Minders Abzocker-Initiative: Heilandsack nomal!

Sorry, wenn wir hier noch einmal mit dem Thema Abzocker-Initiative kommen! Tut uns echt leid, aber es ist uns nichts Gescheiteres eingefallen. Nach fünfjährigen Geburtswehen des Gegenvorschlages im besten Parlament der Welt und nach Vasellas gelungenem PR-Coup hat sich Herr und Frau Schweizer zurecht den Kragen voll geärgert und will nichts mehr von dem Schmarren hören. Dass man sich jetzt bei der Abstimmung vom kommenden Wochenende nochmals mit der Sache beschäftigen muss, obwohl alle Prognosen bereits die Annahme der Initiative prophezeien, setzt dem Verdruss das Sahnehäubchen auf. Mein Nachbar hat vor Zorn den Abstimmungszettel anstatt auszufüllen aufgefressen.

Es war ihm nämlich klar geworden, dass ihm die Initiative nichts, aber auch rein gar nichts bringt. Und der Gegenvorschlag noch weniger. Er besitzt nämlich keine eigenen Aktien und was er dereinst an einem möglichen Mehrbetrag von seiner Pensionskasse erhalten wird, liegt dermassen weit hinter der Kommastelle, dass es ihm schwindlig geworden ist.

Und diejenigen, die Aktien an börsenkotierten Unternehmen haben, interessiert die Sache ebenfalls einen Feuchten. Sonst hätten sie sie schon längst über eine Statutenänderung durchgesetzt. Und die Konsultativabstimmung über das Vergütungsreglement der Novartis hat kürzlich einmal mehr gezeigt, dass die Aktionäre mit den hohen Löhnen ihrer Angestellten eigentlich ganz zufrieden sind. Aber jetzt werden sie durch das Aktienrecht gezwungen, über die Managerlöhne abzustimmen, was nur die Wartezeit auf die Bratwurst an der Aktionärsversammlung verlängert. Aber zuerst gibts noch einen Eintrag in der Verfassung und dann werden sich unsere lieben ParlamentarierInnen nochmals zig Jahre überlegen müssen, wie sie das Ganze auf eine homöopathische Dosis im Obligationenrecht verdünnisieren können. Mein Nachbar wird sich seinen Abstimmungszettel nochmals durch den Kopf gehen lasen können. Auf dem umgekehrten Weg.

Rechtlich gesehen bedeutet die Initiative einen Ansatz zu einem Eingriff in den Arbeitsvertrag zwischen Unternehmen und den Top-Arbeitnehmern. Allerdings ist es nur eine Vorstufe zur Beschränkung des Vertragsrechts, eine eher hypothetische Möglichkeit zur Exzessbeschränkung, die weder einem hungerleidenden Hilfsarbeiter ein saftiges Filetsteak, noch dem Manager einen Servelat bescheren wird. Da haben doch die «1:12»-Initiative, die Mindestlohninitiative sowie lohnpolitische Forderungen im Rahmen der flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit wesentlich mehr Fleisch am Pferdeknochen.

Man kratzt sich am platzenden Kragen und fragt sich, warum die Economieshuisse acht Millionen für die Bekämpfung der Initiative zum Fenster hinauswirft. Und welcher Teufel den Minder geritten hat, als er seine Steckenpferd-Initaitive vom Zaun gerissen hat. Hat er denn nicht genug zu tun, mit seinem Trybol zu gurgeln? Und das Parlament hätte sich das fünfjährige Verklausulieren des Gegenvorschlages ebenfalls von vornherein ans Beinchen streichen können. Wenn Vasella ein Denkmal für den «Abzocker des Jahres» verdient, so gehört dem Minder eins als dem «Verschwender des Jahrzehnts» für die Geld- und Zeitverschwendungslawine, die er an unserem gesamten Volksvermögen losgetreten hat. Hoffentlich werden die beiden bei der Wahl zum Schweizer des Jahres berücksichtigt.

Aber zutiefst im Innern der neidgenössichen Seele hat die Abzocker-Intitiative eine fast vergessene Saite zum Schwingen gebracht. Es geht nur vordergründig um den Cash, vielmehr geht es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt! «Ein einig Volk von Brüdern» (die Schwestern hat Schiller vergessen) wollen wir wieder sein, vereint im Widerstand gegen die Unternehmensvögte und gnädigen «Herren da oben», die uns mit ihren Exzess-Gehältern den Schneid und aufgemotzen SUVs den Vortritt abkaufen. Es ist das zutiefst urschweizerische Verlangen nach Gerechtigkeit, das uns da gemeinsam aufheulen lässt. Dass es etwa das Politik-Urgestein Christoph Blocher mit seiner EMS-Chemie auf etwa drei Milliarden gebracht hat, lässt uns kalt, denn die hat er mit seinen eigenen Händen verdient. Und auch, dass der Rohstoffhändler Ivan Glasenberg im Schosse der liberalen Schweiz in kurzer Zeit sechs Millarden angespart hat, ist keine Rede wert, denn die hat er im Ausland geholt. Vasella ist hingegen ein einfacher Bretzelibub, ein Angestellter wie wir, dem einmal gesagt gehört, wo der Mostli den Bart holt.

Zum Trost sind wir mit solchem Nonsense nicht alleine. Auch in Deutschland geht es den Top-Verdienern an den Kragen. Und sogar in der EU macht man sich Gedanken, wie man mit der Bankenregulierung den Bankmanagern den obersten Hemdenknopf fester eintun kann. Aber alle blicken sie einmal mehr neidisch in die Schweiz, denn wir sind ihnen Minderseidank allen einen Schritt voraus! Nach der Minarett-Initaitive werden es wir Schweizer mit der Abzocker-Initiative endlich wieder einmal aufs internationale Parkett schaffen und unseren Ruf als originelle Spassvögel weiter festigen. Da können wir dem Ausland nur eine Nase drehen und freundlich zurufen: «Humor muss man sich halt leisten können!»

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