NZZ zum Kündigungsschutz: Düstere Szenarien selber emprisch in Frage gestellt

Die NZZ von heute bietet wunderbares Anschauungsmaterial dafür, wie unklar die Auswirkungen eines ausgebauten Kündigungsschutzes für Arbeitnehmende auf Arbeitslosigkeit und Beschäftigung sind. Der Kommentar im Inlandteil zur vom Nationalrat beschlossenen Sozialplanpflicht warnt eindringlich vor einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Länder mit einem besseren Kündigungsschutz hätten eine höhere Arbeitslosigkeit, wird suggeriert. Der Wirtschaftsteil hingegen berichtet über den Abbau von ausländischen Niederlassungen bei Charles Vögele. Diese schliessen Läden in Osteuropa und nicht in den Benelux-Staaten, wo die Margen am schlechtesten sind. Die Begründung: Wegen dem Kündigungsschutz seien die Schliessungen dort zu teuer. Die betroffenen Verkäuferinnen und Verkäufer haben Glück gehabt.

Die Resultate der ökonomischen Studien zum Thema Kündigungsschutz sind ähnlich. Auf einer theoretischen Ebene vermuten die meisten einen negativen Zusammenhang zwischen Kündigungsschutz und Beschäftigung. Doch empirisch sind die Befunde weniger klar. Untersuchungen der OECD zeigen beispielsweise, dass ein weniger ausgebauter Kündigungsschutz für unbefristete Stellen mit mehr Stellenwechseln einhergeht. Doch die gesamtwirtschaftliche Wirkung auf das Beschäftigungsniveau ist nicht eindeutig, da sowohl das Ausmass der Einstellungen als auch der Entlassungen reduziert wird (OECD 2010). Armingeon und Baccaro können ebenfalls keinen robusten Zusammenhang feststellen.

Einmal mehr zeigt sich: Theoretische Spekulationen ohne empirische Überprüfung sind mit grösster Vorsicht aufzunehmen

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