"Staatskinder!"

"Staatskinder!" - Den Liberalen platzt der Kragen.

„Staatskinder!“ ist das Thema der Stunde. „Staatskinder!“ titelte die SVP auf ihrem letzten Extrablatt, illustrierte die Geschichte mit hinter Gitter eingesperrten (Staats)Kindern und widmete dem Thema 14 der 16 Seiten der Ausgabe. Woher stammt dieses plötzliche Interesse der SVP an der Bildungs –und Familienpolitik? Ersetzt der Begriff „Staatskinder“ etwa sogar den Stellenwert der „Ausländer“ in der SVP-Politik? Wohl kaum…

Die SVP wurde bis anhin oft als 1-Themen-Partei dargestellt. Nach ihrem Aufstieg in den 90ern, herbei geführt durch den erfolgreichen und vehementen Kampf für die Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz, widmete sich die Partei jahrelang der Migrationspolitik. Sie wurde durch ihre Wahl –und Abstimmungserfolge überheblich. Die Wahlen 2011 haben die Partei wieder wach gerüttelt.

„Wir müssen thematisch in die Breite gehen!“ sagte Parteipräsident Toni Brunner nach den Wahlen. Es ist schön zu sehen, dass die Parteiführung ihr Wort hält. Meiner Meinung nach ging tatsächlich ein Ruck durch die Basis, die SVP konnte sich in vielen kantonalen und kommunalen Wahlen (entgegen jeglichen Prognosen der „Experten“) behaupten. Und auch in der Themensetzung setzt die Partei vermehrt andere Akzente. Das ist aus meiner Sicht absolut notwendig, denn die Migrationspolitik ist garantiert nicht das einzige Thema in der Schweizer Politik.

So hat die SVP seither diverse Positionspapiere erarbeitet; in der Energiepolitik, in der Gesundheitspolitik, in der Finanzpolitik in der Sicherheitspolitik und eben auch in der Bildungs –und Erziehungspolitik.

Bei den kommenden Abstimmungen am 3. März liegen uns nun ganze 3 Vorlagen vor, welche den Staat erheblich ausbauen würden (respektive wir Berner stimmen über 2 weitere Vorlagen ab – „Bern erneuerbar“ – welche ähnliche Konsequenzen hätten). Erinnern wir uns zurück an die letzten Abstimmungen: Musikförderung, Raucherinitiative, Zweitwohnungsinitiative und Gemeinde-Zwangsfusionen: Mitte-Links, Etatisten und Verwaltung nehmen unsere freiheitlichen Werte unter Dauerbeschuss. 1:12 Initiative, Erbschaftssteuerinitiative, Wehrpflichtabschaffungsinitiative, usw. stecken bereits in den Startlöchern.

Der Staat soll – ginge es nach den genannten Gruppierungen – wann und wo es möglich ist, massiv ausgebaut werden. Die Macht wird vom Volk zur Verwaltung und Politik verlagert und noch schlimmer: Sie wird anti-föderalistisch irgendwo zentralisiert und bürokratisiert. Haben Sie sich bei der Abstimmung zur Musikförderungsinitiative überhaupt gefragt, ob Musikförderung eine Staatsaufgabe ist? Höchstwahrscheinlich nicht, denn wer gegen einen Ausbau bei der Musikförderung, Bildung und Forschung ist, der möge öffentlich in den Medien „erhängt“ werden.

Ich persönlich auf jeden Fall habe gänzlich ohne Staatshilfe gelernt Gitarre zu spielen: Zuerst mit Youtube und danach mit persönlich bezahlten Gitarren-Stunden. Und natürlich mit hartem Training. Ich bin Nichtraucher und Sportler und trotzdem habe ich die Raucher-Initiative abgelehnt. Ich würde im Moment auch lieber mein BWL-Studium beginnen, doch trotzdem leiste ich hier und heute meinen Militärdienst als Durchdiener und werde die Wehrpflichtinitiative ablehnen.

So denken leider immer wie weniger Leute – man denkt sich immer wie häufiger: „Ich bin Nichtraucher, also dürfen die anderen überall dort nicht mehr rauchen, wo ich mich irgendwann einmal aufhalten könnte, weil es mich dann ja stören würde.“ Oder „andere verdienen mehr als ich, das ist unfair.“ Oder „Ich will ein Instrument lernen, der Staat soll es mir bezahlen.“ Oder „ich will nicht ins Militär, schaffen wir es also ganz ab!“

Die Schweiz verkommt zu einem Land der Neidgesellschaft, der Regulierungen und der Verbote. Durch die anhaltende Berieselung dieser Themen und dem flächendeckenden Dauerangriff auf politischer Ebene infiltrieren die Linken je länger je mehr sozialistische Anliegen in unsere bewährten Systeme. Um die Konsequenzen kümmert sich kaum mehr jemand, könnte man meinen. Im Zentrum steht immer wie mehr das „ich“, „ich“ und nochmals „ich.“ Wollen wir uns wirklich ein Land wie Australien als Vorbild in dieser Beziehung nehmen? Ich jedenfalls nicht.

Wieso also dieses Interesse der SVP an der Bildungspolitik? Die Antwort: Es geht eigentlich nur bedingt um die Bildungspolitik. Es geht vor allem um den übergeordneten Zusammenhang, es geht um den Kampf gegen den massiven Beamtenstaat und um den Kampf gegen die boomende Sozialindustrie. Denn wer würde mehr von einem Ausbau der staatlichen Erziehung profitieren, als eben diese bereits heute zu stark aufgeblähte Sozialindustrie?

In den letzten Jahren hat sich die Bürokratie im Bildungswesen erheblich vergrössert. Lehrpersonen haben dafür oftmals nur noch ein müdes Lächeln übrig. Die Lehrerausbildung basiert heute vor allem auf pädagogischen und psychologischen Einweisungen, um den Unterricht „sozial verträglich“ zu gestalten – Dies spürt man im Schulzimmer. Während meiner Zeit im Gymnasium hatten wir unzählige Praktikanten/innen, welche durch die Arbeit mit einer Klasse hilflos überordert waren. Nicht weil sie fachlich völlig inkompetent gewesen wären, sondern weil sie durch die Zusammenarbeit mit Menschen scheinbar völlig überfordert wurden.

Auf der anderen Seite haben sich auch die Stellen bei den Pädagogen in den letzten Jahren massiv erhöht; sogenannte „Problemfälle“ werden immer wie öfters separat betreut – das kostet. Diese Problemfälle entpuppen sich häufig nicht etwa als Kinder, welche eine stärkere Förderung nötig hätten (Probleme beim Lernen, Behinderung, Krankheit, usw.), sondern es sind oftmals verhaltensauffällige Kinder. Kinder, welche mühsam und oftmals erfolglos in die Gesellschaft resozialisiert werden müssen, Kinder, welche oftmals keine Landessprache sprechen, eine andere Kultur leben und deren Eltern sich kaum um sie kümmern.

Falls Sie ein Kind haben oder falls Sie selbst noch zur Schule gehen, werden Sie wohl auch solche Fälle kennen. Es sind die klassischen Problemfälle, welche andere Kinder systematisch hänseln, auf dem Pausenplatz den Chef raushängen, 6 Jahre später Zuhause rausfliegen und anschliessend beim Sozialamt landen. Die Anzahl dieser Fälle nimmt immer weiter zu, die Migration ist daran leider nicht ganz unschuldig. Die Lehrer wiederum haben mit steigender Gewaltbereitschaft und einer sehr schwieriger Integration und Erzehung zu kämpfen, ihr Hauptberuf – die Ausbildung der Schüler – gerät immer wie mehr in den Hintergrund. Faktisch werden unsere Kinder bereits heute vom Staat (den Lehrern) erzogen. Den Lehrern wiederum wird diese Aufgabe je länger je mehr schlicht und einfach aufgezwungen.

Da kommt der neue Familienartikel doch genau richtig und würde dieses Chaos komplettieren. Bereits heute decken sich Schulleitung, Lehrerschaft und Schulkommissionen bei Problemfällen gegenseitig. Lehrer können sich in Sache Fehltritte heutzutage praktisch alles erlauben, sie sind faktisch unantastbar. Ein Elternaufstand bewirkt manchmal, dass der Lehrer die Klasse wechselt oder ein „konstruktives Gespräch“ sucht (und nach wenigen Wochen genau gleich weiter fährt wie bisher) – ernsthafte Konsequenzen muss er jedoch nicht befürchten.

Mit dem neuen Familienartikel würden die Lücken in der Staatserziehung geschlossen werden; Die Bildung würde damit fast komplett in die Hand des Staates fallen. Vom Kindergarten bis zur Lehre wird das Zukunftskind vom Staat erzogen. Macht es in der Schule Probleme, so kommt es zu einem Heilpädagogen oder Psychiater. Gibt es keine Verbesserungen, so kommt es in eine Spezialklasse mit noch mehr Fachkräften und Experten aus dem Sozialbereich. In der staatlichen Kinderkrippe wird es danach (anstelle von den Eltern) von noch mehr Staatspersonal betreut.

Ich will mir ernsthaft nicht vorstellen, wie unsere Gesellschaft verroht, wenn sich die Eltern kaum mehr um ihre Kinder kümmern können – und das wird im Falle einer Annahme des Familienartikels zweifelsfrei viel öfters der Fall sein. Bereits heute machen in der Schule vor allem jene Kinder Probleme, welche Zuhause zu wenig Betreuung und Erziehung durch die Eltern erhalten und ohnehin bereits aus schwierigen Lebensverhältnissen kommen. Es sind Kinder jener Eltern, welche sich einen Dreck darum scheren, was ihr Kind tagsüber treibt. Es sind Kinder jener Eltern, welche ihrem Kind zu wenig Zuneigung zeigen, das Kind schottet sich somit immer wie mehr ab.

Ein intaktes Familienleben ist immens wichtig für ein Kind. Wer sich keine Kinder leisten kann, der sollte entweder anderswo zurückstecken oder auf Kinder verzichten. Wir sollten nicht so tun, als wäre das Kinderhaben ein Menschenrecht, welches vom Staat um jeden Preis gewährleistet werden muss. Es ist nach wie vor ein Privileg, sich ein Haus, Auto, Ferien, 65‘‘ TV, Computer, Haustier und Kind leisten zu können und dies unter einem Hut mit den sozialen Kontakten, Freizeit und Job zu bringen. In manchen Fällen muss man an dieser Stelle schlicht und einfach zurückstecken.

Als kleiner Geheimtipp: Als Tennislehrer und Sportler kenne ich die Preise für Sportlektionen für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche einigermassen. In vielen Clubs (nicht nur im Tennis) gibt es Spezialangebote wie zum Beispiel einen „Kinder-Nachmittagsplausch.“ Oftmals können dort Kinder bereits ab jungen Jahren einen Sport oder eine kreative Betätigung ausüben und werden über mehrere Stunden betreut. Dadurch knüpfen sie soziale Kontakte, lernen neue Sportarten oder Aktivitäten kennen, die lokalen Vereine werden gefördert und Ihnen als Eltern kostet der ganze Spass ein Bruchteil einer Bezahlung für die Kinderkrippe. Plus, Sie belasten den Steuerzahler um keinen einzigen Rappen - und höchstwahrscheinlich hat Ihr Kind auch noch Spass an der ganzen Übung.

In meinem Tennisclub bieten wir einen Freitag-Nachmittag-Juniorenplausch an; für lediglich 20 CHF (!) pro Saison. Als Tennislehrer kommen immer wieder Kinder in die Lektion, welche einfach einmal schnuppern wollen, andere interessieren sich brennend für’s Tennis und wieder andere (so habe ich das Gefühl) liefern das Kind bei uns ab und nutzen die gewonnene Zeit für’s Einkaufen oder Ähnliches. Übrigens kostet auch eine Vollmitgliedschaft für ein Kind für eine Saison nur ein Bruchteil der Kosten für eine Kinderkrippe, in vielen Sportvereinen liegt dieser Betrag bei etwa 100 CHF - Sich zu informieren lohnt sich also eindeutig!

Ein Kind ist keine Ware – es ist ein einschneidendes Erlebnis in unserem Leben, es ist ein neues Familienmitglied. Sie würden Ihren Hund (das ist gewissermassen ja auch ein Familienmitglied, welches Zuneigung und Betreuung benötigt) schliesslich auch nicht in eine staatliche Hundekrippe bringen – denn sonst würden Sie sich keinen Hund anschaffen. Richtig? Wieso sollten Sie also das Selbe mit ihrem Kind tun?

Die Befürworter des Familienartikels zeigen nun gegen Ende des Abstimmungskampfes ihre gesellschaftliche Verdrossenheit; sie behaupten nun nicht mehr nur noch „bezahlbare (=staatliche) Kinderkrippen fördern die Wirtschaft und ermöglicht es auch Frauen, arbeiten zu gehen“ (und wer bezahlt dies – aha, auch wieder wir Steue