Basler Zeitung (BaZ) hetzt gegen Muslime und verwendet rechtsextreme Quelle!

Die Basler Zeitung (BaZ) provoziert mit dem fragwürdigen und einseitigen Online-Artikel “Alle fünf Minuten wird ein Christ ermordet”. Der Artikel von Thomas Wehrli basiert dabei teilweise auf äusserst fragwürdigen Quellen: Einerseits stammen die Zahlen, auf denen der Artikel basiert von der fundamentalistisch-christlichen Organisation “Open Doors”. Andererseits wird der verurteilte Rechtsextremist und Islamfeind “Michael Mannheimer” als “Experte” zitiert. Der Artikel wurde unter anderem auch auf den Online-Portalen von “Tages-Anzeiger” und ”Der Bund” veröffentlicht.

Peter Schlemihls Politblog

Fragwürdige Zahlen von “Open Doors”

Der einseitige und polemische Artikel von Thomas Wehrli basiert zu einem grossen Teil auf den Zahlen des “Weltverfolgungsindex” des “überkonfessionellen Hilfwerks Open Doors”. Dass die Zahlen von “Open Doors” selbst von christlichen Landeskirchen massiv kritisiert werden, erwähnt der Autor mit keinem Wort. So fordert beispielsweise der bayrische Oberkirchenrat Michael Martin mehr Zurückhaltung bei der Verwendung des Begriffs “Christenverfolgung” und kritisiert “Open Doors” scharf: “Nicht jedes Verbrechen an Christen ist Verfolgung.“

Auch verschweigt Thomas Wehrli, dass es sich bei “Open Doors” um eine fundamentalistische Organisation handelt, die selbst massiv missioniert. Für “Open Doors” findet selbst dann eine “Christenverfolgung” statt, wenn im Sinne einer Trennung von Kirche und Staat, die Missionierung eingeschränkt wird. Auch sollte man bei einem Index, in dem nur die Verfolgung von Mitgliedern einer Glaubensrichtung angeprangert wird, währerddem die Verfolgung von Menschen anderer Glaubensrichtungen ganz einfach ignoriert wird, eine gewisse Vorsicht walten lassen. Einer Organisation, der es wirklich um die Einhaltung der Grund- und Menschenrechte gehen würde, wäre die Religionszugehörigkeit der Opfer egal.

Rechtsextremist als “Experte” zitiert

Es wird aber noch viel haarstäubender: Autor Wehrli zitiert den ”deutschen Soziologen und Islamkritiker Michael Mannheimer” als Experten. Nur handelt es sich bei “Michael Mannheimer” um das Pseudonym eines rechtsextremen Islamhassers, der in Wirklichkeit Karl-Michael Merkle heisst und im Februar 2012 erstinstanzlich wegen Volkverhetzung verurteilt wurde. Merkle hat das Urteil weitergezogen. Er betreibt unter dem Pseudonym “Michael Mannheimer” mehrere islamfeindliche Seiten und Blogs und ist einer der treibenden Kräfte hinter der islamfeindlichen Plattform “Politically Incorrect”. Dabei hat “Mannheimer” zu Gewalt gegen Muslime und gegen Politiker und Journalisten, die die angebliche “Islamisierung Deutschlands” duldeten aufgerufen.

Ich kann nicht beurteilen, ob Thomas Wehrli bewusst die wahre Identität von “Mannheimer” und dessen Verurteilung unterschlagen hat oder ob es sich einfach um eine ungenügende journalistische Recherche handelt. Beides wäre aber aus meiner Sicht ein Armutszeugnis für die BaZ.

“Mannheimer” besonders beliebt in islamfeindlichen Kreisen

“Mannheimer” ist auch in der Schweiz kein Unbekannter. Auf Politplattformen, auf Facebook oder in Kommentaren von Online-Zeitungsartikeln findet man viele Statements von “Mannheimer” – oftmals ohne Quellenangabe. So auch auf der Politplattform Vimentis, wo zahlreiche User Aussagen von “Mannheimer” per copy-paste wiedergegeben haben (natürlich ohne Quellenangabe). Erst nach mehrmaligem Intervenieren von mir und anderen Usern, wurden die entsprechenden Kommentare teilweise gelöscht.

Polemisch und einseitig

Es ist zudem auffällig, wie polemisch und einseitig der Artikel geschrieben ist. Insbesondere werden Christen völlig einseitig als Opfer und Muslime einseitig als Täter dargestellt. Auch unterscheidet der Autor nicht zwischen der kleinen Minderheit von gewalttätigen Islamisten und der grossen Mehrheit von gemässigten und friedlichen Muslimen. Der Autor hat offensichtlich ein grundsätzliches Problem mit dem Islam und deutet am Schluss sogar noch an, man müsse den Islam verbieten.

Parallelen zu Weltwoche-Artikeln

Es fällt auf, dass dieser einseitige islamfeindliche Artikel verblüffende Parallelen zu mehreren islamfeindlichen Artikeln des rechtskonservativen Wochenblatts “Die Weltwoche” aufweist. So hat der streng gläubige Katholik, SVP-Nationalrat und Weltwoche-Redaktor Peter Keller in der aktuellen Ausgabe einen Artikel unter dem Titel “Stilles Sterben” verfasst. Dieser wie auch frühere Weltwoche-Artikel weisen argumentativ und inhaltlich frappante Ähnlichkeiten mit dem vorliegenden BaZ-Artikel auf. Auch in der Weltwoche wird nicht zwischen gewaltätigen Islamisten und gemässigten Muslimen unterschieden, es wird gegen den Islam gernerell gehetzt und es wird gar ein Verbot des Islams zu Thema gemacht. Ich habe mich bereits in einem früheren Artikel dazu geäussert.

Zur Erinnerung: BaZ-Chefredaktor Markus Somm hat im August 2010 nach der Übernahme der BaZ durch Kreise, die Christoph Blocher nahe stehen, von der SVP nahestehenden Weltwoche zur BaZ gewechselt. Seither ersetzt Somm systematisch die gesamte BaZ-Redaktion. Ähnliche Vorgänge hatten auch bei der Weltwoche stattgefunden, als diese von Roger Köppel übernommen wurde. Thomas Wehrli, der Autor dieses fragwürdigen Artikels, ist übrigens einer der vielen neuen, von Somm eingesetzten Journalisten. Er ist heute stellvertretender Ressorleiter Politik bei der BaZ, wie Peter Keller streng gläubiger Katholik und war Präsident der Kirchpflege in einer kleinen Gemeinde im stock-katholischen Fricktal.

“Tages-Anzeiger” und “Der Bund” übernehmen unkritisch

Der fragwürdige Artikel ist wie oben angetönt auch auf den Online-Plattformen von ”Tages-Anzeiger” und “Der Bund” zu finden. Dass die Tages-Anzeiger/Bund-Redaktion einen derart unsachlichen Artikel einfach so unkritisch übernimmt, halte ich für nicht akzeptabel. Ich habe per Kommentar darauf hingewiesen, dass es sich bei Michael Mannheimer um ein Pseudonym eines verurteilten Rechtsextremisten handelt. Meine diesbezüglichen Kommentare wurde sowohl von der BaZ- wie auch von der Tages-Anzeiger/Bund-Onlineredaktion zensuriert. Weiter habe ich den Autor sowie die Redaktionen der betroffenen Zeitungen um eine Stellungnahme gebeten. Fortsetzung folgt…

Den vollständigen Originalartikel mit regelmässigen Ergänzungen finden Sie hier.

Update vom 03. April 2013:
Ich habe heute vormittag eine Mail von der Online-Redaktion des Bundes erhalten: Man teilt mir mit, dass “Der Bund” keinerlei Einfluss darauf hat, welche Artikel online veröffentlicht werden. Diese Entscheidung trifft, die Zentralredaktion des Tages-Anzeigers in Zürich (Anmerkung: “Der Bund” gehört zum Tamedia-Konzern und die Redaktion des Bundes wurde teilweise in die Tages-Anzeiger-Redaktion integriert).

Weiter wird mir mitgeteilt, dass man meine Bedenken betreffend diesem Artikel aber vollumfänglich teile und dass dieser Artikel auf dem Online-Portal des Bundes umgehend gesperrt wurde. Zudem habe man die Bedenken der Zentralredaktion in Zürich gemeldet.

Mittlerweile ist der Artikel beim Bund sowie beim Tages-Anzeiger gelöscht worden. Weiter hat die BaZ die entsprechenden Zitate von “Michael Mannheimer” aus dem Artikel entfernt. Der Artikel selbst bleibt aber online. Der entsprechende Nachtrag der BaZ:

“Nachträgliche Korrektur vom 3. April: Der Autor hat die beiden Zitate von Michael Mannheimer, die in der ursprünglichen Version des Artikels publiziert waren, zurückgenommen, da es sich bei Mannheimer um Karl-Michael Merkle handelt, der in Deutschland wegen Volksverhetzung vor Gericht steht.”

Ich begrüsse die Löschung dieses einseitigen und islamfeindlichen Artikels von den Online-Portalen von “Tages-Anzeiger” und “Der Bund”. Weiter begrüsse ich die Entfernung der entsprechenden Zitate von “Michael Mannheimer” im BaZ-Artikel. Allerdings bleibt der Artikel trotz der Entfernung dieser Passagen tendenziös und islamfeindlich. Er enthält weitere unseriöse Quellen und es besteht der Verdacht, dass er teilweise von Internet-Blogs abgeschrieben wurde. Hierzu mehr in Kürze…

Weiter ist es völlig unverständlich, dass ein Journalist Zitate von einer Personen verwendet, von der er nicht mal weiss, wie sie richtig heisst und von der er die Hintergründe nicht kennt oder nicht kennen will. Eine google-Suche hätte gereicht, um von Merkles erstinstanzlicher Verurteilung zu erfahren.

Aber auch die unkritische Übernahme dieses islamfeindlichen Artikels durch den Tages-Anzeiger (was zu einer Veröffentlichung auf den Online-Portalen von Tages-Anzeiger, Bund und weiteren Tageszeitungen zur Folge) wirft Fragen auf. Ich warte noch auf eine Stellungnahme der Tagi-Redaktion.

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