Wird das Bargeld bald abgeschafft?

Schwedische Bankkunden können ihr Geld nicht mehr abheben, Obama verbietet Barzahlungen über 600 Dollar und der Bundesrat will Barzahlungen einschränken. Bewegen wir uns auf ein bargeldloses Zeitalter zu? Und was könnte die Abschaffung des Bankkundengeheimnisses damit zu tun haben?

Den Lesern musste die Meldung wie ein schlechter Witz vorgekommen sein: „Schweden schafft das Bargeld ab“, titelten ein Nachrichtenportal. Sofort schiessen einem bei dieser Vorstellung Bilder des Mittelalters durch den Kopf, als man noch zwei Geissen gegen eine Sau oder einen Zwanzigstel einer Kuh gegen ein Brot getauscht hat.

Doch Schweden will nicht etwa zurück zur Tauschwirtschaft ohne Geld, sondern lediglich das Bargeld durch elektronisches Geld ersetzen. Der Kunde soll in der Metzg und beim Bäcker von nun an nur noch mit der EC- und Kreditkarte bezahlen.

Banken verweigern Bargeld

Angezettelt haben die monetäre Revolution in Schweden die Banken. Sie stellen nach und nach den Bargelddienst ihrer Filialen ein. So sorgte unter anderem das grosse schwedische Finanzinstitut Swedbank für Aufregung, als es verkündete, auch in ihrer Filiale am Östermalmstorg kein Bargeld mehr entgegenzunehmen oder auszuzahlen. Der Östermalmstorg ist kein Stadtteil wie jeder andere. Die reichsten und ältesten Schweden wohnen hier. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist über 60 Jahre alt und mag sich nicht so recht mit elektronischen Zahlungen anfreunden.

Warum verweigern schwedische Banken zunehmend Bargeld? Angeblich sei das zum Nutzen der Kunden. Werde man beispielsweise überfallen, könne einem der Dieb kein Geld abnehmen. Zudem hätte man immer so viel Geld zur Verfügung wie man braucht, ohne dass das Risiko besteht, es zu verlieren. Allerdings übersehen oder verschweigen die Befürworter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs die gravierenden Nachteile, die sich daraus ergeben.

Es ist Fakt, dass Konsumenten tendenziell mehr ausgeben, wenn sie mit Karten bezahlen – weil sie so kein „Gefühl fürs Geld“ haben. Es werden also noch mehr Leute zum Schuldenmachen animiert und – wenn es dumm läuft – in die Zahlungsunfähigkeit gedrückt. Man kann diesem Argument allerdings entgegenhalten, dass es in der Eigenverantwortung jedes einzelnen stehe, wie viel man ausgeben will und das eine Frage der Selbstdisziplin sei. Gehen wir also auf die tiefer liegenden Gründe ein, weshalb eine bargeldlose Gesellschaft keinesfalls wünschenswert ist.

Einschränkung der Freiheit

Erstens: Die Banken entziehen sich ihrer Pflicht, das elektronische Geld (sogenanntes Giralgeld oder Sichtguthaben) in Bargeld umzutauschen, wenn die Kunden das wünschen. Damit wird die Freiheit der Bürger wesentlich eingeschränkt. Kunden halten nämlich ihr Geld nur so lange auf dem Konto, wie das sie das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Bank haben.

Entstehen Zweifel daran, ob ihr Geld bei der Bank noch sicher ist, machen sich viele auf den Weg und lassen sich ihre baren Guthaben auszahlen. Bei einem Konkurs der Bank sind die Kundengelder auf den Konti einen Teil der Konkursmasse. Das bedeutet: Die Kunden verlieren ihre ganzen oder einen Grossteil ihrer Ersparnisse. Gibt es kein Bargeld mehr, fällt die Möglichkeit weg, seine hart verdienten Ersparnisse in Sicherheit zu bringen.

Natürlich bleibt gewieften Anlegern die Möglichkeit, in Vermögenswerte wie etwa Immobilien, Aktien oder Edelmetalle zu flüchten. Ein Grossteil der Bürger dürfte beim Konkurs einer Bank oder des gesamten Bankensystems aber leer ausgehen. Die Enteignung einer grossen Mehrheit der Bevölkerung hätte eine aufgeheizte Stimmung zur Folge, die rasch in inneren Unruhen ausarten kann.

Aufbau des Überwachungsstaates

Zweitens: Die Abschaffung des Bargeldes ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem allmächtigen Überwachungsstaat, der die totale Finanzkontrolle über seine Bürger hat. Man stelle sich nur die unendlichen Möglichkeiten der Bespitzelung vor, wenn das Bankkundengeheimnis in der Schweiz fallen würde. Banken müssten dann die Daten ihrer Kunden den Behörden zur Verfügung stellen. Zur Veranschaulichung ein fiktiver Zukunfts-Dialog von zwei Staatsbeamten:

„Schauen Sie mal, Herr Müller aus Zollikon hat sich soeben mit der Kreditkarte die Weltwoche am Kiosk gekauft. Das ist sicherlich auch einer dieser rechtsradikalen Spinner. Ich setze ihn auf die schwarze Liste und setze unsere Spitzel auf ihn an.“ Darauf der zweite Beamte: „Ja mach das. Herr Müller aus Thun schlägt heute auch wieder mal über die Stränge. Bereits drei Bier hat er heute im Restaurant Bären getrunken und jetzt hat er gerade noch einen Whiskey mit seiner Kreditkarte bezahlt. Das ist eindeutig über dem Wert, was unser neues Gesundheitsgesetz erlaubt. Ich sende einen Streifenwagen dorthin und lasse ihn abführen.“

Durch die Sichtbarmachung jeglicher Details des finanziellen Privatlebens ist es ein Leichtes, Transaktionen mit immer höheren Steuern zu belegen – ohne dass sich die Bürger der Abzockerei durch den Staat entziehen könnten. Dies ist ein probates Mittel, wenn die Steuerlast mit dem gesunden Menschenverstand nicht mehr vereinbar ist (Hollande lässt grüssen). Beat Kappeler meinte dazu treffend: „Die Schergen des Marxismus mussten den Bürgern die Kuh und das Gold noch aus den Händen reissen.“ Im bargeldlosen Zeitalter ohne Bankkundengeheimnis erfolgt die Enteignung auf Knopfdruck.

Vertrauen ins Geld schwindet

Drittens schwindet das Vertrauen ins Geld wenn Obergrenzen für Barzahlungen festgelegt werden. Überall ist Folgendes zu beobachten: Zu Beginn werden die Oberlimiten für Bargeldtransaktionen möglichst hoch festgesetzt, damit das Volk nichts böses ahnt. Danach werden diese Limiten kontinuierlich nach unten angepasst.

Unser heutiger Franken ist nicht mehr wie früher mit Gold unterlegt und hat damit ein wichtiges Vertrauensmerkmal aufgegeben. Es ist also nicht mehr möglich, seine Papiergeldscheine in Gold umzutauschen. Das bedeutet, dass unsere Währung genau nur noch so viel wert ist, wie die Bevölkerung ihr zuschreibt. Der einzige Anker ist das Vertrauen in die Schweizerischen Nationalbank (SNB). Ironischerweise ist sie es aber gerade, die mit ihrer expansiven Geldpolitik für die voranschreitende Entwertung unserer Währung sorgt und damit die Sparer durch die Hintertür enteignet. Kommt die Schweizer Bevölkerung eines Tages dahinter, dass der Franken nur einen Bruchteil von dem Wert hat, den sie geglaubt hatten, ist das Spiel aus. Die Staatswährung wäre am Ende. Gesellschaftliche Unordnung und Währungsreform wären die Konsequenzen. Der Ökonom Irving Fisher bringt all das auf den Punkt: „Nicht-einlösbares Papiergeld hat sich fast immer als Fluch erwiesen für die Länder, die es angewendet haben.

Sobald alle unsere Zahlungsaktivitäten von übermächtigen Behörden überwacht und bis zum Exzess besteuert werden, überlegen es sich die Bürger genau, welche alternativen Zahlungsmittel es sonst noch gibt. Hier bieten sich beispielsweise private Parallelwährungen oder Edelmetalle an, die sich der Überwachungstätigkeit entziehen. Wetten, dass die Kontrollfreaks dann versuchen werden, diese Alternativen zu verbieten – angeblich zum Wohl des Volkes?

Beschleunigter Entwertungsprozess

Die forcierte, schrittweise Abschaffung des Bargeldes führt im Grunde genommen nur zu einem noch schnelleren Zusammenbruch des durch den Staat vorgeschriebenen Zwangsgeld-Systems, da so das Vertrauen der Bürger in die Währung noch schneller schwinden wird. Unsere Währung erfüllt bereits heute kaum noch ein Stabilitätskriterium, das Geld aufweisen muss.

Es ist nicht selten, sondern kann beliebig durch Knopfdruck und das Anwerfen der Druckerpresse vermehrt werden (was auch pausenlos gemacht wird). Das Geldangebot übersteigt die Geldnachfrage bei Weitem und der Wert des Geldes sinkt.

Es ist auch kein Wertaufbewahrungsmittel, da es durch die kontinuierliche Geldausweitung ständig an Wert verliert.

Weiter weist es auch keinen intrinsischen Wert mehr auf, seit die Umtauschbarkeit in Gold abgeschafft wurde. Einen Wert an sich hat das Geld nicht. Es ist lediglich ein Stück Papier oder eine Zahl auf einem Computer.

Sozialistische Institution

Staatlich verordnetes Zwangsgeld würde im freien Wettbewerb der Währungen – wie es Friedrich August von Hayek gefordert hat – keine Chance haben und innerhalb von kurzer Zeit untergehen. Das haben wir unseren planwirtschaftlichen Bürokraten bei der Nationalbank zu verdanken, die für sich in Anspruch nehmen, die „optimale Geldmenge“ für die Volkswirtschaft zu kennen. Offenbar ist eine optimale Geldmenge für die SNB eine, die sich exponentiell ausweitet.

Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises sagte dazu einmal: „Man merkt nicht oder will nicht merken, dass die Wurzeln der Geldentwertung ideologischer Natur sind. Nicht die wirtschaftliche Lage bringt die Geldentwertung mit sich, sondern die inflationistische Politik. Das Übel ist geistiger Art.“ Das ständige Aufblähen der Geldmenge ist nicht vereinbar mit dem Prinzip des freien Marktes, welches besagt, dass alle Tauschaktionen für alle Beteiligte von Vorteil sind. Die Inflation verzerrt die Preissignale und sorgt zudem dafür, dass der Staat immer mehr Steuern eintreiben kann (dank der sogenannten kalten Progression).

Aus der Geschichte lernen

Das Vertrauen in unsere Währung existiert heute nur noch, weil wir alle von Gesetzes wegen dazu gezwungen werden, das vorgeschriebene Zahlungsmittel (Franken) entgegenzunehmen. Die freie Wahl des Geldes ist heute verboten. Mit der schrittweisen Abschaffung des Bargeldes werden immer mehr Leute aus der Währung in sicherere Werte (wie z.B. Edelmetalle) flüchten. Das Staatsgeld dürfte ab einem gewissen Zeitpunkt wenig bis gar keinen Wert mehr haben und zusammenbrechen.

Die Geschichte hat sich so schon unzählige Male wiederholt. Trotzdem verstehen viele Bürokraten noch immer nicht, dass eine freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nicht mit einem sozialistischen Geldsystem vereinbar ist. Die freie Marktwirtschaft, in der Entscheide dezentral getroffen werden, verträgt sich nicht mit einer zentral an der Geldmenge und an den Zinsen herummanipulierenden Institution. Das Wort Zentralbank trägt ja schon das Wörtchen „zentral“ drin und steht für den Irrglauben, die Präferenzen und Bedürfnisse aller Menschen (die unterschiedlicher kaum sein könnten), zu kennen. An einem solchen zentralistischen Grössenwahn und zu wenig Freiheiten ist bereits die Sowjetunion zerbrochen. Die Schweiz und die westlichen Industriestaaten haben leider nichts daraus gelernt.

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