Wo sind die Goldreserven?

Das „Volksvermögen Gold“ wurde ab Mai 2000 nicht nur
laufend verkauft, sondern Nationalbank und Bundesrat gaben zudem keine Auskunft, wo sich das noch verbleibende Gold befindet. Misstrauisch geworden, begannen Parlamentarier – von links bis rechts – Fragen zu stellen: Wo ist das Schweizer Gold eingelagert? Liegt es teilweise im Ausland? Ist es eventuell ausgeliehen und gar nicht mehr vorhanden?

Jede Antwort des Bundesrats musste noch misstrauischer machen, denn die Fragen wurden einfach nicht beantwortet. Berühmt wurde die Antwort von Bundesrat Kaspar Villiger im Nationalratssaal auf die Anfrage von Nationalrat Paul Günter (2003):

Wo diese Goldbarren nun genau liegen,

kann ich Ihnen leider nicht sagen, weil ich es auch nicht
weiss, es nicht wissen muss und es nicht wissen will.“

Nicht nur bei uns wird die Auskunft verweigert: Hartnäckig hält sich z.B. in Deutschland das Gerücht, die angeblich 3‘400 Tonnen deutschen Goldreserven lägen längst in den USA. Und auch die US-Statistiken werfen – nach Umbuchungen von „Gold“ zu „Goldforderungen“ – Fragen auf.

Reales Gold und Goldforderungen sind ein riesiger Unterschied: Goldforderungen -inklusive ausgeliehenes Gold – bestehen nur auf dem Papier. Nur wer Gold real besitzt, ist sicher. Ein Anspruch auf Goldzahlung kann nur durchgesetzt werden, wenn der Schuldner das Gold physisch noch hat und zurückgeben will und kann. Das von der Nationalbank ausgeliehene Gold liegt also nicht nur an unbekanntem Ort, sondern es ist eventuell nicht mehr vorhanden und im Notfall eventuell gar nicht mehr einbringbar.

Wie in einer Bananenrepublik

Ein kleiner geschichtlicher Rückblick ist aufschlussreich: Vor 1914 galt der „Goldstandard“, mit dem die Welt Jahrzehnte lang eine nie zuvor gesehene Wohlstands-Phase erlebte. Alle wichtigen Währungen waren ans Gold gebunden.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der Goldstandard über Bord geworfen. Die Welt versank nicht nur im Krieg, sondern auch währungspolitisch im Chaos: Nach 1918 folgte die katastrophale Hyper-Inflation in Deutschland, ab 1929 die Weltwirtschaftskrise, die in den Zweiten Weltkrieg mündete. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1944 in Bretton Woods die Welt-Finanzordnung neu definiert. Zwar kehrte man nicht zum Goldstandard zurück, aber man schuf
den „Gold-Dollar-Standard“. Es folgten 30 Jahre Wohlstand.

Gleichzeitig brachte der Gold-Dollar-Standard den USA ungeheure Macht: Dollars waren nun so gut wie Gold. Die USA konnten beliebig Dollars drucken, die weltweit als Währungsreserve und als Zahlungsmittel akzeptiert wurden. Das ging so lange gut, als die USA verantwortungsvoll haushalteten. Als die Disziplin nachliess, kam es, wie es kommen musste: Als 1971 ausländische Zentralbanken (wie z.B. die
Bank of England) bei den Amerikanern immer mehr Gold gegen Dollars eintauschen wollten (zum festgelegten Preis von 35 US-$ pro Unze), zog Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 die Notbremse: Er verbot dem US-Schatzamt den Tausch von Gold gegen Dollars; ein Akt, der gegen zentrale internationale Vereinbarungen verstiess – ein willkürliches Handeln wie in einer Bananenrepublik.

Dieser Entscheid von Präsident Nixon 1971 veränderte die Finanzwelt in ihren Grundfesten, mit Auswirkungen bis zum heutigen Tag. Er bedeutete faktisch den Todesstoss für das ursprüngliche System von Bretton Woods (mit welchem die
beiden Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) geschaffen worden waren).1973 krachte das System der „festen“ Wechselkurse (Bretton
Woods) endgültig zusammen. Es folgte das Zeitalter der „flexiblen“ Wechselkurse, bei welchen alle Währungen frei gegeneinander schwanken. Im Oktober 1973 kam es zur ersten massiven Rezession der Nachkriegszeit. Vor allem aber war der Entscheid Nixons die Geburt einer Zeitbombe: Solange es feste Wechselkurse gegeben hatte, gab es kaum Bedarf für Währungsabsicherungen.

Für Produzenten von dauerhaften Gütern (z.B. von Flugzeugen, Lokomotiven etc.) entstand durch das neue System der flexiblen Wechselkurse jedoch schlagartig das Problem von Währungsschwankungen. Die notwendig gewordenen Währungsabsicherungen schufen dem Finanzsektor einen völlig neuen Markt mit riesigen Einnahmequellen.

Der menschliche Geist war schon immer erfinderisch. Mit Derivat-Kontrakten, Swaps, Optionen, Futures etc. wurde eine neue, unübersichtliche Branche geschaffen, über die selbst viele Banken-Insider keinen Überblick mehr haben.
Geschaffen wurden Instrumente mit grenzenlosen Spekulationsmöglichkeiten. Ein weltweites Spielcasino entstand, ungleich gefährlicher als das „Spielerparadies Las Vegas“.

Eine Frage unserer Unabhängigkeit

Man lese, was der deutsche Finanzpublizist Bruno Bandulet bereits 1996 in seiner Publikation ISBN 3-907983-24-6 festhielt, in welcher er mit erstaunlicher Weitsicht beschrieb, dass sich in Ländern wie Griechenland zwangsläufig eine
Schuldenkrise anbahnt. Er betonte, dass eine solide, gesunde eigene Währung Grundlage der Freiheit sei und fuhr fort: „Politische Selbstbestimmung ohne Souveränität über die eigene Währung ist undenkbar. Verliert eine Nation die
Souveränität über ihre Währung, ist die Gleichschaltung mit andern nicht mehr aufzuhalten. (…) Bis heute vermochte sich die Schweiz aus der Schusslinie herauszuhalten. Dennoch ist vor voreiligen Illusionen zu warnen. Die Schlacht
um den Schweizer Franken ist noch nicht entschieden. Weitere Versuche, den Schweizer Franken einzukreisen und aufzusaugen, stehen bevor“.

Wenn die Mächtigen dieser Welt kein Interesse an einer kleinen, selbständigen Schweiz mit einer eigenen Währung und einer eigenen, unabhängigen Nationalbank haben, mag dies verständlich sein. Verständlich mag auch sein, wenn Brüssel die alten europäischen Staaten via Einheitswährung eliminieren will (die Europäische Zentralbank EZB ersetzt die alten nationalen Zentralbanken). Aber wer die Schweiz
als selbständiges, wohlhabendes Land bewahren will, muss für eine starke Nationalbank kämpfen, die mit hohen Goldreserven auch für Krisenfälle gerüstet ist.

Eine eigene Währung mit einer eigenen Nationalbank ist eine der wichtigsten
Voraussetzungen für die Unabhängigkeit unseres Landes.
Je höher die eigenen Goldreserven langfristig bleiben, desto unabhängiger bleibt die Nationalbank.

750 Milliarden Euro-Rettungsfallschirm

Mit der „Griechenland-Krise“ folgte 2010 das nächste Kapitel der faktisch unlimitierten Kreditgewährung aus dem Nichts. Und wieder wurde dazu der Internationale Währungsfonds IWF instrumentalisiert: Die EU stellte für gefährdete Euro-Länder Kredite von 500 Milliarden Euro in Aussicht, der IWF werde zusätzliche 250 Mrd. Euro beisteuern (inzwischen wurden mehr als 100 Mrd. Euro in den Hilfsfonds „European Financial Stability Facitiy“ einbezahlt, der ab 2013 auf 780 Mrd. Euro aufgestockt werden soll).

Diesmal hatten nicht die USA bzw. die amerikanische Zentralbank FED die Federführung inne, sondern die EU bzw.
die Europäische Zentralbank EZB. Im Ergebnis war es dasselbe: Die Mächtigen dieser Welt schufen aus dem Nichts heraus gigantische Kredite unter Miteinbezug des IWF, um das immer bedrohlicher werdende Schuldensystem zu retten. Hier ging es – realistisch betrachtet – nicht um die Rettung Griechenlands, sondern um die Rettung der Banken, die Ländern wie Griechenland in fahrlässiger Höhe Kredite
gegeben hatten – sowie vor allem um die Rettung des Euro.

Auch die „Griechenland-Krise“ und die seitherigen Turbulenzen des Euro wären nicht denkbar gewesen, hätte es noch an Gold gebundene Währungen gegeben. Die griechische Drachme wäre einfach abgewertet worden; das Währungsgleichgewicht hätte sich – wie in all den Jahrzehnten zuvor – für wirtschaftlich schwächere Länder wie Griechenland automatisch eingependelt. Die heute Immer schwindelerregenderen Kredite wurden und werden nur notwendig, weil nur auf diese Weise das immer grotesker werdende Schuldenkarussell in Fahrt gehalten werden kann.

Die Reaktion der Schweizerischen Nationalbank

Im Fahrwasser der internationalen Entwicklung warf 2010 auch die Schweizerische Nationalbank bisherige Prinzipien einfach über Bord und vergrösserte die Geldmenge massiv. Noch 2002 schrieb die Nationalbank zur Frage „Wie wird
der Wert unseres Geldes ohne Golddeckung gesichert?“: „Solange Papiergeld durch Gold gedeckt sein musste, war Gold sein Anker: Weil die Menge an gefördertem Gold nur langsam anstieg, bestand kaum Gefahr, dass plötzlich zu
viel Gold und damit zu viel Papiergeld in Umlauf war. Heute verpflichten sich die Zentralbanken dazu, die Menge an umlaufendem Geld wohldosiert zu erhöhen. So können sie sicherstellen, dass der Wert des Geldes erhalten bleibt. Diese
Verpflichtung der Zentralbanken spielt nun die Rolle des Ankers.“ (Broschüre „Die Nationalbank und das liebe Geld“).

Nun plötzlich war von „Verpflichtung“ und „wohldosiert“ nicht mehr die Rede: In schwindelerregendem Ausmass kaufte die Nationalbank ausländische Devisen (z.B. deutsche Staatsanleihen); in einem einzigen Monat für annähernd 80 Milliarden
Franken. Innert kürzester Zeit vervierfachte sie die Devisenbestände auf über 200 Mrd. Franken und fuhr damit Verluste von Dutzenden von Milliarden von Franken ein, da der Euro und der Dollar laufend an Wert verloren. Selbst wenn man die Meinung vertritt, dass die Interventionen der Nationalbank vertretbar bzw. sogar richtig waren: Wo liegt der Grund, dass sie mit den gigantischen Summen der erworbenen Fremdwährungen nicht auch teilweise Gold gekauft hat? Damit wäre sie entsprechend weniger von der politischen Entwicklung in den einzelnen Euro-Ländern und den USA abhängig.

Ohne jede Zustimmung der Bevölkerung

Zu betonen ist, dass sich unsere Bevölkerung nie zur Frage äussern konnte, ob Gold verkauft werden soll oder nicht; auch wenn es dabei um ihr eigenes Volksvermögen ging. Die politischen Diskussionen und die Volksabstimmungen betrafen nie die Frage des Verkaufs, sondern nur immer die Frage, wie ein Verkaufs-Erlös verteilt werden solle (von der Abstimmung „Goldinitiative-AHV“ am 22.09.2002 bis zur
„Kosa-Initiative“ am 24.09.2006.

Auch das Parlament hat nie über den Goldverkauf abgestimmt. Allerdings muss es sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es die gesetzlichen Möglichkeiten zum Gold Verkauf erleichtert hat, wobei die meisten Parlamentarierinnen und Parlamentarier irregeführt wurden und kaum merken konnten, welche Auswirkungen die diversen Revisionen haben könnten.

Die Goldverkäufe wurden immer in kleinem Kreis abgesprochen und entschieden. Das war schon bei den Plänen zur erwähnten „Solidaritätsstiftung“ so: Die Idee des Gold-Verkaufs im Wert von sieben Milliarden Franken wurde von Direktor Hans Meyer (einem der damaligen drei Direktoriumsmitglieder der Nationalbank) dem damaligen Bundesrat Kaspar Villiger bei einem Waldspaziergang „verkauft“.
Die geltende Regelung ist ebenso einfach wie besorgniserregend: Die drei Mitglieder des Nationalbankdirektoriums können im Alleingang beschliessen, ob und wieviel Gold verkauft wird. Sie brauchen nicht einmal grünes Licht vom Bundesrat.

Die SVP will dieser willkürlicher Handhabung mit dem Gold (dem einzigen sicheren Eigentum) den Riegel schieben. Darum haben wir die Goldinitiative lanciert, die sich im Endstadium der Unterschriftensammlung befindet.

Wortlaut der Volksinitiative:

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert: