Die Empörungsmaschine läuft wie geschmiert!

Schavan-Plagiatorin. Brüderle Sexskandal. Gysi Stasi-Vorwürfe oder die Frage, ob ein asiatisch aussehender Vizekanzler für die Deutschen noch zu früh ist? Abwahl-Forderung der letzten drei Monate, die Sie vermutlich schon wieder vergessen haben.

Die Empörungsmaschine läuft wie geschmiert. Ein Skandal jagt den nächsten Skandal. Nicht nur in Deutschland. Wir stehen in der Schweiz keinen Deut besser da. Ob Ex-Nationalbankpräsident oder lokale F-Politprominenz der SVP. Ein Tweet oder ein zu wenig deutliches E-Mail und schon sind sie da, die Rücktrittsforderungen der Empörten.

Ungläubig steht man an der Seite. Vasella Abzocker? Empörung. Amazon Leiharbeiter. Empörung. Pferdefleisch statt Rindfleisch in der Lasagne - Empörung! Und wer sich an einem Fall nicht genug empört hat, der empört sich bei der Lasagne wegen den viel zu langen Transportwegen oder empört sich über weggeworfene Pferdefleisch-Lasagne.

Empörung scheint das Wort der Stunde zu sein. Selbst Bundesrat Maurer spielt geschickt auf dem Empörungsklavier. Bekommt er seine Flieger nicht, gibt es Luftschutz nur noch zu Bürozeiten und Patrouille Suisse wird auch abgeschafft - zumindest in Schweizer Farben. Auch Maurer kann sich auf die Empörten verlassen, sie stehen auf, um sich lauthals zu empören. Der Ueli weiss halt, wie sein Schweizer Volk tickt.

Über was kann man sich nicht alles empören. Nahrungsmittelspekulation, Autoraser, Asylanten, kriminelle Asylanten, kriminelle Bundesrichter und die neuste Sau, die mit 1’000 Franken Kopfgeld durchs Dorf gejagt wird, ist der Sozialschmarotzer aus dem Aargau. Man könnte sich sogar über die Empörung empören.

Doch was haben wir davon? Ein kurzes Ventil. Fühlen wir uns dann besser? “Ja, ich habe protestiert und auf der Facebook Seite von Amazon meinen Ärger geschrieben, als ich vom Skandal der schlecht bezahlten Leiharbeiter las. Ich bin jetzt ein besserer Mensch” ist das der Effekt?

Der ganze Empörungsrausch, in dem sich Journalisten gegenseitig mit dem Publikum hochschaukeln, hat nur ein Hacken. So richtig nachzudenken scheint niemand mehr. Wer von einer Empörungswelle auf die nächste springt, hat keine Zeit für überlegte Handlungen. Als ob die Amazon-Geschichte neu ist. Schon vor einem Jahr wurden die Arbeitsbedingungen bei den Verteilern bekannt und auch über das Zeitsystem wurde längst berichtet. Amazon scheint keinen nennenswerten Verlust erlitten zu haben.

Wer empört ist und nicht mehr nachdenkt, kann auch am Ziel vorbei schiessen. Wie viele reklamierten auf Politnetz wegen der Transportwege bei der Lasagne und den Transporten von Nahrungsmitteln. Vor lauter Empörung fragt niemand mehr, fallen die Transportwege in der CO2-Gesamtbilanz ins Gewicht? Nicht zwingend. Eine Gewächshaus-Tomate in Spanien produziert, ist trotz Transportweg von 2’700 Kilometer klimafreundlicher, als eine Tomate, die hier produziert wurde (Seite 86 Schlussbetrachtung).

Dieser Artikel wird die Empörungswelle nicht aufhalten. Beruhigen tut mich aber etwas anderes. Vor 2 ½ Jahren schrieb ich hier einen ähnlichen Artikel, die Welt im Dauerstress. Am Schluss prophezeite ich “Und die Sonne geht auch im Jahr 2013 jeden Morgen von Neuem auf.” Ich stelle mal eine neue Behauptung auf, im 2015 ebenfalls.

Allen einen schöne Restwoche.

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