Blochers Bruder und Freysingers Flagge

Dass die Realität nicht ein­fach ist, wuss­ten schon die Grie­chen, deren Welt überschaubar war. Heute aber haben die Per­so­nen Er­folg, die diese abendländische Stan­dard­wahr­heit am bes­ten verdrängen, sich in Po­si­tur und Po­li­tur set­zen, und Mar­ke­ting so weit trei­ben, dass der In­halt ab­so­lut be­lie­big wird. Haupt­sa­che „bekannt.“ Staats­rat Frey­sin­ger ist die­ser Typus des er­folg­rei­chen Pop­po­li­ti­kers in Rein­kul­tur.

Freysinger kann in seinem Büro die Reichskriegsflagge aufhängen, das öffentlich machen, und dann sagen, er wisse nicht, was sie bedeute, als Gymnasiallehrer. Er kann gegen Islamisten im Namen der abendländischen Kultur und des Christentums wettern und damit sogar das Opus Dei begeistern. Er kann sich als Israelfreund geben, und gleichzeitig eine Flagge mit antisemitischer Konnotation aufhängen, weil er sie „schön“ findet. Auch Leni Riefenstahls Filme waren „schön“ – sind sie deshalb ok?

Alle narzisstische Politik bleibt wirkungslos, wenn es die Hofnarren nicht gibt, die den Spiegel halten: unser aller Bestrahlungssender des Guten und Wahren und Edlen: SRF. Der Journalist macht vor den Wahlen einen Bericht über Freysinger nach den Wahlen, dessen tiefschürfende Weisheiten über Meditation, Latrinenpoesie und 1-Milliarden-Bundesge​schenk ins Wallis. Die SRF-Oberen melden: man wollte das nicht vor den Wahlen zeigen, weil man diese nicht beeinflussen wollte. Aber den bösen messerwetzenden Bruder Blochers zeigte man vor den Wahlen, und beförderte den Sturz von Christoph B. Und hätte man es nicht frühzeitig im Lande herumposaunt, wenn beim Herrliberger daheim die Reichkriegsflagge anstelle eines Ankers oder Hodlers hinge?

Man merke: auch Journalisten wissen nicht mehr, was eine Reichskriegsflagge ist, was sie geschichtlich bedeutet. Und deshalb soll Poppolitiker Freysinger erst mal sicher gewählt sein, bevor SRF dessen Bewunderung für die deutsche Generalität zeigen kann. Kokettieren mit dem Antisemitismus gehört jedoch nicht nur bei Rechten, sondern auch bei Linken zum Wahlkampfarsenal. Das Gemeinsame: die Blindheit des SRF und anderer (zu) vieler Medienvertreter gegenüber dieser Tatsache. Wetten, dass SRF Freysinger zum Schweizer Politiker des Jahres vorschlägt? Politik verkommt zur medialen Popkultur, doch SRF Feingeist De Weck träumt weiter von Relevanz. Mit Grund: die sinkt nämlich. Der Umgang des „service populiste“ mit Blochers Bruder und Freysingers Flagge zeigt, warum.

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