Das Ende des Mythos der „Erfolgsmenschen“ ist angesagt

Daniel Vasella gilt nun als Standortschädling. Nur wäre er das ja nicht erst seit heute, nachdem sein 72 Million-Deal bekannt geworden ist. Mit seinen knapp zweihundert Millionen Franken, die er von 2002 bi 2012 nominell bezog, war er schon seit Jahren einer der übelsten Abzocker. Das ist aber nicht nur das Problem von ihm, sondern vor allem all derer, die das ermöglicht haben. Allerdings ist Vasella nur die Spitze des Eisberges. Beim neuesten Paket handelt es sich um eine verdeckte Abgangsentschädigung und um nichts anderes. Dabei haben er und der Novartis Verwaltungsrat derart übermarcht, dass man am Verstand der Beteiligten zweifeln muss. Dieses Abzocker Geschenk in der Vorphase der Abstimmung über die Minderinitiative zu beschliessen, zeugt von einer Instinktlosigkeit, die schon allein jedem der beteiligten VR Mitglieder die Eignung für den Job abspricht. Nur: sie taten das ja nur, weil sie, und das ist viel schlimmer, tatsächlich der Meinung sind, die 72 Millionen Franken seien marktüblich und durch Leistung und Erfolg gerechtfertigt. Überhaupt von Markt zu sprechen, ist schon lachhaft, denn die Höhe der Abzocker-Deals beruhten immer auf der Kungelei einer geschlossenen Gesellschaft. Es rührt einen deshalb fast schon zu Tränen, wenn Gerold Bührer nun beschwört, Vasella sei zum Bleifuss der marktwirtschaftlichen Ordnung geworden. Mit Rekurs auf einen Markt, den es nicht gibt, hat Economie Suisse durch gezieltes Lobbying Jahre lang verhindert, dass griffige Normen gegen die Abzockerei legiferiert werden und aus Angst vor einem Volksmehr die Abstimmung über die Minderinitiative gezielt verzögert. Vasella ist jetzt nicht zuletzt aus Angst vor einem Ja zur Minderinitiative zum bad guy auch bei jenen in Wirtschaft, Politik und Medien geworden, die ihn jahrelang als den Prototyp des smarten und sexy daher kommenden „Erfolgsmenschen“ hätschelten. Es wär aber an der Zeit, generell vom Mythos der „Erfolgsmenschen“ abzurücken, welcher die Abzockerei begünstigte und legitimieren half. Vasellas gibt es vielleicht nicht gerade wie Sand am Meer, aber sicher Abertausende weltweit. Und das ist bei all den Mitgliedern von Management und Verwaltungsräten grosser Firmen nicht anders. Das Schlimme ist nur, dass Vasella wahrscheinlich tatsächlich selbst glaubt, er habe die Novartis Pharmaprodukte selbst erfunden und gleichzeitig noch verpackt.

Mithin geht es nicht um Exzesse, sondern darum, dass Salärbezüge unter welchem Titel auch immer bestimmt über 3 Millionen Franken, wie das der gescheiterte direkte Gegenvorschlag vorsah, obszön und für das Gemeinwohl schädlich sind. Deren Ausrichtung hat freilich immer noch System. Nur über eine Annahme der Minderinitiative können Fälle wie jener von Vasella verhindert werden. Wenn nötig in der Ausführungsgesetzgebung. Unter jedem Titel nützt die Minderinitiative mehr als der indirekte Gegenvorschlag. Die Annahme der Minderinitiative wird aber vor allem eine neue Ausgangsbasis dafür schaffen, die Oeffentlichkeit als Player ins Spiel zu bringen. Sonst droht ein Desater.

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