Glanzergebnis für AL-Kandidat Richard Wolff. Viele SVP-Wählerinnen und -wähler liessen den FDP-Kandidaten im Regen stehen. Ein bisschen Wahlstatistik.

Bei der Stadtratsersatzwahl vom 3. März 2013 erreichte AL-Kandidat Richard Wolff gesamtstädtisch 35.8% der abgegebenen Stimmen gegenüber 39.3% für Marco Camin (FDP) und 19.8% für Daniel Hodel (GLP). In vier von neun Wahlkreisen hatte Richi Wolff die Nase vorn und platzierte sich auf Platz 1: in den Wahlkreisen 4/5 (57.5%), 3 (46.3%), 6 (38.7%) und 10 (38.4%). Ein sensationelles Ergebnis für die Alternative Liste und ihren Kandidaten! Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die versprochene Unterstützung der SVP für den FDP-Kandidaten nicht gespielt hat. Dazu ein wenig Wahl-Mathematik.

Am 3. März nahmen in der Stadt Zürich insgesamt 102‘153 von 220‘370 Wahlberechtigten oder 46.4% am Urnengang teil und gaben zur einen oder anderen Vorlage die Stimme ab. Die höchste Beteiligung von allen Vorlagen erreichte die Abzocker-Initiative mit 45.4%; bei den Stadtzürcher Abstimmungsvorlagen waren es dann nur noch 43.6%. Massiv tiefer lag dagegen die Beteiligung bei der Stadtratswahl. Nur 34.6% der Stimmberechtigten legten überhaupt einen Stadtratswahlzettel ein. Da viele von ihnen leer einlegten, gaben lediglich 27.9% aller Wahlberechtigten inhaltlich ihre Stimme ab. In absoluten Zahlen präsentiert sich das wie folgt:

• 102‘153 Stimmberechtigte beteiligten sich am Urnengang
• 25‘800 davon gaben keinen Zettel für die Stadtratswahl ab
• weitere 13‘675 legten einen leeren Wahlzettel ein und 1‘131 deponierten einen ungültigen Wahlzettel

Das Fazit: es verblieben 61‘547 Stimmberechtigte, die inhaltlich zur Stadtratswahl ihre Stimme abgaben; über 40‘000 enthielten sich in der einen oder anderen Form. Dass sich bei gleichzeitig durchgeführten Urnengängen erheblich weniger Stimmberechtigte an den Wahlen beteiligen als an den Abstimmungen, ist durchaus üblich; auch leere Wahlzettel kommen bei Einer-Ersatzwahlen häufig vor. Die Enthaltungen sind diesmal aber markant höher. Zum Vergleich: bei der Ersatzwahl 2008, als Ruth Genner gegen Mauro Tuena antrat, nahmen 17'384 Stimmende gar nicht an der Wahl teil und 9'081 legen leer oder ungültig ein.

Starke Mobilisierung von Links-Grün

Aufschlussreich ist nun, wie sich diese Wahlabstinenz auf die einzelnen Wahlkreise verteilt. Vergleicht man die Zahl der Leereinlegenden resp. ungültig Stimmenden mit der Gesamtzahl der abgegeben Wahlzettel, so kommen wir gesamtstädtisch auf einen Anteil von 19.39%. Klar am tiefsten ist die Zahl der Leereinleger im Wahlkreis 4+5 (16.14%); hier hat die AL ihre Wähler-Hochburg und Linksgrün stadtweit den höchsten Wähleranteil. Tiefer als im städtischen Schnitt liegen die Nichtwähler-Anteile auch im Kreis 6 (17.71%) und 10 (17.62%). In diesen drei Kreisen liegt Richard Wolff auch an der Spitze: hier ist es dem AL-Kandidaten gelungen, die Wählerinnen und Wähler von SP und Grünen besonders gut zu mobilisieren. Weniger Leereinleger als im städtischen Mittel verzeichnen auch die Kreise 1+2 (18.51%) und 7+8 (17.08%): in diesen beiden Kreisen erzielt die FDP jeweils stadtweit ihre besten Resultate, hier hat also die Mobilisierung der FDP funktioniert.

Markante Wahlabstinenz in den SVP-Hochburgen

Massiv höher liegt dagegen die Leereinleger-Quote dagegen in den SVP-Hochburgen 9 (22.90%), 11 (22.40%) und 12 (26.79%). Das gleiche Ergebnis ergibt sich, wenn man die abgegebenen Stadtrats-Stimmen mit der gleichzeitigen Beteiligung an den Gemeindeabstimmungen resp. allen abgegebenen Stimmausweisen vergleicht: stets ist die Quote der Wahl-Enthaltungen in den Kreisen 9, 11 und 12 klar am höchsten. Vergleicht man die Leereinleger-Quoten pro Kreis mit den Wählerzahlen der SVP von 2010, so ergibt sich fast eine deckungsgleiche Kurve. 2010 verzeichnete die SVP gesamtstädtisch einen Anteil von 18.62%. Im Kreis 9 kam sie dagegen auf 25.49%, im Kreis 11 auf 25.73% und im Kreis 12 auf 28.86%.

Damit ist auch statistisch erhärtet, dass ein Teil der SVP-Basis dem FDP-Kandidaten die Gefolgschaft verweigert hat. SP-Fraktionschefin Min Li Marti twitterte damit nicht ganz zu unrecht: Marco Camins Problem in diesem Wahlgang waren nicht primär seine Gegner, sondern seine „Freunde“…

Mehr statistische Details hier:
http://al-zh.ch/fileadmin/webfiles/2013/stadtrat13/sr13-ergebnisse-130303-2.pdf

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