Fratelli e sorelle, buonasera!

«Brüder und Schwerstern, guten Abend!» Mit dieser stinknormalen Anrede begrüsste Kardinal Bergoglio aus Argentinien, der neue Papst, Franziskus der Erste, gestern Abend die treuen Gäubigen auf dem Petersplatz und gewann auf Anhieb ihre Herzen. Vielleicht sollten in Zukunft auch Bundesrätinnen und Parlamentarier in der Schweiz das Stimmvolk auf diese Weise begrüssen. Denn der Vatikan und die Schweiz haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Nicht nur verfügen beide Staaten über «beste» Armeen, beide sind auch nicht ganz arm und beide kümmern sich dennoch mit ihren Banken um die Armen dieser Welt. Die Vatikanbank hielt in ihrer unendlichen Güte ihr Herz und Tresor den geplagten Fratelli der Mafia offen und die Schweizer Banken nahmen sich aufopfernd der verfolgten Steuerflüchtlinge der restlichen Welt an. Der Wohltätigkeit der Schweizer Banken haben die USA und die EU jedoch bekanntlich bösartige Schranken gesetzt. Auf der Suche nach neuen Hilfsmodellen tun sie sich jetzt schwer und dass die «Selbstanzeige für deutsche Kunden» auch nur eine eher verzweifelte Idee mit zeitlich begrenzter Relevanz ist, sei am Rande vermerkt.

Intrigen und Korruption im Vatikan sind Themen für böswillige Bestseller-Verfasser, die insgeheim bloss dem Atheismus frönen. Da Franziskus der Erste dem Jesuitenorden angehört, der bekannt ist für seine Gerechtigkeit, Tugend und aufopfernden Gehorsam (Ich werde glauben, dass Weiß Schwarz ist, wenn es die Kirche so definiert) wird er es wohl zu richten wissen, die treuen Gläubigen vor teuflischen Anfeindungen zu bewahren und überschwänglichen Hoffnungen auf Transparenz im Vatikanstaat von vorneherein den Garaus zu machen.

Ein teuflischer Graus droht andererseits auch der Schweiz. Die Greco, ein Organ des Europarates gegen die Korruption in den Mitgliedstaaten, hat der Schweiz nämlich «ausgeprägte Intransparenz» vorgeworfen. Sie meinte damit aber nicht etwa die gutschweizerische Vetterliwirtschaft oder Korruptionsfälle wie beim Insieme-Fall im Finanzdepartement oder die Affäre um die Pensionskasse BVK, sondern befeindet unsere gutgesittete Parteienfinanzierung.

Gegen solches Ansinnen hat sich schon Natalie Rickli heldenhaft gewehrt. Sie ist gegen Durchsichtigkeit (Die Forderungen nach mehr Transparenz sind abzulehnen) und meinte damit nicht etwa die Damen-Oberbekleidung. Und Blocher-Biograph und BAZ-Chefredakteur Markus Somm hat sich uneigennützig für mehr und bessere Bestechung von Politikerinnen in den Kampf geworfen und meinte damit nicht einen Hinweis auf seinen Herrn im Oberstübchen zu geben. Zwei tapfere Schweizer Bundesräte, Simonetta Sommaruga und Didier Burkhalter wollen jetzt bei der Greco vorsprechen. Sie meinen, dieser den «Sonderfall Schweiz» erklären zu können.

Wir wünschen ihnen viel Erfolg, ein vergnügliches «Geschäftsreisli» und allen andern Brüdern und Schwestern «Buonasera»!

2 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

Alle Kommentare von Gelöschter Benutzer:

» zur normalen Ansicht wechseln

Alle 2 Kommentare anzeigen

Mehr zum Thema «Transparenz»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production