Wegen hoher Franchise auf medizinische Versorgung verzichten?

Blick berichtet heute, dass die CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer beim Bundesrat nachfragte, ob hohe Franchisen aus Spargründen hoch gewählt werden und so ein Arztbesuch für jeden 7. Schweizer nicht mehr tragbar ist.

Nun, ich wüsste nicht, wieso man eine Franchise von 2'500 Franken wählen sollte, wenn nicht aus der Motivation heraus, sparen zu wollen.

Die untenstehenden Berechnungen zeigen folgendes auf:

  1. Zwischen der Wahl der Frachise 300 und 2'500 liegt ein finanzielles Risiko von weit weniger als 1'000 Franken im Jahr.
  2. Eine Franchise von 2'500 lohnt sich finanziell für den Versicherten selbst dann noch, wenn weit über 1'000 Franken Leistungen pro Jahr zu lasten der Grundversicherung verursacht.

Das Problem, dass jede 7. Person in der Schweiz aus finanziellen Gründen nicht mehr zum Arzt geht, ist also eher nicht bei den Franchisen, sondern bei den Haushaltsbudgets zu suchen.

Ein Problem kann sein, dass zuwenig Prämienverbilligung an jene ausgeschüttet wird, welche wirklich einen Bedarf hätten. Vielleicht könnte man durch Überarbeitung und Harmonisierung unserer 26 IPV-Systemen genügend Einsparungen treffen, um diesen Missstand zu beheben.

Ein weiteres Problem ist, dass man sich ein Gesundheitsbudget machen sollte. Wie die Zahlen im unten stehenden Beispiel zeigt, kann die Gesundheit rasch über 5'000 Franken kosten, die man aus dem eigenen Sack bezahlen muss. Da kann man an der Franchise schrauben wie man will, unser Versorgungsstandard kostet viel.

Ich halte es für den falschen Weg, Franchisen zu diktieren. Viele Schweizerinnen und Schweizer wählen ihre Franchise verantwortungsbewusst und gehen vernünftig mit dem gesparten Geld um, damit allfällige Gesundheitskosten beglichen werden können. Diese nun zu bestrafen, weil entweder die IPV nicht greift oder teilweise nicht mit Geld umgegangen werden kann, wäre ein weiterer unnötiger Eingriff in die Freiheit eines jeden vernünftigen Bürgers!

Berechnungen zu oben:

Eine erwachsene Person, wohnhaft in der Stadt Zürich, die bei Concordia versichert ist, bezahlt ohne Unfalldeckung jährlich Fr. 5'278.80 mit einer Franchise von 300 Franken und Fr. 3'817.20 mit einer Franchise von 2'500 Franken. Mit einer hohen Franchise lässt sich in diesem Beispiel also Fr. 1'461.60 pro Jahr oder Fr. 121.80 pro Monat sparen. Im Gegenzug muss der Versicherte im schlimmsten fall 3'200 Franken (2'500 Franken Franchise und 700 Franken Selbstbehalt) aus der eigenen Tasche für Gesundheitskosten bezahlen, während sich dieser Betrag bei jemandem mit einer Franchise von 300 Franken auf lediglich 1'000 Franken beläuft. So hat einer, mit Franchise 300 in meinem Beispiel im schlimmsten Fall Gesundheitskosten von Fr. 6'278.80, einer mit Franchise 2'500 von 7'017.20. Das sind gerade einmal Fr. 738.40 Unterschied.

Eine Franchise von 2'500 Franken lohnt sich im vorliegenden Beispiel sogar dann, wenn jemand jährliche Kosten zu Lasten der Krankenversicherung von bis zu 1'924 Franken hat.

Nehmen wir als Beispiel jährliche Gesundheitskosten von 1'800 Franken. Die Person mit einer Franchise von 300 Franken bezahlt die Franchise, also 300 Franken, 10 % der restlichen 1'500 Franken, also 150 Franken und die Prämie von Fr. 5'278.80 aus der eigenen Tasche, also insgesamt Fr. 5'728.80.
Die Person mit Franchise 2'500 bezahlt die 1'800 Franken plus die Prämie aus der eigenen Tasche. Das sind 1'800 Franken zuzüglich Fr. 3'817.20, was insgesamt 5'617.20 ergibt.

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