auf das iPhone geladen haben. Entsprechend fuhren letztes Jahr erstmals seit vielen Jahren weniger Menschen mit der Bahn. Trotz unmissverständlicher Zahlen scheint das Management die wahren Gründe dafür zu ignorieren. Das Ziel, den öffentlichen Verkehr in Agglomerationen wie auch den Randregionen zu fördern, wird damit untergraben.

Was bedeutet das politisch? Staatliche Firmen zu selbstständigen Unternehmen mit professioneller Führung zu machen, ist in der Theorie richtig. Das fehlende Marktumfeld führt hier aber zur offensichtlichen Fehlentwicklungen, dass der Kundenservice auf rücksichtslose Weise der Gewinnmaximierung geopfert wird, da das Management in etlichen Punkten keinen konkreten Vorgaben unterworfen ist. Dies ist stossend angesichts der Tatsache, dass Firmen, die dem Staat gehören, letztendlich auch dem Volk gehören. Die Bevölkerung erwartet darum, dass solche Firmen auch im Interesse selbiger arbeiten und wirtschaften.

Bei der SBB wäre ein Kurswechsel angesagt – zumal sich die jetzige Geschäftspolitik offensichtlich negativ auf die Passagierzahlen und damit mittelfristig auch auf die Gewinne auswirken wird. Andernfalls werden die Unkenrufe nach mehr staatlicher Kontrolle Konsequenzen haben. Die Volksinitiative pro Service public hat aktuell sehr gute Aussichten auf Erfolg. Auch ich werde die Initiative unterschreiben, denn offensichtlich braucht es politischen Druck von der Bevölkerung, um das SBB-Management wieder zu Verstand zu bringen. Und wenn das nicht hilft, kann das immer noch Volk an der Urne entscheiden.

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