Private Daten im Internet - ein Zukunftsblick

Wir werden immer "gläserner". Ob in der Privatwirtschaft oder für den Staat. Google kennt uns besser, als vielen Menschen lieb ist und Facebook, weiss wen wir kennen, mögen und wo wir uns so herumtreiben. Auch der Staat will immer mehr Gespräche abhören und uns überwachen. Bundesrat Maurer versucht, für den vermutlich besten Geheimdienst der Welt, soeben die Möglichkeiten zu erweitern.

Für uns als Bürger wird es wichtig sein, zu entscheiden, wo wir mitmachen und wie wir unsere Privatsphäre schützen. Denn oft ist es bequem und lukrativ, Daten preiszugeben, weil wir im Gegenzug etwas gratis erhalten oder uns ein Dienst das Leben erleichtert. Dazu ein Blick auf die aktuelle Entwicklung aus der aktuellen Kolumne im SwissITMagazine.

EDI goes Privat

Richtig lustig wird es in der Computer-Industrie immer dann, wenn die Privaten in einen Markt einsteigen. Wurden in den 70er-Jahren vor allem Unternehmen mit Computern beliefert, explodierte der Markt für PCs als Mama und Papa einen Computer für zu Hause kauften. Waren es in den 90ern vorwiegend «Nerds» und Unternehmen die das Internet eroberten, explodierten die Nutzerzahlen als Grossmutter entdeckte, dass sie über Skype mit ihrer Enkeltochter in den USA telefonieren kann und Junior MP3-Dateien mit Napster anfing auf die Festplatte zu speichern. Dasselbe wird mit EDI, dem elektronischen Datenaustausch, passieren. Heute sind es vor allem Unternehmen, die automatisiert Daten hin und her schaufeln, mit Microformaten und neuen Geschäftsmodellen wird sich dies aber drastisch ändern.

Lassen Sie uns einen Blick in die nahe Zukunft werfen und schauen wir Edi Muster an, der für Anfang April zwei Wochen Ferien in seiner Firma eingetragen hat, am Morgen aufwacht und in seiner Mailbox einen Vorschlag von seinem persönlichen elektronischen Assistenten erhält: «Lieber Edi, dein Arbeitgeber hat unerwartet viel Arbeit im April. Möchtest du deine zwei Wochen Ferien vom April in den Mai verschieben? Dafür erhältst du drei Ferientage zusätzlich geschenkt. Ich habe dir auch gleich einen Vorschlag: Du könntest einen Traum von dir verwirklichen und in Kalifornien Surfen lernen. Dazu tritt deine aktuelle Lieblingsband ‹The Killers› in Los Angeles auf, und es gibt noch tolle Plätze. Soll ich dir ein Gesamtpaket inklusive Flug für 2990 Franken buchen?»

Was ist passiert? Das Produktionsplanungssystem von Edis Firma hat nach einer Grossbestellung aus China festgestellt, dass es im April mehr Leute braucht. Bei jenen Mitarbeitern, die im April Ferien haben, fragte es deren persönlichen digitalen Assistenten an, ob die Möglichkeit zur Verschiebung besteht. Da Edi noch keine Ferien gebucht hatte, meldete der Assistent an die Firma zurück, Edi könnte, und sei im Gegenzug mit drei zusätzlichen Ferientage einverstanden. Als sich die beiden Systeme einigten, guckte der persönliche Assistent von Edi in Facebook nach, was Edi in letzter Zeit für Reiseziele bei Freunden geliked hatte. Dem Assistenten fiel auf, dass Edi eine Affinität für Kalifornien hat, schon immer einmal auf Wellen reiten wollte und die Musikgruppe «The Killers» mag. Und weil «The Killers» am 2. Mai in Los Angeles auftreten und es in Kalifornien tolle Wellen gibt, war dies ein guter Start für den Assistenten.

Anstatt, dass Edi am nächsten Tag stundenlang nach dem günstigsten Flug, dem besten Hotel und der richtigen Autovermietungsgesellschaft sucht, platzierte der Assistent auf einer Plattform für Reisen gleich folgenden Aufruf: Ich möchte am 28. April nach Los Angeles fliegen, wer kommt mit. Es meldeten sich etwa 300 persönliche Assistenten von anderen privaten Kunden aus der Schweiz. Mit 300 interessierten Personen wurden die verschiedenen Fluglinien angefragt, wer den besten Preis bietet. Innert Sekunden kamen die Antworten zurück, und der persönliche Assistent von Edi warf einen Blick auf dessen Bankkonto, ob die Reise im Budget liegt.

Von da an hatte der Assistent die Übernachtungen, die Surfschule, das Konzertticket und ein Auto reserviert. Selbstverständlich schaute der Assistent dabei auf die verschiedenen Bewertungsportale, damit die Unterkunft Edis Vorstellungen entspricht, die Surfschule gut ist und über alles gesehen der Preis stimmt. Weil der persönliche Assistent um die besonderen Versicherungsregeln von Kalifornien weiss, reservierte er bei Edis Versicherung auch gleich eine Zusatzversicherung für 10 Franken.
Alles, was Edi nun noch zu tun hat, ist, sich zu entscheiden, ob ihm das Angebot gefällt und auf «Ja» zu klicken. So schnell wie der persönliche Assistent von Edi das Angebot zusammensuchte, so schnell ist es auch gebucht, das Geld automatisch überwiesen und die Konzerttickets gespeichert, das Produktionsplanungssystem der Firma informiert und der Zahnarzttermin Anfangs Mai verschoben.

Was Edi leider nicht delegieren kann, ist der Besuch im Fitnesscenter, denn auf richtigen Wellen zu surfen, verlangt von Edi einiges an Muskelkraft ab. Und dafür gibt es noch kein EDI.

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