Wollen wir wirklich ein Placebo mit Nebenwirkungen?

Erst traf Berset den Nagel auf den Kopf, nun den Finger auf den Nagel!

Noch im Oktober 2012 verkündete Bundesrat Alain Berset, dass sich mit der Initiative für eine Einheitskasse kein einziger Franken sparen lässt, ein Volltreffer!

Vier Monate später eröffnet Berset seine eignen Ideen dem Gesamtbundesrat in Form eines direkten Gegenvorschlages zur Einheitskassen-Initiative. Der Gegenvorschlag sieht vor, dass es künftig neben einem weiter verfeinerten Risikoausgleich, einen Hochrisikopool geben soll. Eine Massnahme, welche die unerwünschte Risikoselektion zwischen den Versicherern verhindern soll. Weiter sieht der Gegenvorschlag eine Informationsbarriere zwischen der Versicherung nach KVG und jener nach VVG vor.

Noch im Herbst tadelte der SP-Bundesrat, dass die Initiative keinen Franken einsparen würde. Wo genau Herr Berset allerdings das Einsparpotential bei seinem Gegenvorschlag sieht, erscheint mir äusserst fragwürdig. Mit dem Hochrisikopool wird das ganze Versicherungswesen verwaltungstechnisch aufgeblasen. Man führt ein neues Instrument ein, während man mit dem Risikoausgleich ein zweites Instrument betreibt, welches die gleichen Ziele verfolgt. Und durch die Entlastung der Krankenversicherer von den hohen Risiken nimmt man ihnen auch die Motivation bei der Gründlichkeit der Rechnungskontrolle.

Die dadurch gewonnene Zeit werden die Kassen allerdings in den zweiten Teil des Gegenvorschlages investieren können. Denn wenn man zwischen KVG und VVG eine Informationsbarriere einbaut, wird künftig jede eingereichte Rechnung doppelt bearbeitet werden müssen. Einmal von der Abteilung KVG, einmal VVG. Die zusätzlichen Verwaltungskosten, müssen selbstverständlich den Prämien angerechnet werden. Hinzu kommt, dass nach der Umsetzung des Gegenvorschlages der Kunde bei medizinischen Rechnungen genau überlegen muss, an wen er die Rechnung sendet, an seinen KVG-Versicherer, oder vielleicht doch an den VVG-Versicherer. Ansonsten ist es möglich, dass die Rechnung unbearbeitet zurückkommt. Ein Ärgernis, das keiner will!

Mit dem Hochrisikopool versucht der Gegenvorschlag eine Lösung zu bieten, welche man bereits bei einer Verfeinerung des Risikoausgleiches erreichen könnte. Und mit der strikten Trennung von KVG und VVG bekämpft er Probleme, die nicht existieren.

Bestimmt kein Schritt in die richtige Richtung!

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