Grosser Kampflärm um neue Kampfjets

DIE SCHWEIZER Armee war während der vergangenen Monate und Jahre immer wieder in den Schlagzeilen. Dabei verliefen die Diskussionen in aller Regel emotionsgeladen und selten objektiv. Dies gilt auch für die aktuelle, hohe Wellen schlagende Debatte um die Beschaffung neuer Kampfjets. Geht es nach dem Willen des Parlaments, sollen die in die Jahre gekommenen, gut dreissigjährigen Tiger durch eine kleinere Anzahl von leistungsfähigeren Kampfflugzeugen ersetzt werden. Der Bundesrat, welcher diesbezüglich zwischen drei Typen auszuwählen hatte, liess eine Evaluation durchführen – und entschied sich am 30. November 2011 für das schwedische Modell Gripen.

DOCH DIESEM Entscheid unserer Landesregierung bläst ein steifer Wind entgegen. Einerseits von den Armeegegnern und denjenigen Parteien, die neue Kampfjets generell ablehnen und die Armee am liebsten gleich abschaffen möchten. Diese Kräfte scheinen zu verkennen, dass es absolut notwendig ist, und die Schweiz auch verfassungsmässig und völkerrechtlich verpflichtet ist, den Luftraum jederzeit zu schützen beziehungsweise die Lufthoheit zu wahren. Es ist nun mal eine Tatsache, dass dieser Auftrag, zu dem in Friedenszeiten insbesondere der Luftpolizeidienst gehört, mit dem die Sicherheit im Luftraum auch zugunsten des Zivilluftverkehrs gewährleistet wird, ausschliesslich durch die Armee und ihre Kampfflugzeuge erfüllt werden kann. Sich vor diesem Hintergrund prinzipiell gegen einen Ersatz der veralteten Tiger-Flotte zu stellen, ist meines Erachtens verantwortungslos.

DER ENTSCHEID des Bundesrates wird aber nicht nur von linker Seite, sondern auch von (einzelnen) Vertretern der Luftwaffe und der SVP kritisiert. Diese begrüssen zwar neue Flieger, stossen sich aber an der Typenwahl. Sie hatten vom Eurofighter oder vom Rafale geträumt. Auch wenn man ihre Enttäuschung vielleicht verstehen kann, ist die Kritik am Entscheid der Landesregierung nach meinem Dafürhalten falsch. Der Gripen ist sicherlich kein Luxus-Flieger. Aber er ist allemal ein solider und tauglicher Kampfjet, der unseren Schweizer Bedürfnissen gerecht wird. Der Abstimmungskampf wird so oder so schwer genug, wie aktuelle Umfragen beweisen. Mit dem Gripen, der sowohl in der Anschaffung, als auch im Unterhalt erheblich günstiger ist als seine Konkurrenz, erhöhen sich die Chancen in einer Volksabstimmung. So gesehen hat der Bundesrat einen vernünftigen Entscheid gefällt.

DIE WAHL zugunsten des günstigsten Modells ist aber auch aus anderen Gründen sinnvoll: Das Parlament hat im vergangenen Jahr entschieden, die neuen Flieger über das der gesamten Armee zugesprochene Budget von 5 Milliarden Franken zu finanzieren. Insbesondere im Heer, also bei den Bodentruppen, mangelt es nicht erst seit heute an Geld für die Ausrüstung. Das weiss ich als Kommandant der Aufklärungskompanie 5/1 aus eigener Erfahrung, musste ich doch mehrfach erleben, dass eine Kompanie in den WK eingerückt ist, aber nicht einmal für jeden Soldaten ein Schlafsack oder ein Regenschutz gefasst werden konnte. Solche Beispiele dürfen nicht mehr vorkommen, will unsere Armee nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren und zu einem schlecht ausgerüsteten Trachtenverein verkommen. Es wäre daher falsch, künftig so viel Geld in einen Luxus-Kampfjet zu stecken, dass dieses dann nicht mehr ausreichte, unsere Soldaten genügend auszurüsten. Auch deshalb ist der Entscheid des Bundesrates zu begrüssen.

18 Kommentare


Diskutieren Sie mit!

Bei Politnetz legen wir Wert auf einen konstruktiven Austausch. Bitte bleiben Sie beim Thema und respektieren Sie andere Personen. Lesen Sie unsere Diskussionsregeln.

Kommentar von Juan Sánchez Lorente de Pena:

» zur normalen Ansicht wechseln

Alle 18 Kommentare anzeigen

Mehr zum Thema «Sicherheit»

zurück zum Seitenanfang
  • Copyright © Politnetz AG 2009–2017
  • Impressum
Release: production