Hetzjagd gegen renitenten Sozialhilfebzüger

Diese Story erschien heute im 20 minuten.online und hat die unterschiedlichsten Leser Reaktionen ausgelöst welche erschreckend und teilweise schon hart an der Grenze des erträglichen sind.

Originaltext aus 20min.ch v. 26.02.2013

Bei der Jagd auf einen Sozialhilfeempfänger greift die SVP Bezirk Bremgarten auf juristisch heikle Mittel zurück. Der Mutterpartei ist es egal.

Er schwänzte Termine, nahm keine Briefe entgegen, verweigerte gemeinnützige Arbeit und trotzdem darf die Gemeinde ihm die Sozialhilfe laut Bundesgericht nicht streichen: Sozialhilfebezüger Sascha W. aus Berikon AG sorgte letzte Woche für heftige Diskussionen. Jetzt will die lokale SVP den renitenten 23-Jährigen stoppen – und dies mit fragwürdigen Methoden. Andreas Glarner, Bezirkspräsident der SVP Bremgarten, bot via Tele M1 1000 Franken für den Namen des Mannes, «um ihn an den Pranger stellen zu können». Schon eine halbe Stunde später hat ihm jemand die Personalien gesteckt.

Nun will Glarner Sascha W. telefonisch dazu bewegen, endlich Arbeit anzunehmen. Falls dies nichts nützt, was angesichts der Vorgeschichte es Sascha W.s wahrscheinlich scheint, will Glarner ein Flugblatt mit Namen, Adresse und Telefonnummer des Sozialhilfebezügers an alle Haushalte schicken, «um die Beriker zu informieren und das Gewerbe aufzurufen, ihm einen Job zu beschaffen».

«Propaganda und Verstoss gegen Privatsphäre»

Für Jurist Peter Breitschmied von der Uni Zürich grenzt dies an Selbstjustiz. «Damit würde die Privatsphäre klar verletzt.» Die Beriker Sozialvorsteherin Rosmarie Groux sieht in der geplanten Flugblatt-Aktion sogar «reine Propaganda» mit dem Ziel, Sascha W. als Täter und Sozialschmarotzer blosszustellen.

Zu verlieren hat die SVP Bremgarten aber wenig: Mehr als eine Genugtuung im tiefen vierstelligen Bereich müsste sie laut Breitschmid bei einer Klage nicht bezahlen. Sascha W. und SVP-Generalsekretär Martin Baltisser wollten die Aktion nicht kommentieren.

Nun frage Sie liebe Mitbürger und Politiker, ist solch ein Verhalten eines SVP Politikers gegenüber einem Sozialhifelbezüger rechtens? Vermag unser Staat es nicht mehr einen von hundertausenden zu tragen, der aus welchen Gründen auch immer gegen das System rebelliert? Ist er der einzige? Ich denke nein. Muss er als Präzedenzfall herhalten weil unser Sozialsystem schlicht und einfach nicht mehr funktioniert?

Sind wir in der Schweiz soweit, dass Menschen welche nicht in unser System passen oder passen wollen an den Pranger gestellt werden? Werden irgendwann wieder öffentliche Zurschaustellungen stattfinden wo mit Eiern und Tomaten auf diese Menschen gezielt werden können?

Obwohl der Junge Mann den Staat Geld kostet hat niemand das recht jemanden so bloss zu stellen wie es in dem obgenannte Artikel dargestellt wird und er ist in unserer sozial kaputten Welt wirklich ein kleines Licht....

Mein Rechtsempfinden sagt auch nein zu dem Verhalten des Jungen Mannes, aber welches sind die Gründe für sein Verhalten? Es kann doch nicht sein, dass man mit solchen Mitteln versucht jemanden in genau diese Arbeitswelt zu zwingen welche genau solche Menschen nicht mehr will.

Ich frage Sie sehr geehrte Damen und Herren, In welcher Welt lebt Herr Glarner? Er iniziiert eine (erfolgreiche) Hetzjagd in den lokalen Medien um die Daten des Mannes zu erfahren und ist der Meinung mit etwas Geld und einem Flugblatt findet er für diesen jungen Mann einen Job? Sicher nicht in der realen Arbeits- und Arbeiterwelt in der schon der normale Bürger Mühe hat eine Stelle zu finden...

Ist man sich eigentlich bewusst, dass dies die Spitze des Eisberges in der Schweiz ist und solches wenn es Schule macht zum Horror von echten Sozialbezügern werden könnte??? Ein Bürger denzunziert für CHF 1'000.-- einen Mitbürger.

Die Stimmung in der Schweiz ist gegenüber solchen Menschen eh schon kurz vor 12 und es kann und darf nicht sein, dass eine einzelne Person, ein Politiker eine Hetzjagd auf eine einzelne Person in dieser Art und Weise lostreten kann.

Wohin führen solche menschenverachtenden Aktionen noch?

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