Heimspiel Schweiz – Ausland 1:12 und die Mindestlöhne ins Verderben.

Kleinkariert sind wir. Der Seppli sitzt am Küchentisch, die Zeitung vor dem Gesicht und wundert sich: Dieser Brady hat schon wieder 7.8 Millionen Franken verdient. Er entsinnt sich an seinen letzten Lohn und glaubt: So viel Müllsäcke kann man doch gar nicht auf den Containerwagen laden, um so viel zu verdienen. Sauerei so was. Dann springt ihm einen anderen Artikel ins Auge: „Working Poors“ leben in der Schweiz zu hunderttausenden unter der Armutsschwelle. Noch mehr Sauerei. „Die Lohnschere geht auf, der Klassenkampf droht“, titelt ein Boulevardblatt mit nackter Frau auf der Titelseite. Seine Faust schliesst sich im Sack – Widerstand!

Dagegen hält der von den Medien kaum beachtete Professor für Makroökonomie von der UNISG: "Die Schweiz ist betreffend Einkommensverteilung geradezu ein Hort der Stabilität" und "Die Behauptung, die tiefen Einkommen würden an Boden verlieren, hat statistisch keine Grundlage". Wer aber so was auf die Titelseite bringt, wird die Auflage kaum erhöhen. Wer Lust hat, kann sich bei the world top incomes database umfassend informieren. Seit 1938 verläuft die Verteilung geradezu linear.

Die Gewerkschaften, Sozialisten, Kommunisten und Gleichmacher sehen nach der sogenannten Abzockerinitiative (wo de facto nur die Kapitalistenrechte gestärkt wurden) die Morgenröte. Die Vermögensverteilung sei extrem ungleich, wird unter den roten Fahnen geschrien. Getrieben vom Geiste Marx werden Zahlen veröffentlicht. Die Vermögensverteilung sei extrem ungleich. Man bedient sich dabei dem Gini-Koeffizient, ein statistisches Mass zur Darstellung von Ungleichverteilungen (Quelle: Handelszeitung). „Wenn alle gleichviel haben, beträgt sein Wert 0; wenn eine Person alles Vermögen besitzt, ist der Wert 1. Mit einem Gini landet die Schweiz bei 0,8. Gemäss einer UNO-Studie landet die Schweiz bei der Vermögensverteilung gar auf Rang 147 von 150 Ländern. Nur Namibia und Simbabwe weisen eine einseitigere Verteilung der Vermögen auf.“ So die Handelszeitung weiter. Die Schweiz im Kreise der Drittweltländer? Hm. Wie wir wissen, werden Immobilen zum tieferen Steuerwert erfasst, und gar nicht erfasst werden die Vermögen der 2. Und 3. Säule. Oder wer setzt diese Summen in seine Steuererklärung? Im Durchschnitt hat jeder Einwohner unseres Landes CHF 84‘000 mehr Vermögen, welche das Gini Bild verzerren, was immerhin 667 Millionen Franken ausmacht. Ein verfälschtes Image, und die stillen Reserven der Immobilien sind gar noch nicht dabei. Fact ist, dass die Vermögensverteilung in der Schweiz seit 100 Jahren extrem stabil ist, wie dies bei Langzeitstudien der Ökonomen Fabien Dell, Thomas Piketty und Emmanuel Saez ab Seite 30 zeigen.

Die verzerrte Welt auch bei Frau und Herrn Working Poor
Gemäss BfS ging der Anteil an Vollzeit Beschäftigten, welche bis 4‘000 Franken im Monat verdienen, von 22.9% im Jahr 2002 linear auf 14.9% im Jahr 2010 zurück. Auch hier sind sich die Ökonomen einig: „4‘000 Franken gelten in europäischen Ländern selbst unter Berücksichtigung der Kaufkraft keineswegs als tiefer Lohn. Der grösste Teil der Tieflohnbezüger gehört zudem nicht zu den armen Haushalten. Tieflöhner sind vor allem Berufseinsteiger, Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung, Ausländer ohne Sprachkenntnisse, Kurzaufenthalter und Grenzgänger,“ so die Handelszeitung weiter.

Die Medien schüren bewusst den Drang zum völlig unnötigen Klassenkampf. Mit populistischen Headlines wird je nach Ideologie dort oder da ein völlig unnötiges Feuer entfacht, um eine Empörung aufgrund einseitiger Information zu fördern. 1:12 und die Mindestlohninitiative stehen nun auf dem Programm, eine neue Regulierung muss her. Doch wir sollten bei diesen Themen nicht mit dem Feuer spielen:

Djamal C. war 41 Jahre alt, Magaziner, Familienvater und Judoka mit dem schwarzen Gürtel. Seine Kollegen beschrieben ihn als «aufrechten und höflichen Mann». Als er keinen neuen Job fand, übergoss er sich vor dem Arbeitsamt in Nantes mit Benzin und steckte sich in Brand. Sein Tod schockierte die Franzosen fast mehr als die Zahl von 3,2 Millionen Arbeitslosen (Stand Februar). Damit nähert sich Frankreich dem historischen Rekord von 1997. Die symbolische Schwelle von 10 Prozent «chômeurs» ist seit längerem überschritten.

(Quelle: AZ)

Die Medien zeigten im Jahr 1981 einen frisch gewählten sozialistischen Präsidenten Mitterand, wie er im Panthéon drei rote Rosen niederlegte. Der Sozialismus hatte gesiegt. Das Volk jubelte und freute sich auf den Garten Eden. Endlich nur noch 35 Stunden pro Woche arbeiten, und das ohne Lohnreduktion. Ein umfassender Arbeitnehmerschutz in Kündigungsfragen, garantierte Ruhepausen für gewerkschaftliche Tätigkeiten während der Arbeitszeit, und überhaupt die Gewerkschaftspflicht mit Mitspracherecht ab einer gewissen Betriebsgrösse waren der Hit. Ausländische Verwaltungsratspräsidenten waren ab sofort nicht mehr zugelassen, Aktien in Papierform wurden für ungültig erklärt. Weitere Massnahmen folgten. Beispielsweise eine Altersrente spätestens mit 60 Jahren, einige Staatsbeamte wurden nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit ebenso pensioniert – einige waren erst 48 Jahre alt. Die Bourgeoisie des Valerie Giscard d’Estaing, von den Linken auch „Sonnenkönig“ genannt, war besiegt. Besiegt war aber auch der Wohlstand, und das Land stieg langsam aber sicher bergab.

Die Lohnstückkosten sind in Frankreich seit 13 Jahren um 30% gestiegen, so die AZ, und liegen weit über denen in Deutschland. Bei einem Jahressalär von brutto 40‘000 Euro zahlt der Arbeitgeber effektiv 59‘000 Euro. Seit der Jahrtausendwende gingen 700‘000 Arbeitsplätze verloren, während sich Hollande den kalten Schweiss von der Stirne wischt. Die staatlich subventionierten Gewerkschaften liessen sich die Pfründe nicht nehmen. Alle Versuche von Chirac oder Sarkozy, diesen bleiernen und wirtschaftverhindernden Dingen Herr zu werden, wurden postwendend mit Landesstreiks und Blockaden, oder brennenden Fahrzeugen oder Landesunruhen begegnet. Da zuletzt die Umfragewerte sanken, wurden halt die Dinge so belassen wie sie sind. 2012 wurde dann wieder ein Sozialist gewählt und die Steuern auf bis zu 75% erhöht. In der Zwischenzeit wird dieses Land als kommendes Krisenland gehandelt, doch das kurzsichtige Proletariat denkt weiterhin nur an seine Pfründe.

Hollande weiss, dass radikale Eingriffe nötig wären, um die Wirtschaft wieder flottzumachen. Nur eine mutige Reformpolitik könnte Frankreich aus der Rezession führen und neue Wachstumsimpulse vermitteln. Die Londoner Zeitschrift «The Economist» mahnte den französischen Präsidenten: «Herr Hollande hat nicht mehr viel Zeit, um die Zeitbombe Frankreich im Herzen Europas zu entschärfen. Die Krise könnte schon im nächsten Jahr zuschlagen.» Die Vorhersage stammt von 2012.

Quelle: AZ
Die Wahlversprechen von Hollande klingen doch super: Die Reichen abschröpfen, Geld kriegen ohne Leistung zu zeigen, die Welt „gerecht“ machen.

Szenenwechsel

China könnte nach Ansicht der OECD die USA 2016 als größte Wirtschaftsmacht der Welt ablösen. Das bevölkerungsreichste Land der Erde dürfte zusammen mit Indien bis etwa 2025 ein größeres Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften als die sieben führenden Wirtschaftsnationen (G7), teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Freitag in ihrer Langfristprognose bis 2060 mit.

Quelle: Handelsblatt

Während wir uns langsam aber sicher an den Proletariatsfeudalismus Frankreichs nähern, mit Mindestlöhnen und Obergrenzen für Einkommen in unserem kleinen Land stark machen, werden wir wohl bald Mandarin lernen müssen. Inzwischen dürften dannzumal die Arbeitslosenzahlen die der Menge der Erwerbstätigen übersteigen. China wird, sekundiert von Indien und ihren Leuten bei einer 60 Stundenwoche und 500 USD Monatslohn, uns diktieren, zu welchen Preisen wir zu welcher Qualität zu arbeiten haben. Die „Reichen“ und die Unternehmer sind dann aber schon lange weg, haben ihre Betriebe den Chinesen verkauft, welche unter marktgesteuerten aber „kommunistischer“ Einheitsregierung unsere Menschenrechte reformieren. Denn das Leben unter Palmen ist auch nicht vermögensbildend, nur eben viel angenehmer als im nebelverhangenen Mittelland. Friss oder stirb.

Wir werden es frei nach Vilfredo Pareto nicht schaffen, unser reiches Land vollständig von der Armut zu befreien. Wir sollten uns aber fragen, ob wir als Gesellschaft, welche innert 165 Jahren den Sprung vom armen Agrarstaat zu einem der reichsten Länder der Welt aufgestiegen ist, von unseren liberalen Grundgedanken abweichen sollten. Die Definition von Gerechtigkeit hat viele Aspekte. Mitterands Sozialstaat ging nur einer Partei entgegen, die andere Partei stellt nun niemanden mehr ein, schliesst Betriebe und die Armut nimmt noch mehr zu. Gemäss Vergleich sind die Bewohner unseres Landes sehr zufrieden; wir figurieren weltweit an 4. Stelle. Bewahren wir das und lehnen 1:12 sowie die Mindestlohninitiative an der Urne ab. Uns allen zuliebe.

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