Die Abzocker-Initiative verhindert die massiven Löhne und Boni nicht.

Ich bedaure es sehr, dass die grosse Mehrheit der Befürworter der Abzocker-Initiative nach wie vor „Empörte“ sind, die sich nicht eingehend mit dem Initiativtext befassen, sondern tatsächlich glauben, mit einem Ja zur Initiative werde die Abzockerei erfolgreich bekämpft. Ebenso erscheint es langsam lächerlich, wenn von den Befürwortern die Gegner der Initiative nach wie vor nur mit Economiesuisse und Banken in Verbindung gebracht werden und völlig ausblenden, dass sich selbst die Gewerkschaft Travail Suisse und die Stiftung Ethos gegen die Initiative aussprechen, um nur einige wenige zu nennen. Selbst die WOZ hat sich gegen die Initiative ausgesprochen, was ja doch etwas heissen will.

Mich stören solch gierige Menschen wie die Abzocker ebenso extrem und ich kann nicht nachvollziehen wie jemand ernsthaft glauben kann, für seine Tätigkeit zu Recht so hoch entlöhnt zu werden. Ich bin Thomas Minder sehr dankbar dafür, dass er so hartnäckig am Thema geblieben ist und auf diese Weise Politik und Wirtschaft und uns alle aufgerüttelt hat. Und ja, es ist auch etwas beschämend, dass die Behandlung der Initiative im Parlament so lange gedauert hat. Dafür liegt nun ein im Parlament breit abgestützter Gegenvorschlag vor, wurde dieser doch damals mit nur einer einzigen Gegenstimme angenommen. Heute stellen sich wie erwähnt auch economiesuisse, Travail Suisse, kv schweiz, die Stiftung Ethos und viele mehr dahinter. Ebenso spricht sich die Mehrheit der Parteien gegen die Initiative aus. Deshalb ist es sehr schade und kaum verständlich, dass Thomas Minder sich nicht auch konstruktiv hinter diesen Vorschlag hat stellen können. Eine gewisse Bereitschaft zum Kompromiss hätte ihm gut gestanden.

Der Gegenvorschlag nimmt sehr viele Forderungen von Thomas Minder auf und geht bei der Rückforderung sogar weiter. Er zwingt aber die Firmen nicht in ein solch enges Korsett wie das die Initiative meines Erachtens fälschlicherweise tun möchte. Des Weiteren erscheint es mir problematisch, wenn der Verwaltungsrat zwingend alle Jahre neu gewählt werden muss, dies widerspricht langfristigem Denken und Nachhaltigkeit.

Mit dem Gegenvorschlag wird der Aktionär ebenso in die Verantwortung gezogen und das ist ja, was Thomas Minder wünscht. Und bereits mit dem Gegenvorschlag würde die Schweiz dann über eines der strengsten Aktienrechte weltweit verfügen. Mehr Einschränkung wäre einfach zu viel und erscheint mir in keiner Art und Weise sinnvoll, noch gerechtfertigt.
Weder die Initiative noch der Gegenvorschlag stoppen die Abzockerei, sprich exorbitante Löhne und Boni. Sie können einzig die Aktionäre mehr in die Verantwortung nehmen, Ihnen eine stärkere Stimme geben, was sowohl die Initiative wie auch der indirekte Gegenvorschlag tun. Der Gegenvorschlag birgt jedoch die kleineren Risiken und nimmt eine Firma nicht totalitär an die Kandare. Was die Initiative möchte, ist mit einer freien Wirtschaft nicht vereinbar.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema war und ist sehr wichtig, denn - sehen wir der Tatsache doch ins Auge - Abzockerei kann nur durch einen Sinneswandel erreicht werden und das braucht viel Zeit. Diese Gier ist ja auch nicht über Nacht entstanden. Dank der Thematisierung ist heute eine gewisse Haltungsänderung zu spüren, wenn auch erst im kleinsten Ansatz und als sehr zartes und junges Pflänzchen. Aber wie gesagt, eine Haltungsänderung braucht Zeit! Nebst der Diskussion braucht es auch eine Änderung an den Management-Ausbildungsstätten und es gibt auch diesbezüglich bereits Stimmen, die in eine bessere Richtung weisen, was ich als sehr positiv werte.

Bleiben wir am Ball, prangern wir die Abzockerei an, verhelfen wir den Aktionären zu mehr Rechten, ändern wir alle unsere Denkweise aber schränken wir die Schweizer Wirtschaft - notabene wegen ein paar Wenigen - nicht unnötig ein.

Ich stimme am 3. März 2013 gegen die Abzocker-Initiative, weil dann der Gegenvorschlag zum Zug kommt, den ich definitiv als die bessere Lösung erachte.

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