Integration fordern - Separation fördern

Diejenigen die am lautesten nach Integration rufen, fördern mit den Verschärfungen beim neuen Bürgerrechtsgesetz genau das Gegenteil, nämlich die Separation. Auf einmal wird das Mitteleuropäische in den Mittelpunkt gerückt, im gleichen Atemzug aber auf alles aus der EU kommende gespuckt. Lieber Herr Fluri, ich erinnere mich gerne daran, wie Sie sich gegen die Ausschaffungsinitiative eingesetzt haben und jetzt erweisen Sie gerade den jungen Generationen mit Migrationshintergrund einen Bärendienst. Herzlichen Dank!

Das neue Bürgerrechtsgesetz sieht vor, dass die Jahre, welche zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr in der Schweiz verbracht wurden, nicht mehr doppelt angerechnet werden. Die genannten Argumente zeigen auf, dass hier mit einer populistischen Brille geschaut und entschieden wurde. Die jungen Menschen besuchen Schulen, fangen ihre Ausbildungen an, sind sprachgewandt und sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Sie sind ein Teil dieser Gesellschaft und sind schweizerisch und mitteleuropäisch geprägt, auch wenn ihre Eltern nicht aus der Schweiz, Österreich oder Deutschland stammen.

Mit solch einer Regelung werden gerade dort unnötige Hürden gesetzt, wo es nicht sinnvoll ist. Man fordert Integration und lässt diese nicht zu. Erst mit den politischen Mitbestimmungsrechten kann man vollends Teil der Gesellschaft werden, solange diese an die Staatsbürgerschaft gebunden sind. Die jahrelangen Kampagnen der SVP zeigen Wirkung, es wurde ein Feindbild kreiert: jung, nicht-schweizerisch, männlich, aussermitteleuropäisch. Mit solchen Entscheidungen werden die vorherrschenden Bilder verstärkt und es wird nicht daran gedacht, dass so Probleme produziert werden, wenn aufgrund des fehlenden Schweizerpasses beispielsweise kein Ausbildungsplatz (was ja nicht der Fall sein sollte, aber oft ein Kriterium ist) gefunden wird.

Liebe Wölfe im Schafspelz, versteckt euch nicht hinter eurem Pelz und sagt es offen heraus: Alles was euch nicht passt, soll möglichst weg von hier. Es ist einfach gesellschaftliche Herausforderungen gewissen Bevölkerungsgruppen in die Schuhe zu schieben und Kategorien von Menschen (mitteleuropäisch) zu schaffen. Mich würde es wundernehmen, wie ihr wohl bei einem Sprachtest abschneiden würdet und ob ihr dann den Schweizerpass freiwillig abgeben würdet, da ihr in euren Augen nicht mehr würdig wäret, ein Schweizer zu sein.

Nicht zuletzt darf nicht vergessen werden, welche Folgen eure Beschlüsse auf die Schweizerinnen und Schweizer haben, die ihre Wurzeln vielleicht in einem anderen Land haben. Auch Sie werden in der Gesellschaft diskriminiert und als Schweizer zweiter Klasse behandelt, dafür sind besonders auch diese unwürdigen Beschlüsse und Stimmungsmachereien verantwortlich, sonst hätte es sich im rechten Jargon wohl kaum etabliert sagen zu dürfen, dass man Eidgenosse sei, weil Schweizer könne man werden.

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