Gedanken zur Cleantech-Initiative

Der Nationalrat hat in der Frühlingssession die Cleantech Initiative zur Ablehnung empfohlen. Diese möchte einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und verlangt, dass bis im Jahr 2030 mindestens die Hälfte des Gesamtenergieverbrauchs mit erneuerbaren Energien gedeckt wird.

Ich arbeite als Elektroingenieur in der Energiebranche und kenne den Unterschied zwischen Energie und Leistung, und ich kann zwischen Strom und weiteren Energieträgern unterscheiden. Das ist eine Grundvoraussetzung um eine realistische Energiepolitik betreiben zu können. So ist festzuhalten, dass die Initiative von Energie und nicht von elektrischer Energie spricht.

Ich stehe ein für den Ausbau der Energieversorgung durch erneuerbare Energien. Sonne, Wind, Wasser und Biomasse sind die Energieträger der Zukunft. Ich möchte, dass die Schweiz bei diesen fortschrittlichen Technologien vorne mitmischt. Und ich weiss als Techniker, dass die Energiewende technisch machbar ist. Nur ist die Frage – in welchem Zeitrahmen setzen wir sie um und wie finanzieren wir sie?
Wir haben keine Goldesel, welche unendlich Fördergelder ausschütten. Wenn Parteien die Idee haben, dass dank KEV schnell 100% des Stromes erneuerbar ist, so muss ich dazu einfach sagen, dass das eine sogenannte "Schwanzbeisserschaltung" wäre, welche den Strom insgesamt massiv verteuern würde.

Oft wird in der Energiediskussion auch erwähnt, dass Deutschland massiv Windkraftwerke gebaut hat. Da muss man einfach wissen, dass das Meer ein viel grösseres Windpotenzial hat, als unsere Mittellandhügel. Und ich werde keine Strategie unterstützen, welche sich auf massive Importe abstützt. Natürlich brauchen wir Importe und Exporte, um Lücken füllen zu können.

Auch ich will, dass Energie gespart wird. Bei dieser Diskussion werden oft Industriemotoren erwähnt. Natürlich wird jeder intelligente Unternehmer, bei der Beschaffung eines neuen Motors nicht nur auf die Investitionskosten schauen, sondern auch auf die Betriebskosten und damit den Energieverbrauch. Aber überlassen Sie es bitte den Unternehmen selbst, wann sie ihre älteren Motoren ersetzen. Den Investitionsschutz und damit die notwendige Zeit müssen Sie unserer Wirtschaft schon geben.

Ich habe Elektriker gelernt und früher auf dem Bau gearbeitet. Im Gebäudebereich liegt ein grosser Teil des Energiesparpotenzials. Dieses soll auch genutzt werden. Aber wir können nicht innerhalb von 17 Jahren unseren halben veralteten Gebäudepark ersetzen. Wenn Sie mit Fördergeldern die Baubranche aufblähen wollen um dieses Ziel im Jahr 2030 zu erreichen, dann folgt nachher die Krise. Ich wehre mich dagegen, dass man künstlich Handwerkerfirmen aufbläht, welche dann wieder zusammenfallen. Mir ist eine nachhaltige Energiewende wesentlich lieber, aber diese braucht mehr Zeit, als bis 2030.

Zusammengefasst: Die grundsätzlichen Ziele der Cleantech-Initiative sind gut und diese unterstütze ich auch. Aber das Ziel, bis 2030 die Hälfte des Gesamtenergiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken, ist in dieser Zeit volkswirtschaftlich nicht sinnvoll umsetzbar, oder aber würde uns sehr viel Kosten.

2 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.


Mehr zum Thema «Energie»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production