Banken-Boni – die EU ist der Schweiz voraus!

Quelle: „F.A.Z.“ vom Freitag, den 01.03.2013, Frontseite und Wirtschaft, Seite 15.

Zum ersten Mal werden in der EU und weltweit Bonuszahlungen nach oben begrenzt

Die Bonuszahlungen für Banker werden in der EU von 2014 an strikt begrenzt, das haben. Unterhändler des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten einigten sich in der Nacht zum Donnerstag in Brüssel nach monatelangen Verhandlungen beschlossen: Bonuszahlungen dürfen maximal das Doppelte des Grundgehalts betragen.
Vor allem Großbritannien hatte sich - völlig zu recht - lange dagegen gewehrt. Es argumentiert, derart strikte Vorgaben schreckten talentierte Mitarbeiter ab, schadeten damit dem Finanzplatz London und führten zur Abwanderung des Bankgeschäfts in andere Teile der Welt.

Im Gegensatz zur Minder-Initiative, die am Sonntag (03.03.2013) zur Abstimmung steht, schiesst die EU wieder einmal über das Ziel hinaus. "Die Einigung komme einer Revolution am Finanzmarkt gleich, wo die Boni mehr als das Zehnfache - ja Vielfache davon - des Gehalts ausmachen" sagen EU-Politiker.

Die Begrenzung der Boni ist in der EU Teil eines Pakets, mit dem die Eigenkapitalanforderungen an die Banken erhöht werden. Diese Bonus-Regel, genauer die Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen muss von den Mitgliedstaaten und dem Europaparlament noch angenommen werden. In der EU-Kultur ist das aber nur eine Formsache - alle nicken mit dem Kopf, froh, dass sie nicken können. Wir in der Schweiz stimmen darüber ab!

Die Bonuszahlungen werden grundsätzlich auf die Höhe des Grundgehalts der Banker begrenzt. Die Aktionäre(!) können die Boni aber mit klarer Mehrheit auf das Doppelte des Grundgehalts erhöhen. Wenn ein Teil der Bonuszahlungen erst nach mindestens fünf Jahren fällig wird, können sie auch darüber noch hinausgehen. Im Extremfall könnten die Boni so wohl auf das Zweieinhalbfache des Grundgehalts steigen.

Die Minder-Initiative ist längst nicht so rigoros – sie legt grundsätzlich keine Höchstgrenzen fest – aber die Aktionäre haben das Sagen!

Kritik kommt auch vom deutschen Bankenverband:

Der auch die Deutsche Bank vertretende Bankenverband BdB hält diese jetzt in der EU beschlossene Obergrenze für eine unangemessene Bevormundung. „Hier wurde die Chance verpasst, den Eigentümern die bewusste Entscheidung zu übergeben, über die Höhe der Obergrenze zu entscheiden", sagte Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz.

… genau das aber ist der Inhalt der Minder-Initiative gegen die Abzocker!

London:

Londons Bürgermeister Boris Johnson: „Das Einzige, was damit erreicht wird, ist, dass auf Kosten der immer schwächeren EU die Finanzzentren Singapur, Zürich und New York gestärkt werden“: Die EU schiesst ein Eigentor.

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