Was hat es mit diesem internationalen Wettbewerb konkret auf sich?

Etwa 40 Leute verdienen in der Schweiz mehr als 2 Millionen Franken im Jahr. Zusammen rund eine Viertel-Milliarde Franken. Einzelne davon kassieren sogar mehr als 10 Millionen. Das brachte die Volksseele bekanntlich zum Kochen. Selten wurde eine Initiative so wuchtig angenommen, wie die Minder-Initiative und schon gar nicht gegen die bürgerlichen Parteien und economiesuisse. Wie auch immer. Im Zuge einer Diskussion auf Politnetz meinte Peter Engeler, er könne es nicht mehr hören, wenn von Asien als Mitbewerber gesprochen wird. Managern gibt man immer mehr, aber der normale Büetzer bekommt keine Lohnerhöhung. Ich bin etwas perplex. Peter fällt eher mit pragmatischen Meinungen auf und doch hat er die Schnauze voll und macht - aus meiner Sicht - eine gefährliche Verknüpfung von zwei Dingen, die wenig Miteinander zu tun haben. Wenn auch ein paar Leute über Gebühr verdienen, so ist der Gesamtbetrag der 40 Manager, die mit 250 Millionen zu viel verdienen, im Vergleich zum BIP von 650’000’000’000 (650 Milliarden) verschwindend gering.

Ich möchte kein Plädoyer für tiefe oder hohe Löhne halten. Im Gegenteil. Die Schweiz braucht andere Gründe, um erfolgreich zu sein. Weil wir einen erheblichen Teil unseres Geldes im und mit dem Ausland verdienen, ist es wichtig, dass wir uns bewusst sind, in welchem Wettbewerb wir bestehen müssen. Darum hebe ich ein wenig die Decke bei mir und zeige anhand konkreter Zahlen, wie heute weltweit um Gäste gebuhlt wird. Ich werde wieder einmal ein Surfcamp Beispiel bringen und hoffe, dass es noch nicht auf die Nerven geht. Es ist ein konkretes Beispiel, aus einer Branche, die in der die Schweiz pro Jahr rund 16’000’000’000 (16 Milliarden) Franken von ausländischen Gästen einnimmt.

Wir nehmen Kathrin K. aus Frankfurt als Beispiel. Sie arbeitet bei der UBS, einer Schweizer Bank, an der auch ein Staatsfonds aus Singapur beteiligt ist. Kathrin liebt Snowboarden und Surfen. Einmal im Jahr gönnt sie sich einen zweiwöchigen Urlaub und muss sich dieses Jahr entscheiden, ob sie in die Schweiz nach Laax fährt, eine Surfreise nach Bali oder Kalifornien bucht.

Als Hotel in der Schweiz hat sie sich das Riders Palace in Laax ausgesucht. Dort kann sie sich mit jemand Fremden ein Zimmer teilen, um Kosten zu sparen. Gehören tut das Hotel der weissen Arena. Wer Mitbesitzer werden möchte, kann Aktien kaufen, egal, von wo auf der Welt er oder sie ist. Das Personal wird vermutlich so bezahlt, wie es in der Schweiz üblich ist. Ein Koch hat wohl um die 4’000 bis 4’500 Franken Ende Monat auf dem Konto. Die Chancen stehen gut, dass er durch die PFZ nach Laax kam.

Was hat Kathrin für Kosten in Laax?
14 Tage im geteilten Doppelzimmer CHF 1’266.-
Anfahrt mit Zug CHF 295.- (Sparangebot)
Ski Ticket CHF 546.-
Ski Miete CHF 390.-
Mittagessen 14x20 = CHF 280.-
Abendessen mit Ausgang 14x60 = CHF 840.-

Total gibt sie rund 3’620 Franken aus. Selbstverständlich kann das eine mehr oder weniger dazu kommen.

Vergleichen tut sie dies mit Bali, wo sie letztes Jahr 14 Tage verbracht hat. In einem Camp, der im Besitz eines dort lebenden Deutschen ist. Seine einheimischen Angestellten verdienen rund 150 bis 250 Franken ohne besondere Sozialleistungen. Seine deutschen Angestellten mehr.

Wie viel gibt Kathrin für Bali aus?
14 Tage im geteilten Doppelzimmer inkl. Guiding und Surfboard CHF 1’025.-
Flug von Frankfurt CHF 1’000.-
Mittagessen 14x5 = CHF 70.-
Abendessen mit Ausgang 14x15 = CHF 210.-

Total gibt sie rund 2’300 Franken aus.

Last, but not least vergleicht sie die Preise auch mit dem neu eröffneten Surfcamp in Kalifornien, das mehrheitlich zwei Amerikanern und zu einem Drittel einem Schweizer gehört. Der Mindestlohn in Kalifornien liegt bei 1’500 Dollar, kalkuliert wird aber mit 2’200 plus Krankenkasse. Nicht aus Gutmenschentum oder weil man keine günstigere Angestellte finden würde, sondern, weil man einen fairen Preis bezahlt und von den Guides ein tolles Guding erwartet. Dies wurde von den Gästen in einer Umfrage als die Nr. 1 Priorität genannt. Und wir wollen nicht, dass ein einmal angelernter Guide wegen eines Unfalls nachher bankrott ist.

Wie viel gibt Kathrin für die USA aus?
14 Tage im geteilten Doppelzimmer inkl. Guiding und Surfboard CHF 1’699.-
Flug von Frankfurt CHF 1’100.-
Mittagessen 14x15 = CHF 210.-
Abendessen mit Ausgang 14x30 = CHF 420.-

Total gibt sie rund 3’470 Franken aus.

Die Vergleichszahlen

Laax CHF 3’620
Bali CHF 2’300
USA CHF 3’470

Alle drei Orte müssen darauf zählen, dass Kathrin nicht die billigste Variante wählt, weil dann fährt sie nach Basel, steigt in einen Flieger von easyJet und verbringt zwei Wochen in Portugal für ein Gesamtpaket von rund 1’600 Franken.

Neben dem Preis sind alle Camps von Faktoren abhängig, auf die sie keinen Einfluss haben. Wenn der Franken stark wird, fallen die Gästeeintritte, wie dies der weissen Arena passierte und Bali sowie Kalifornien wird lukrativer. Steigt aber der Dollar, wird der Camp in Kalifornien auf einmal teurer und muss es geschafft haben, Gäste nicht nur aus Europa anzulocken, sondern auch einen Texaner in den Flieger zu bringen, der dann für 200 Dollar nach Kalifornien fliegt. Alle sind sie darauf angewiesen, dass lokal nichts Schlimmes passiert, wie in Bali, als eine Bombe hochging oder dass es in der Nähe des Camps in Kalifornien brennt. Die Schweiz scheint da fein raus zu sein.

Exorbitante Managergehälter haben in der Schweiz für einen nachhaltigen Stimmungsumschwung gesorgt. Das Thema wird man nicht mehr wegbringen, ohne, dass gewisse Firmen zur Vernunft gelangen. Trotz allem, für die Herausforderungen von heute fallen die Managergehälter in diesem Wettbewerb nicht ins Gewicht. Ich nehme das böse Wort in den Mund, 250 Millionen sind Peanuts. Diese Peanuts sind aber auch Gift, wenn dadurch der soziale Frieden nachhaltig gestört ist. Und doch frage ich mich, verschwenden wir nicht zu viel Zeit mit dem falschen Problem? Ist es nicht sinnvoller, wenn wir die Rahmenbedingungen für die 650 Milliarden optimieren und damit die Einkomme von Herr und Frau Schweizer verbessern, weil mehr da ist, statt über 0.25 Milliarden für 40 Manager zu debattieren?

Arbeitnehmer und Arbeitgeber sitzen alle im selben Boot. Wir können uns gerne über 40 masslos überbezahlte Manager aufregen und wer welchen Sitzplatz im Boot hat, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir am falschen Ort anpacken und uns besser darauf konzentrieren sollten, wo die Franken für Viele verdient werden.

Wie sehen Sie das?

@Peter,
die Antwort wurde etwas länger, darum hat sie einen eigenen Beitrag erhalten ;-)

36 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

2 weitere Kommentare

Mehr zum Thema «Wirtschaft»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production