50 Stunden Woche für Schüler?

Ich habe nicht schlecht gestaunt. Über die Stundenpläne der zweiten Sek P im Kanton Solothurn. Satte vierzig Lektionen pro Woche – in der achten Klasse! Als man in Deutschland die gymnasiale Ausbildung auf zwölf Jahre verkürzt hat, wurde heftig diskutiert, ob 36 Lektionen zumutbar sind – notabene für Schüler/innen, die vier Jahre älter sind als unsere Sek Pler. Dazu kommt, dass sechzehn Fächer promotionsrelevant sind! In diesen Fächern muss für Prüfungen gelernt werden, die alle über den weiteren Verbleib in der Sek P entscheiden! Das ergibt regelmässig satte 50 Stunden Wochen!

Eine Schule, die sich an den Bedürfnissen und Lerngewohnheiten der Schüler/innen orientiert? Genug Raum für musische und sportliche Betätigung? Oder doch eher ein weiterer Ausdruck des grassierenden Reformwahns? Ich für meinen Teil finde, eine solche Stundenbelastung ist Raubbau an den Seelen unserer Kinder! 70 Prozent allen Lernens geschieht im informellen Rahmen. Und genau dieser wird mit solchen Stundenplänen kaputt gemacht. Oder wie das afrikanische Sprichwort sagt: „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Im Gegenteil, zieht man zu fest, zerstört man die Wurzeln.“

Nun, es ist Wahlkampfzeit. Und plötzlich wollen sich ganz viele Politiker/innen im Kanton Solothurn mit dem Thema „Reformstopp in der Schule“ profilieren. Komisch nur, dass die überwiegende Mehrheit von ihnen im Kantonsrat für jede einzelne dieser Reformen gestimmt hat! Das ist einfach unredlich!

Und in der kommenden Legislatur steht der Lehrplan 21 an. Laut dessen Empfehlungen soll dann auch für Erst- und Zweitklässler die Lektionenzahl erhöht werden (Drittklässler haben ja bereits mehr Lektionen als vor kurzem noch Sechstklässler).

Unser Bildungswesen läuft an diesem Punkt komplett in die falsche Richtung. Seit dem PISA Schock wird auf Teufel komm raus "herumreformiert". Und wer bezahlt die Zeche? Unsere Kinder.

Darum muss jetzt endlich Schluss sein mit der Reformitis im Bildungswesen. Denn unsere Kinder sind keine Versuchskaninchen für Bildungstechnokraten und Reformturbos!

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